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Norwegen setzt auf Frankreichs Atomschutzschirm

Norwegen schlüpft unter Frankreichs Atomschirm

Die Vertrauenskrise gegenüber den USA unter der Trump-Administration führt innerhalb der Nato zu grundlegenden Veränderungen. Nachdem Polen und Litauen bereits Frankreichs atomaren Schutz in Anspruch genommen haben, folgt nun auch Norwegen diesem Schritt. Bundeskanzler Merz betont dabei die Notwendigkeit, dass Europa seine eigene Verteidigungsfähigkeit stärken muss.

Norwegen beabsichtigt, sich unter den atomaren Schutzschirm Frankreichs zu stellen. Ministerpräsident Jonas Gahr Störe reiste eigens nach Paris, um mit Präsident Emmanuel Macron ein Verteidigungsabkommen zu unterzeichnen. Bislang waren die europäischen Nato-Mitglieder vor allem auf den atomaren Schutz der USA angewiesen. Doch seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump wächst die Unsicherheit, ob Washington im Falle eines Konflikts mit Russland tatsächlich eingreifen würde. Norwegen ist nach den an Russland angrenzenden Ländern Polen und Litauen das jüngste europäische Land, das Frankreichs Schutz sucht.

Störe erklärte gegenüber der norwegischen Nachrichtenagentur NTB, dass dieser Schritt durch die aktuelle sicherheitspolitische Lage in Europa motiviert sei. Dazu zähle die erhebliche Aufrüstung Russlands, insbesondere im nuklearen Bereich, sowie der Umstand, dass Moskau einen umfassenden Krieg gegen ein anderes europäisches Land führe. Er betonte jedoch, dass in Friedenszeiten keine Atomwaffen in Norwegen stationiert würden.

Merz fordert: Europas Unabhängigkeit von den USA stärken

Diese Entscheidung ist bemerkenswert, da Norwegen als Nato-Mitglied traditionell eine enge sicherheitspolitische Bindung an die USA pflegt. Das Land mit seinen 5,6 Millionen Einwohnern ist kein Mitglied der Europäischen Union und grenzt in der Arktis an Russland. Bereits im März hatte Frankreich angeboten, seinen atomaren Schutzschirm auf weitere europäische Staaten auszudehnen. Ein Angriff auf Norwegen könnte somit in Zukunft einen französischen nuklearen Gegenschlag nach sich ziehen.

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte im April, er strebe an, die Abhängigkeit Europas von den USA zu reduzieren und dabei auch über eine eigenständige atomare Abschreckung der Europäer zu sprechen. Hinter den Kulissen wird diskutiert, wie der Schutz der EU und Europas enger mit den Atommächten Frankreich und Großbritannien koordiniert werden kann.

Russland und die USA verfügen mit jeweils über 5000 Sprengköpfen über die größten Nukleararsenale weltweit. Nach Angaben der US-amerikanischen Wissenschaftlervereinigung FAS besitzt China etwa 500, Frankreich rund 290 und Großbritannien mehr als 225 Sprengköpfe.