Krim wird zur Insel: Ukraine meldet 116 Treffer auf russische Schiffe in neun Tagen
Die Ukraine verstärkt nicht nur ihre Drohnenangriffe auf russische Raffinerien, sondern berichtet auch von 116 Angriffen auf Schiffe im Asowschen Meer innerhalb von etwas mehr als einer Woche. Dies erfolgt im Rahmen einer durchdachten militärischen Taktik.
Nach Angaben der ukrainischen Armee wurden in der vergangenen Nacht elf russische Schiffe im Asowschen Meer attackiert. Darunter befanden sich fünf Tanker, fünf Frachtschiffe sowie ein Schlepper, teilte Robert Browdy, Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, auf Telegram mit. Von russischer Seite gab es keine Stellungnahmen. Der Schaden an den Schiffen ist bislang unbekannt. Browdy veröffentlichte außerdem ein Video, das die Angriffe dokumentieren soll.
Damit erhöhe sich die Anzahl der in den letzten neun Tagen getroffenen Schiffe auf insgesamt 116, so Browdy weiter. Diese Zahlen konnten bisher nicht unabhängig verifiziert werden. Dennoch wurden in den vergangenen Tagen zahlreiche Treffer beobachtet, die mehrere Schiffe im Asowschen Meer manövrierunfähig gemacht haben.
Die Angriffe auf Tanker sind Teil einer gezielten Kampagne, um den russischen Truppen in der besetzten Ukraine den Treibstoffnachschub zu erschweren und die seit 2014 von Russland annektierte Halbinsel Krim zu isolieren. Parallel dazu intensivierte die Ukraine in den letzten Wochen ihre Attacken auf Ölraffinerien in ganz Russland, was zu einer erheblichen Treibstoffknappheit im Land führte.
Nach Angaben von Browdy richten sich die Angriffe besonders gegen kleinere Tanker der sogenannten Schattenflotte, die als Zubringer fungieren. Diese Schiffe transportieren Öl aus russischen Häfen über den Wolga-Don-Kanal und das Asowsche Meer zu größeren Tankern, die aufgrund ihres Tiefgangs nicht direkt an Terminals anlegen können und im Schwarzen Meer be- und entladen werden. Wenn diese Zubringer außer Gefecht gesetzt werden, wird der Ölexport stark behindert. Gleichzeitig beeinträchtigen beschädigte Tanker und Schlepper den Treibstofftransport zur Krim über das flache Asowsche Meer, was den Druck auf alternative Lieferwege über Straße und Schiene erhöht – diese stehen ebenfalls unter ukrainischem Beschuss.
Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow kündigte Mitte Juni an, die Halbinsel Krim durch Drohnenangriffe zu isolieren. „Es sieht so aus, als würde die Krim bald zu einer Insel werden“, erklärte er in einem Interview. Für die Ukraine eröffne sich durch die Angriffe auf die russischen Nachschublinien ein „Fenster der Möglichkeiten“. „Für die Russen beginnt eine schwere Zeit, die sie nur schwer bewältigen werden“, so Fedorow.