Proteste in La Paz: Rubios Stellvertreter spricht von „Putsch“ durch „unheilige Allianz“ in Bolivien
In der bolivianischen Hauptstadt La Paz spitzen sich seit Tagen die Proteste gegen die Regierung zu. Bauern und indigene Gruppen verlangen den Rücktritt des Mitte-rechts-Präsidenten Rodrigo Paz. Die US-Regierung zeigt sich darüber besorgt.
US-Vizeaußenminister Christopher Landau bezeichnete die Proteste gegen Präsident Paz als einen Umsturzversuch. „Dies ist ein Putsch, der von einer unheiligen Allianz aus Politik und organisierter Kriminalität in der gesamten Region finanziert wird“, erklärte Landau, der Stellvertreter von Senator Marco Rubio, in Washington. Paz sei demokratisch gewählt worden. „Jetzt werden die Straßen von gewalttätigen Demonstranten blockiert. Das sollte uns alle alarmieren.“
Am Montag kam es in La Paz zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Tausende Bauern, Bergleute, Lehrer, Arbeiter und Angehörige indigener Gemeinschaften fordern neben dem Rücktritt von Präsident Paz auch höhere Löhne, wirtschaftliche Stabilität und ein Ende der Privatisierungen.
Ein Demonstrant verliert sein Leben
Seit mehr als zwei Wochen ist La Paz durch Straßenblockaden größtenteils vom Rest des Landes abgeschnitten. Bei Zusammenstößen während der Blockaden am Samstag starb ein Demonstrant. Eine Delegation der EU zusammen mit fünf europäischen Botschaften forderte in einer gemeinsamen Erklärung zu einem Dialog auf.
Bolivien befindet sich in der schwersten Wirtschaftskrise seit vier Jahrzehnten. Die Inflation erreichte im April 14 Prozent. Nach seinem Amtsantritt im November hatte Präsident Paz die seit etwa 20 Jahren bestehenden Treibstoffsubventionen abgeschafft, die das Land stark finanziell belasteten. Aufgrund der eskalierenden Proteste schlossen Banken in La Paz am Dienstag vorübergehend einige Filialen.
Mit seinem Wahlsieg beendete Paz zwei Jahrzehnte sozialistischer Regierungen, die unter dem indigenen Politiker Evo Morales begonnen hatten. Seitdem sucht Bolivien wieder die Nähe zu den USA. Die Regierung macht Verbündete des ehemaligen linken Präsidenten Morales für die Blockaden verantwortlich.