Bedenken am Austragungsort des WM-Finals: Darum ist Vorsicht geboten
Bei einer Weltmeisterschaft zählt wirklich alles – absolut alles. Unvergessen bleibt die drückende Hitze beim WM-Finale 1994 im Rose Bowl in Pasadena, nahe Los Angeles. Brasilien und Italien litten unter Temperaturen von bis zu 38 °C, was zu einem extrem langsamen Spiel führte, das am Ende torlos blieb. Dreiunddreißig Jahre später hat sich daran wenig geändert. Das wichtigste aller Endspiele, Spanien gegen Argentinien, findet im MetLife Stadium bei Temperaturen um die 32 °C statt, wobei die hohe Luftfeuchtigkeit die Herausforderung zusätzlich verschärft. Entschuldigungen gibt es nicht, aber Fakten. Spanien hat bei dieser WM sieben Spiele absolviert und davon bis auf eines alle in überdachten Stadien bestritten. Zwei Begegnungen fanden im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta statt, weitere zwei im SoFi Stadium in Los Angeles und zwei im AT&T Stadium in Dallas. Das einzige Spiel unter freiem Himmel wurde in Guadalajara, Mexiko, unmittelbar nach einem heftigen Gewitter ausgetragen. Damals spielte die Hitze keine Rolle. Vorteilhaft für Spanien ist, dass das Team bereits unter hohen Temperaturen in Chattanooga und Dallas trainiert hat. Man wusste immer, dass dieser Moment kommen könnte.
„Man kann das kaum noch Rasen nennen“
Doch es gibt etwas, das womöglich problematischer ist als das Wetter – sogar mehr als die Atmosphäre, die im MetLife Stadium an eine Miniaturausgabe der La Bombonera erinnern soll. Gemeint ist der Spielfeldbelag. Das Gras im Stadion von New Jersey hat sich nicht als einer der besten Beläge dieses Turniers etabliert. Die Kritik häuft sich während der gesamten WM. Vinícius Júnior äußerte sich bereits nach Brasiliens Spiel gegen Marokko: „Es ist sehr heiß, und obwohl der Platz bewässert wird, trocknet das Gras extrem schnell aus. Der Boden wird sehr hart. Wir können nicht mit hohem Tempo spielen, und das schadet uns, weil wir Fußball spielen und den Ball laufen lassen wollen.“ Genau das könnte Spanien besonders treffen. Frankreichs Adrien Rabiot war noch deutlicher: „Man kann das kaum noch Rasen nennen“, klagte Rabiot. „Es fühlt sich eher wie Kunstrasen an. Für alle ist es gleich, aber es ist hart und starr.“
Ab Donnerstag hat Spanien nun Zeit, sich an die Bedingungen in und um New York anzupassen – eine Großstadt aus Beton, die kaum Gemeinsamkeiten mit Texas oder Kalifornien aufweist. Ebenso wichtig ist, dass sich die Spieler mental auf alle Faktoren vorbereiten, die ein Finale dieser Größenordnung beeinflussen können. Es wird sogar spekuliert, dass die Halbzeitpause auf 30 Minuten verlängert werden könnte, um musikalische Auftritte von Künstlern wie Shakira, Madonna und der K-Pop-Band BTS zu ermöglichen. Diese Möglichkeit ist zwar noch nicht bestätigt, würde aber die ohnehin kontrovers diskutierten Abkühlpausen bei diesem Turnier weiter in den Fokus rücken, die in diesem Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit nötig sein werden. Das MetLife Stadium birgt alle Voraussetzungen, um für Spanien zur Falle zu werden. Nun liegt es an Luis de la Fuente, dafür zu sorgen, dass diese Falle nicht zur tödlichen wird.