Audimax » Politik » Netanjahu: Christliche Gemeinden im Libanon streben Annexion durch Israel an – 15 Orte widersprechen

Netanjahu: Christliche Gemeinden im Libanon streben Annexion durch Israel an – 15 Orte widersprechen

15 Orte widersprechen der Idee: Netanjahu: Christliche Dörfer im Libanon wollen von Israel annektiert werden

Da der Libanon nicht in der Lage ist, die Hisbollah zu entwaffnen, besteht Israel auf der Einrichtung einer Sicherheitszone im Süden des Landes. Der israelische Premierminister bringt nun eine weitergehende Idee ins Spiel: Christliche Dörfer im Südlibanon sollen angeblich in Zukunft Teil Israels werden. Aus der Region gibt es jedoch deutlichen Widerspruch.

Laut Aussagen von Benjamin Netanjahu, dem Regierungschef Israels, haben mehrere christliche Gemeinden im südlichen Libanon den Wunsch geäußert, in das israelische Staatsgebiet aufgenommen zu werden. In einigen dieser Orte sei der Wunsch geäußert worden, „von Israel annektiert zu werden, um Schutz vor den Fanatikern der Hisbollah zu erhalten, die ihr Leben bedrohen“, erklärte Netanjahu im Interview mit dem US-Sender Fox News. Konkrete Ortsnamen nannte er nicht.

Der Bürgermeister des christlichen Dorfes Rmeisch, Hanna al-Amil, wies diese Behauptungen entschieden zurück. Ein solcher Schritt sei „völlig ausgeschlossen“, erklärte er gegenüber der libanesischen Nachrichtenagentur NNA. Bereits vor zwei Tagen hätten 15 christliche Dörfer in einer gemeinsamen Erklärung eine Eingliederung in israelisches Gebiet klar abgelehnt.

Die pro-iranische Hisbollah-Miliz hat den Libanon in den Konflikt mit dem Iran hineingezogen, indem sie nach Ausbruch der Kampfhandlungen Raketen auf Israel abfeuerte. Als Reaktion startete Israel Angriffe im Libanon sowie eine Bodenoffensive. Die israelischen Streitkräfte errichteten eine sogenannte Sicherheitszone, die bis zu zehn Kilometer ins libanesische Gebiet hineinreicht. Viele Bewohner der christlichen Dörfer im Süden des Libanon ignorierten die Aufforderungen zur Evakuierung und blieben trotz der israelischen Angriffe in ihren Gemeinden, um ihre Häuser, Kirchen und Felder zu schützen. Einige Dörfer wurden jedoch teilweise oder vollständig geräumt.

Israelische Streitkräfte signalisieren Bereitschaft zu Offensiven

Der Kommandeur der israelischen Armee, Ejal Samir, kündigte während eines Besuchs im Südlibanon ein entschlossenes Vorgehen gegen die Hisbollah an. Die Armee werde „weiterhin entschieden handeln, um Gefahren vom libanesischen Gebiet abzuwehren“, erklärte Samir laut Militärangaben bei einem Treffen mit Soldaten nahe der Kreuzfahrerfestung Beaufort.

Die Streitkräfte seien darauf vorbereitet, bei Verletzungen der Waffenruhe schnell „offensive Maßnahmen“ zu ergreifen, so Samir weiter: „Jede Bedrohung unserer Truppen oder israelischer Zivilisten wird unverzüglich bekämpft und beseitigt.“ Die Militäreinsätze im Bereich Beaufort sowie im gesamten Südlibanon erfolgen im Rahmen eines jüngst von den USA vermittelten Abkommens zwischen Israel und dem Libanon, betonte der Armeechef. Die libanesische Armee müsse ihren Verpflichtungen nachkommen und „dafür sorgen, dass die Hisbollah-Kämpfer und deren Infrastruktur aus der Region verschwinden“.

Letzte Woche unterzeichneten Israel und der Libanon unter US-Vermittlung ein Rahmenabkommen, das den Weg für eine Friedenslösung zwischen beiden Staaten ebnen soll. Das Abkommen verknüpft einen israelischen Rückzug aus besetzten libanesischen Gebieten mit der Entwaffnung der Hisbollah durch Beirut.