Nicht Hitze oder Verletzungen – die wahre Gesundheitsgefahr bei der WM 2026
Wenn Fans an Risiken bei der Weltmeisterschaft denken, kommen ihnen meist Verletzungen, Hitze oder vielleicht Sicherheitsbedrohungen in den Sinn. Doch Experten für öffentliche Gesundheit konzentrieren sich auf etwas Unauffälligeres, das potenziell viel weiter verbreitet ist. Sie sprechen von „Krankheiten in Menschenmengen“.
Während über 6,5 Millionen Fans aus den USA, Mexiko und Kanada zur FIFA-Weltmeisterschaft 2026 reisen, bereiten sich Ärzte und Epidemiologen auf einen Anstieg alltäglicher Infektionen vor, die in überfüllten Stadien, Fan-Zonen und internationalen Verkehrsknotenpunkten besonders leicht übertragen werden.
Und die größte Sorge ist kein seltener Virus. Es handelt sich um Masern.
Warum Masern bei der WM ganz oben auf der Beobachtungsliste stehen
Gesundheitsbehörden in den Gastgeberstädten nennen Masern als ihre Hauptsorge vor dem Turnier. Ursache dafür sind unter anderem niedrigere Impfquoten in bestimmten Regionen sowie das enorme Aufkommen internationaler Reisender.
Im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten können Masernviren bis zu zwei Stunden in der Luft verbleiben, nachdem eine infizierte Person einen Raum verlassen hat. Das macht überfüllte Umgebungen wie Stadien und Indoor-Fan-Events besonders anfällig.
Mit Millionen von Menschen, die zwischen Städten, Ländern und Kontinenten pendeln, entstehen ideale Bedingungen für eine Ansteckung – selbst ohne direkten Kontakt.
Das eigentliche Risiko: Alltägliche Krankheiten verbreiten sich rasch
Während Schlagzeilen oft seltene oder dramatische Ausbrüche hervorheben, betonen Experten, dass die größten Gesundheitsrisiken bei der WM viel alltäglicher sind. Atemwegserkrankungen wie COVID-19, Influenza und RSV werden voraussichtlich zirkulieren, vor allem da Fans aus beiden Hemisphären anreisen und die Grippesaison somit nie wirklich endet.
Magen-Darm-Infektionen wie Noroviren sind eine weitere bedeutende Gefahr, insbesondere in überfüllten öffentlichen Bereichen, in denen Lebensmittelhygiene und Handhabung variieren können.
Auch sexuell übertragbare Infektionen nehmen Forschern zufolge bei großen globalen Events zuverlässig zu – begünstigt durch Reisen, Nachtleben und verstärkte soziale Aktivitäten.
Wie der Infektionsexperte Amesh Adalja es treffend formuliert: Diese Infektionen „werden definitiv bei der WM mit dabei sein“.
Trotz weltweiter Aufmerksamkeit für Viren wie Ebola oder Hantavirus bleiben diese Bedrohungen für die Allgemeinbevölkerung äußerst gering. Solche Krankheiten benötigen meist sehr spezifische Kontaktarten zur Übertragung, wie sie in einem Stadion oder auf einem Fan-Festival kaum vorkommen. Die eigentliche Herausforderung ist die Größenordnung. Wenn Millionen Menschen zusammenkommen, können selbst harmlose oder häufige Erkrankungen sich schnell und breit ausbreiten.
Die WM soll die Welt vereinen. Doch dieselbe globale Bewegung ermöglicht es auch Mikroben, sich ebenso frei zu verbreiten wie die Fans. Menschen fliegen kontinentübergreifend, oft ohne zu wissen, dass sie ansteckend sind. Sie teilen Essen, Getränke und öffentliche Räume und reisen dann weiter zur nächsten Stadt.
Es handelt sich nicht um eine Krisensituation, sondern um eine unvermeidliche Entwicklung. Deshalb bereiten sich Gesundheitsbehörden nicht auf das Unvorhergesehene vor, sondern auf das Gewöhnliche – nur in einem außergewöhnlichen Ausmaß. Bei einem Event von der Größenordnung der WM ist die größte Gefahr kein einzelner Ausbruch, sondern die stille Verbreitung alltäglicher Krankheiten.