USA im Fokus: Trumps Käfigkampfspektakel wird zur überladenen Werbeveranstaltung
Zum 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten wurde vor dem Weißen Haus ein außergewöhnliches Sportereignis veranstaltet. Auf Wunsch des Präsidenten fanden dort Käfigkämpfe statt, die sich an alle Amerikaner richteten. Die Inszenierung war imposant, ebenso wie die umfangreichen Werbemaßnahmen.
Aus einer spontanen Idee des US-Präsidenten entwickelte sich eines der ungewöhnlichsten Sportevents aller Zeiten: Die Feier zum 250-jährigen Bestehen der USA wandelte sich zu einer umfangreichen Werbeplattform für Sponsoren und Unterstützer der Mixed-Martial-Arts-Organisation Ultimate Fighting Championship (UFC) direkt vor dem Weißen Haus. Ursprünglich sollte es ein Live-Sportereignis als Geschenk an das amerikanische Volk werden.
US-Präsident Donald Trump hatte vor Monaten den Wunsch nach einem UFC-Event geäußert, wobei sein 80. Geburtstag als geeigneter Termin galt. Für dieses Ereignis errichtete der MMA-Riese nicht nur eine Arena auf dem Rasen vor dem Weißen Haus, sondern organisierte auch ein kleines Festival.
Im Vorfeld hatte UFC-Chef Dana White erklärt, dass das Event mit einem erheblichen Verlust rechnen müsse. Die Kosten wurden auf etwa 60 Millionen Dollar geschätzt. Während die Muttergesellschaft TKO Group Holdings sämtliche Ausgaben für Aufbau, Produktion und Kämpferhonorare übernahm, erwartete man aufgrund des kostenlosen Eintritts einen Verlust von rund 30 Millionen Dollar. Während der Übertragung auf dem Streamingdienst Paramount+ entstand jedoch der Eindruck, dass man intensiv versuchte, jeden Dollar wieder hereinzuholen.
Die Werbung war deutlich präsenter als bei üblichen UFC-Veranstaltungen. Der Ringboden war ohnehin mit Firmenlogos bedeckt, doch nun wurden auch die Mikrofone der Kommentatoren, einzelne Kämpfe und sogar die Kameraeinstellungen im Aufwärmbereich der Kämpfer mit Sponsoren versehen. „Dieser Kampf wird präsentiert von Truth Social – der echten Stimme von Präsident Trump“, verkündete einer der Kommentatoren. Einzig das Weiße Haus blieb von Werbeflächen unberührt.
Das Weiße Haus diente einerseits als beeindruckende Kulisse und andererseits als Bühne für die Kämpfer. Jeder MMA-Profi des Abends hatte seinen eigenen Einmarsch, wobei sie aus unterschiedlichen Bereichen des Weißen Hauses auf die Bühne traten. Dabei spielte ein großes Orchester deren Lieblingsmusik, was an diesem Abend eine willkommene Abwechslung bot.
Einmarsch bei Gewitterwarnung mit „Thunderstruck“
Ein besonderer Einmarsch war auch für Donald Trump vorgesehen. An der Seite von Dana White führte ein langer Gang zum Käfig im Zentrum der sogenannten „Klaue“, der Event-Konstruktion vor dem Weißen Haus. Begleitet wurde Trump vom Orchester, das ACDC’s „Thunderstruck“ spielte. Eine ironische Wahl, da das Event zeitweise durch Gewitterwarnungen in Washington gefährdet war und eine Verschiebung oder Unterbrechung möglich schien. Danach erklang die Nationalhymne, vorgetragen von der Zac Brown Band, gefolgt von einem Überflug einer Staffel Kampfjets – ein sehr amerikanisches Spektakel.
Zwischen den Kämpfen bemühte sich die UFC, ihrem eigentlichen Ziel gerecht zu werden: Amerika und seine Alltagshelden in den Mittelpunkt zu stellen. Sowohl die rund 80.000 Zuschauer im Ellipse Park als auch die Zuschauer zu Hause sahen Einspieler, die den Flaggentag, das Militär und Einsatzkräfte würdigten. Zwischendurch flog ein Überschallbomber B-1B Lancer über das Veranstaltungsgelände.
White nutzte die Gelegenheit, um Werbung für sein neues Projekt, eine eigene Boxorganisation, zu machen. Überraschend betrat Boxlegende Tyson Fury den Ring, obwohl ihm aus juristischen Gründen eigentlich die Einreise verweigert wurde. Während der Übertragung erklärte Fury, dass White die Ankündigung überlassen solle, womit er sein Engagement bei Zuffa Boxing indirekt bestätigte. Auch Whites Geschäftspartner kamen zu ihrem Anteil am Rampenlicht: Mark Zuckerbergs Firma Meta kündigte an, 130.000 blinden Veteranen landesweit KI-Brillen zu spenden.
Unpassender Obama-Witz sorgt für Stirnrunzeln
Der Abend verlief überraschend unpolitisch. Lediglich der Kämpfer Josh Hokit sorgte mit einer peinlichen Bemerkung für Aufsehen, indem er behauptete, Michelle Obama sei in Wirklichkeit ein Mann – ein Seitenhieb gegen die Demokraten und Trumps Vorgänger. Erstaunlicherweise hielt sich Trump an seinem 80. Geburtstag eher zurück. Erst nach sechs von sieben Kämpfen wurde er im Bild gezeigt, wie er neben Melania saß und der Kamera zuwinkte.
Nach dem letzten Kampf, in dem Justin Gaethje den Titel errang, wurde Trump schließlich aktiver. Er betrat den Käfig, um sich kurz mit dem Sieger und dessen Familie auszutauschen. Ein US-Amerikaner triumphierte in der finalen Auseinandersetzung – der perfekte Abschluss für ein Geburtstagsgeschenk, das Trump sich selbst gemacht hatte. Allerdings blieb die öffentliche Gratulation an diesem Abend aus.