Hat Lamine Yamal bei der WM 2026 enttäuscht? Sein Einfluss geht weit über Tore und Vorlagen hinaus
Lamine Yamal zählt zu den meistbeachteten Spielern Spaniens bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026. Mit nur einem Tor und keiner Vorlage haben einige Fans ihre Enttäuschung zum Ausdruck gebracht, besonders angesichts der hohen Erwartungen an einen der größten Stars des Turniers. Ein genauerer Blick auf seine Leistungen offenbart jedoch ein anderes Bild. Obwohl die Statistik nicht beeindruckend erscheint, ist sein Einfluss auf das spanische Spiel weit bedeutender, als es reine Zahlen vermuten lassen.
Der Flügelspieler von Barcelona hat zwar nicht das dominanteste WM-Turnier seiner jungen Karriere absolviert, doch war er alles andere als eine Randfigur. Gegen starke Gegner wie Uruguay, Österreich, Portugal, Belgien und Frankreich stand er stets im Fokus der gegnerischen Abwehrreihen. Seine Fähigkeit, mehrere Verteidiger auf sich zu ziehen und Räume für seine Mitspieler zu schaffen, zwang die Gegner dazu, ihre Taktiken während des Turniers immer wieder anzupassen.
Die Abwehrreihen richten ihre Strategien nach ihm aus
Mehrere Verteidiger, die mit der Aufgabe betraut waren, Lamine Yamal zu stoppen, hatten große Schwierigkeiten und wurden schließlich ausgewechselt. Sanabria (Uruguay), Maxim De Cuyper (Belgien) und Lucas Digne (Frankreich) mussten allesamt ersetzt werden, nachdem sie seinem Tempo und Dribbling nicht gewachsen waren. Selbst in seinem wohl ruhigsten Spiel gegen Portugal griff er unermüdlich Nuno Mendes an, bis der portugiesische Außenverteidiger verletzungsbedingt ausgewechselt und durch Nélson Semedo ersetzt wurde.
Der Einfluss von Lamine Yamal geht zudem weit über die offiziellen Statistiken hinaus.
Gegen Belgien half er beim Führungstreffer Spaniens, indem er die Verteidiger auf sich zog, bevor Pedro Porro Fabián Ruiz bediente. Im Halbfinale gegen Frankreich erzwang er den Elfmeter zum 1:0 und hatte zudem ein Tor, das als eines der schönsten des Turniers hätte gelten können, aberkannt bekommen. Weder das eine noch das andere ging als Tor oder Vorlage in die Statistik ein, spielten jedoch eine entscheidende Rolle für Spaniens Erfolg.
Die Zahlen zeigen mehr als nur Tore und Vorlagen
Seine zugrundeliegenden Statistiken erzählen ebenfalls eine spannende Geschichte.
Gegen Belgien erreichte Lamine Yamal eine Passgenauigkeit von 83 %, versuchte sechs Torschüsse, vollendete vier Dribblings und zog vier Fouls. Gegen Österreich lag seine Passgenauigkeit bei 90 %, er kreierte zwei Großchancen und wurde zum Spieler des Spiels gewählt.
Im Spiel gegen Portugal absolvierte er die vollen 90 Minuten, holte sechs Bälle zurück und blieb trotz intensiver Defensivbewachung stets stark eingebunden. Auch im Halbfinale gegen Frankreich trug er entscheidend bei, indem er einen Elfmeter erzwang, eine große Chance vorbereitete, einen wichtigen Pass spielte und 83 % seiner Pässe an den Mann brachte.
Laut Opta liegt Yamals durchschnittliche erwartete Torbeteiligung (xG) bei 1,51 pro Spiel – ein weiterer Hinweis darauf, dass er weiterhin eine zentrale Rolle bei der Schaffung gefährlicher Torchancen für Spanien einnimmt.
Lamine Yamal lässt Kritik unbeeindruckt
Der 19-Jährige hat die wachsende Debatte um seine Torbilanz ebenfalls zurückgewiesen.
„Alle sind nur noch auf Tore fixiert. Ich habe bei der Europameisterschaft nur ein Tor erzielt, und hier jetzt auch eins“, erklärte er kürzlich.
Mit nur noch dem WM-Finale vor sich, lässt sich ein Fazit ziehen: Lamine Yamal war zwar nicht der herausragende Spieler des Turniers und auch nicht Spaniens entscheidendster Akteur, doch sein Beitrag war deutlich größer, als es seine Tor- und Vorlagenstatistik vermuten lässt. Für eine spanische Mannschaft, die das WM-Finale erreicht hat, war sein Einfluss durchgehend spürbar, auch wenn er weniger offensichtlich war als der mancher Teamkollegen.