Kolumbien: Zahlreiche Tote bei heftigen Guerillakämpfen
In Kolumbien verschärfen sich die Guerillakämpfe zunehmend, wodurch die Zahl der Todesopfer rapide ansteigt. Das Land erlebt die gravierendste Gewaltwelle seit über zehn Jahren. Die Reaktion der Regierung auf die bewaffneten Gruppen könnte auch das Ergebnis der nahenden Präsidentschaftswahl stark beeinflussen.
Nur wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Kolumbien wurden bei Gefechten zwischen zwei Abspaltungen der ehemaligen Farc-Guerilla nach Angaben eines Bürgermeisters 48 Menschen getötet. Die Leichen lägen „auf einem Haufen“ und müssten geborgen werden, berichtete Willy Rodríguez, Bürgermeister von San José del Guaviare.
Die Auseinandersetzungen fanden im kolumbianischen Amazonasgebiet, genauer in der abgelegenen Ortschaft Pipiral in der Provinz Guaviare, statt. Die Behörden konnten das schwer zugängliche Gebiet zunächst nicht erreichen. Die vorläufige Opferzahl beruht auf Informationen aus der betroffenen Gemeinde, so Rodríguez. Rettungskräfte warteten darauf, dass die bewaffneten Gruppen ihnen Zugang zu dem vermutlich mit Minen verseuchten Gebiet gestatten.
Kolumbien erlebt aktuell die stärkste Gewaltwelle seit mehr als einem Jahrzehnt. In Guaviare kämpfen bewaffnete Gruppierungen um die Kontrolle von Territorien sowie Einnahmen aus Drogenhandel und illegalem Bergbau. Die Region gilt als traditionelle Hochburg der Guerilla, wird heute jedoch von Dissidentengruppen umkämpft, die das Friedensabkommen von 2016 zwischen dem kolumbianischen Staat und den Farc ablehnen.
Unsichere Lage zählt zu größten Sorgen der Bevölkerung
Verteidigungsminister Pedro Sánchez erklärte gegenüber dem Sender Blu Radio, die Gruppen verfolgten „ein einziges Ziel: ihre kriminelle Wirtschaft durch Drogenhandel zu finanzieren“. Ein Luftangriff war wegen der Wetterbedingungen nicht möglich, weshalb Truppen auf dem Landweg vorrückten. Nach Angaben einer Militärquelle hatten die Kämpfe am Montag begonnen, ihr Fortbestehen war zunächst unklar.
Die Sicherheitslage zählt vor der Präsidentschaftswahl am 31. Mai zu den größten Befürchtungen vieler Kolumbianer. Präsident Gustavo Petro, der seit seinem Wahlsieg 2022 regiert und der linken politischen Richtung angehört, versuchte vergeblich, im Rahmen seiner „totalen Friedens“-Strategie mit allen bewaffneten Gruppen zu verhandeln. Die rechtsgerichtete Opposition wirft ihm vor, zu nachgiebig gegenüber den bewaffneten Gruppen zu sein. Laut Verfassung ist dem amtierenden Präsidenten eine Wiederwahl nicht gestattet.
Als führender Präsidentschaftskandidat gilt der linke Senator Iván Cepeda, der die Politik Petros fortsetzen möchte. Ihm gegenüber steht der rechtsgerichtete Abelardo de la Espriella, der unter anderem zusammen mit der US-Armee Luftangriffe gegen bewaffnete Gruppen durchführen will.