Trendbarometer zum Reformpaket: Junge Menschen kritisieren neue Krankschreibungsregel
Mit einer Vielzahl kleinerer Maßnahmen strebt Schwarz-Rot eine Belebung der deutschen Wirtschaft an. Das Bündel umfasst Reformen in den Bereichen Steuern, Rente und Arbeitsmarkt. Dennoch herrscht bei den meisten Bundesbürgern Unklarheit darüber, was genau beschlossen wurde. Zudem zeigt sich bei einem Thema ein deutliches Spannungsfeld zwischen den Generationen.
Das kürzlich vorgestellte Reformpaket der Bundesregierung hat zahlreiche Debatten ausgelöst. Laut dem RTL/ntv-Trendbarometer sind sich 70 Prozent der Befragten unsicher, welche Vereinbarungen Union und SPD tatsächlich getroffen haben. Demgegenüber geben 30 Prozent an, die wesentlichen Inhalte der Reformen zu kennen.
Die Erwartungen an die Reformen sind jedoch eher zurückhaltend. Lediglich eine kleine Minderheit glaubt, dass sich die angespannte wirtschaftliche Situation in Deutschland durch die Maßnahmen stark (1 Prozent) oder zumindest etwas (27 Prozent) verbessert. Fast zwei Drittel (65 Prozent) gehen davon aus, dass die Wirtschaftslage unverändert bleibt.
Anhänger der AfD (89 Prozent), Linken (67 Prozent), Grünen (56 Prozent) und sogar der mitregierenden SPD (54 Prozent) sind überwiegend skeptisch und erwarten kaum Verbesserungen der wirtschaftlichen Lage. Lediglich bei der Union rechnet eine knappe Mehrheit (51 Prozent) mit einer leichten Verbesserung.
Krankschreibung ab dem ersten Tag?
Besondere Kritik erfährt der Vorschlag der Koalition, ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Krankschreibung vorzulegen, wobei betriebliche oder tarifliche Abweichungen möglich sind. 44 Prozent der Bundesbürger unterstützen diese Regelung grundsätzlich, während 55 Prozent sie ablehnen. Unter den Arbeitnehmern ist die Meinung ähnlich: 43 Prozent befürworten die Maßnahme, 56 Prozent sprechen sich dagegen aus. Ost- und Westdeutschland zeigen ein vergleichbares Meinungsbild (Ost: 42 Prozent Zustimmung, 57 Prozent Ablehnung; West: 44 Prozent Zustimmung, 54 Prozent Ablehnung).
Vor allem jüngere Menschen lehnen die Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitsdatum ab: Bei den 18- bis 29-Jährigen sind 71 Prozent dagegen, bei den 30- bis 44-Jährigen 68 Prozent. Die Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen zeigt mit 54 Prozent Ablehnung ebenfalls eine Mehrheit, während bei den über 60-Jährigen 60 Prozent die Regelung unterstützen und 38 Prozent ablehnen.
Die Haltung der Parteianhänger ist gemischt: Nur CDU- und CSU-Wähler befürworten die Krankschreibungsregel mehrheitlich (69 zu 29 Prozent), bei SPD-Anhängern ist die Meinung geteilt (48 zu 50 Prozent). Die Anhänger von Grünen (29 zu 70 Prozent), Linken (15 zu 85 Prozent) und in geringerem Maße der AfD (42 zu 56 Prozent) lehnen die Maßnahme überwiegend ab.
Kann die Steuerreform soziale Ungleichheit verringern?
Ein zentraler Bestandteil der Reformen ist der Plan, kleine und mittlere Einkommen bei der Einkommenssteuer zu entlasten, finanziert durch höhere Steuern für Spitzenverdiener. Eine Mehrheit von 52 Prozent glaubt, dass diese Steuerpolitik die soziale Ungleichheit in Deutschland reduzieren kann. Demgegenüber sind 22 Prozent der Ansicht, dass die Ungleichheit dadurch zunimmt, und 23 Prozent sehen weder eine Veränderung noch eine Verschlechterung.
Mehrheitlich erwarten die Wähler von CDU/CSU (55 Prozent), SPD (66 Prozent), Grünen (68 Prozent) und Linken (70 Prozent), dass die Reformen zu einer geringeren sozialen Ungleichheit führen. Im Gegensatz dazu sehen nur 30 Prozent der AfD-Anhänger dies so, während 42 Prozent eine Zunahme der Ungleichheit vermuten.
Repräsentative Umfrage | Die Daten des RTL/ntv-Trendbarometers wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland vom 3. bis 6. Juli erhoben. Stichprobe: 1003 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 3 Prozentpunkte.
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