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Graham verabschiedet sich, doch zwei Kriege bleiben: Trump trifft bei Trauerfeier auf sein politisches Schicksalsduo

Graham geht, zwei Kriege bleiben: Trump trifft bei Trauerfeier sein politisches Schicksalsduo

Lindsey Graham zählte zu den bedeutendsten außenpolitischen Beratern von Donald Trump, wenn nicht sogar zum wichtigsten. Anlässlich der Trauerfeier für den Senator versammelt sich Trump mit Schlüsselpersonen aus den beiden zentralen Konflikten seiner zweiten Amtszeit.

Graham zeigt sich selbstbewusst und zufrieden: „Das ist die bedeutendste Aufgabe, die ich je übernommen habe“, erzählt er lachend aus seinem Büro in Washington. „Ich war kurz davor, emotional zu werden.“ Im Februar ist Trump im Fernsehen zu sehen, wie er zu den Angriffen von Israel und den USA auf den Iran Stellung nimmt. „Er ist begeistert“, berichtet Graham vor laufender Kamera. „Er liebt es, wenn Dinge explodieren.“ Für den Republikaner markiert dieser Tag einen der wichtigsten Momente seiner politischen Laufbahn. „Trump und Bibi sind wie Roosevelt und Churchill“, erläutert er. „Sie sind die Richtigen, um das Böse zu bekämpfen.“

Graham spielte eine zentrale Rolle bei der Entscheidung, die Islamische Republik anzugreifen. Jahrelang habe er darauf gedrängt, sagt der Senator. Kurz darauf verstarb Graham unerwartet. Nun wird ihm in Washington die letzte Ehre erwiesen. Vertreter der Kriege, an denen Graham beteiligt war, sind erstmals seit Kriegsbeginn persönlich anwesend: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Dieser Moment ist ein bedeutsamer Höhepunkt von Trumps zweiter Amtszeit und verdeutlicht die enge Verzahnung von Außen- und Innenpolitik – eine Schicksalsgemeinschaft.

Die Umfragewerte senden ein klares Signal an den selbsternannten „Friedenspräsidenten“, der seit fünf Monaten einen Konflikt im Nahen Osten führt: Noch nie haben so viele US-Bürger den Iran-Krieg abgelehnt. Nie zuvor bewerteten 63 Prozent den Verlauf für die USA so negativ. Gleichzeitig kritisieren 78 Prozent, dass Trump sich zu wenig auf die Senkung der Verbraucherpreise konzentriere, während 60 Prozent finden, er widme sich zu sehr den Zöllen. Die Zustimmungswerte des Republikaners sind durchweg niedrig. Seine Partei steht angesichts der anstehenden Kongresswahlen im November unter erheblichem Druck.

Graham setzte sich für Sanktionen ein

Der Senator aus South Carolina war 2016 zunächst ein erklärter Gegner Trumps, bis dieser ihn nach der erfolgreichen Präsidentschaftswahl zum Essen einlud. Seitdem äußerte Graham keine kritischen Bemerkungen mehr. Laut US-Medien entwickelte er sich zum wichtigsten außenpolitischen Berater Trumps und wurde, soweit möglich, zu einem Freund. Graham war ein Falke, ein Verfechter harter außenpolitischer Maßnahmen und ein entschiedener Gegner Russlands. Immer wieder versuchte er, Trump zu Sanktionen gegen Moskau zu bewegen.

Bis kurz vor seinem Tod kämpfte er im Senat für einen parteiübergreifenden Beschluss. Das Gesetz wurde seitdem zweimal überarbeitet und wird künftig den Namen „Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act of 2026“ tragen. Noch diese Woche soll der Kongress darüber abstimmen. Das Paket sieht unter anderem vor, die fünf größten Importeure von russischem Öl und Gas mit Zöllen von bis zu 100 Prozent zu bestrafen. Zudem sind weitere Strafmaßnahmen gegen Russlands Präsident Wladimir Putin, andere führende Verantwortliche sowie den Energie- und Finanzsektor vorgesehen – Russland führt seit viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Auf Trumps Wunsch wurden auch Maßnahmen gegen den Iran in das Sanktionspaket aufgenommen.

„Ich hoffe, diesen Krieg auf diplomatischem Weg beenden zu können. Je mehr Einfluss wir auf Putin haben, desto besser“, sagte Graham kurz vor seinem Tod. Für die Anti-Kriegsfraktion innerhalb von Trumps Wählerschaft war der Senator jedoch eine Belastung – ein Befürworter neuer militärischer Einsätze, der dem Präsidenten ständig seine Ansichten aufzwang. Gleichzeitig fungierte er als wichtiger Vermittler zwischen Selenskyj und Trump, womöglich Kiews bedeutendster Verbündeter in Washingtons politischem Haifischbecken, in dem der US-Präsident das Sagen hat.

Wegweisende Begegnungen?

Am Morgen vor der Trauerfeier in der Washingtoner Kathedrale traf sich Selenskyj mit Trump im Weißen Haus. Der gesamte Tag stellte eine Belastungsprobe für ihre Beziehung dar, die 2025 mit einem öffentlichen Streit im Oval Office schlecht begonnen hatte und die Graham später zu kitten half. Können Trump und Selenskyj auch ohne den erfahrenen Vermittler in transatlantischen Beziehungen eine Einigung finden? Der ukrainische Präsident bezeichnete das Treffen anschließend als positiv.

Im Anschluss beriet sich Trump erstmals persönlich mit Benjamin Netanjahu seit den gemeinsamen Angriffen auf den Iran im Februar. Zwar war Trump nicht immer mit der Vorgehensweise seines Verbündeten einverstanden, doch er ist auf eine Zusammenarbeit mit Netanjahu angewiesen. Ohne ihn wird das Weiße Haus im Nahen Osten kaum Frieden erreichen können – trotz aller militärischen Härte ist dies Trumps öffentlich erklärtes Ziel. „Er ist ein großartiger Kriegspräsident“, hatte Graham im Februar über den „Commander in Chief“ gesagt. Doch wie lange bleibt das so?

Netanjahu und Selenskyj bilden eine Art politisches Schicksalsduo für Trump. Zwei Kriege, die über die geopolitische Zukunft der Welt mitentscheiden. In beiden Konflikten spielen die USA eine zentrale Rolle. Doch in der Heimat beschäftigen die Menschen ganz andere Themen – Sorgen, die sie nicht nur in Umfragen, sondern in knapp drei Monaten auch an den Wahltischen zum Ausdruck bringen werden.