Finnlands Zivilschutz beeindruckt Wadephul: „Ein völliges Umdenken ist nötig“
Finnland bereitet sich intensiv auf einen möglichen Angriff aus Russland vor: In den Schutzräumen der Hauptstadt finden Hunderttausende Menschen Platz. Außenminister Wadephul regt dies zum Nachdenken über Deutschlands Schutzinfrastruktur an.
Johann Wadephul, Außenminister, betont angesichts der russischen Bedrohung die Notwendigkeit neuer Konzepte für den Zivilschutz in Deutschland. „Wir müssen völlig neu denken“, erklärte der CDU-Politiker bei seinem Besuch einer umfangreichen Zivilschutzanlage in Helsinki, als er gefragt wurde, welche Erkenntnisse er mit nach Deutschland nehmen würde.
Finnland gilt als vorbildlich bei der Bereitstellung von Schutzräumen. Die Hauptstadt mit rund 700.000 Einwohnern verfügt über Schutzräume für etwa 900.000 Menschen – die meisten davon befinden sich unter privaten Gebäuden.
In der Einrichtung im Stadtteil Merihaka können im Ernstfall bis zu 6.000 Personen Schutz vor nuklearen und chemischen Gefahren finden. Die Anlage, die 2003 fertiggestellt wurde, liegt etwa 20 Meter unter der Erdoberfläche. In Friedenszeiten wird sie von privaten Betreibern als Sportstätte, Spielplatz und Parkplatz genutzt.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022 wird in Deutschland überlegt, ähnliche Zivilschutzanlagen wie in Finnland zu errichten, berichtete Wadephul, der von seiner finnischen Amtskollegin Elina Valtonen begleitet wurde. „Haben wir bisher etwas erreicht?“, fragte er rhetorisch. Nun sei es dringend erforderlich, das Tempo zu erhöhen und beim Bau solcher Anlagen neue Wege zu gehen.
Spitze gegen Wegner
Wadephul erinnerte an den Stromausfall in Berlin im Januar und fragte ironisch, ob man in solchen Anlagen auch Tennis spielen könne – ohne explizit den Namen Kai Wegner zu erwähnen. Der Regierende Bürgermeister Berlins hatte seine Spitzenkandidatur für die CDU bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September nach anhaltender Kritik an seinem Verhalten nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung am 3. Januar zurückgezogen. Unter anderem hatte er zunächst verschwiegen, dass er am ersten Krisentag eine Stunde Tennis mit seiner Partnerin gespielt hatte.
Anschließend planten Wadephul und Valtonen eine Besichtigung des geschlossenen finnisch-russischen Grenzübergangs Vaalimaa, rund 200 Kilometer östlich von Helsinki. Vor der Schließung war dieser mit bis zu drei Millionen Grenzübertritten pro Jahr der meistgenutzte Übergang zwischen der EU und Russland. Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine ist die Sicherheitslage an der über 1300 Kilometer langen finnisch-russischen Grenze angespannt. Mit dem Nato-Beitritt Finnlands im April 2023 ist diese Grenze die längste Landgrenze des Bündnisses zu Russland.