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Rückzug auf dem Zenit: Spahn sichert Macht und fällt dann überraschend

Rücktritt auf dem Höhepunkt: Spahn hat seine Macht gerade gesichert - dann stürzt er

Während seiner 14-monatigen Amtszeit als Unionsfraktionsvorsitzender hat Jens Spahn diverse Herausforderungen gemeistert: von der Richterwahl über die weiterhin schwelende Maskenaffäre bis hin zum Rentenstreit. Jetzt bringt ihn eine private Entscheidung mit politischem Gewicht ins Straucheln – und das genau zum falschen Moment.

Politisch stand Jens Spahn eigentlich fest auf seinem Posten und zeigte Aufwärtstrends, doch eine persönliche Entscheidung führt nun zu seinem plötzlichen Fall. „In den letzten Tagen wurde mir immer deutlicher, dass meine Familie für mich an erster Stelle steht“ – mit diesen Worten kündigt Spahn nach nur 14 Monaten sein Amt als Unionsfraktionschef.

Der Druck auf den 46-jährigen CDU-Politiker hatte in den letzten Tagen stetig zugenommen, auch innerhalb der eigenen Partei. Der Auslöser: eine ursprünglich private Angelegenheit. Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten sich entschieden, Eltern zu werden und dafür die Unterstützung einer Leihmutter in den USA in Anspruch genommen.

In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten, und Spahns Partei lehnt eine Legalisierung strikt ab. Auch Spahn selbst hatte sich früher dagegen ausgesprochen. Kritiker werfen ihm deshalb vor, privat Möglichkeiten zu nutzen, die er politisch anderen in ähnlichen Situationen verweigert habe.

Maskenaffäre, Richterwahl, Rentenpolitik

Spahns Fall ereignet sich auf dem Höhepunkt seiner politischen Laufbahn, die manche als potenziellen Weg ins Kanzleramt sehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte er seine Position als CDU/CSU-Bundestagsfraktionsvorsitzender gefestigt und sich als zweitmächtigster Union-Politiker neben Bundeskanzler Friedrich Merz und Innenminister Alexander Dobrindt etabliert. In der aktuellen Reformphase der schwarz-roten Koalition zeigte sich Spahn als unauffälliger, aber wirkungsvoller Strippenzieher – ein Erfolg, der nach seinem teilweise holprigen ersten Jahr nicht erwartet wurde.

Mit einem Wahlergebnis von 91,3 Prozent startete er im Mai 2025 vielversprechend. Doch bereits zwei Monate später scheiterte die Wahl der Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf zum Bundesverfassungsgericht, was Spahn angelastet wurde, weil er den Widerstand in der eigenen Fraktion zu spät erkannt hatte. Er bezeichnet diesen 10. Juli 2025 als einen der beiden „heftigsten“ Tage seiner politischen Laufbahn – neben einer besonders belastenden Phase während der Corona-Pandemie.

Davon ließ sich Spahn jedoch nicht beirren. Auch die Maskenaffäre aus seiner Zeit als Gesundheitsminister, die ihn bis in diese Legislaturperiode verfolgte, konnte ihn nicht zu Fall bringen. „Es braucht einiges, um mich aus der Bahn zu werfen“, so der CDU-Politiker. Die wohl schwierigste Herausforderung meisterte er im Herbst, als die Junge Union gegen das Rentengesetz von SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas rebellierte. Merz zeigte sich unnachgiebig und setzte auf Konfrontation. Spahn musste die nötigen Stimmen sichern und sprach jeden einzelnen der jungen Rebellen in seiner Fraktion an. Medienberichten zufolge drohte er dabei sogar mit dem Entzug von Listenplätzen.

Diese Konflikte spiegelten sich auch in seinem Wahlergebnis zur Wiederwahl als Fraktionschef im Mai dieses Jahres wider: Mit 86,5 Prozent lag es etwa fünf Prozentpunkte unter dem Ergebnis seiner ersten Wahl. Doch Spahn erholte sich – so wie er es bisher mit jeder Kontroverse um seine Person und Entscheidungen getan hatte. Seine langjährige Erfahrung spielt dabei sicher eine Rolle: Mit 46 Jahren ist er zwar relativ jung, sitzt aber bereits seit über zwei Jahrzehnten im Bundestag. 2002 wurde der Westfale mit 21 Jahren als damals jüngster Unionsabgeordneter ins Parlament gewählt und ist seit fast 25 Jahren Mitglied.

Das mögliche Karriereende?

Von 2017 bis 2021 war Spahn Gesundheitsminister unter Bundeskanzlerin Angela Merkel und galt nach dem Wahlsieg der Union im Februar 2025 auch als Kandidat für das Wirtschaftsministerium. Merz setzte ihn jedoch als noch mächtigeren Fraktionschef ein. Ein noch höheres Amt schien möglich.

Offenbar unterschätzte Spahn jedoch die politische Wirkung seiner privaten Entscheidung. Nach Bekanntwerden der Leihmutterschaft entfachte in der Union ein Sturm der Entrüstung. Unterstützung fand er dabei nicht.

In einem Interview mit „Bild“-Vize Paul Ronzheimer zeigte er sich am Freitagnachmittag noch zuversichtlich, die Situation bis zur nächsten regulären Fraktionssitzung zu überstehen. Der Druck war jedoch bereits enorm. Merz verlor vor der CDU-Präsidiumssitzung am Montag die Geduld und drängte Spahn zum Rücktritt.

Ob dies das endgültige Ende seiner politischen Laufbahn bedeutet, bleibt offen. Ein Comeback in verantwortlicher Position erscheint angesichts des Glaubwürdigkeitsverlusts jedoch kaum realistisch.