Waigel bewertet Webers „Pfingstbrief“ als Weckruf für die CSU
CSU-Vize Manfred Weber kritisiert in einem Schreiben die inhaltliche Schwäche seiner Partei und wirft Markus Söder eine falsche Ausrichtung vor. CSU-Urgestein Theo Waigel unterstützt diese Kritik und ruft zu offenen Diskussionen über den Kurs und Stil der Parteispitze auf.
Nach Veröffentlichung des „Pfingstbriefs“ von Manfred Weber meldete sich der CSU-Ehrenvorsitzende und ehemalige Bundesminister Theo Waigel zu Wort und stellte sich hinter den Vize. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) forderte er eine „grundlegende, tiefgehende Debatte“ über die künftige Ausrichtung der CSU.
Diese Diskussion solle idealerweise im Rahmen einer Klausurtagung oder durch eine Grundsatzkommission stattfinden. Neben Mitgliedern der CSU sollten auch Theologen, politische Philosophen und gesellschaftliche Gruppen einbezogen werden, um über die Parteirichtung zu beraten, so Waigel. Erst im Anschluss könnte ein Parteitag die Ergebnisse aufgreifen.
Weber, der als Vorsitzender der Europäischen Volkspartei in Brüssel tätig ist, hatte in seinem Brief an zahlreiche Mandatsträger eine stärker am Gemeinwohl orientierte Politik eingefordert und zugleich Parteichef Markus Söder scharf kritisiert. Er bemängelte die inhaltliche Schwäche der Partei und prangerte eine Politik an, die vor allem auf Schlagzeilen und „Klickzahlen“ ausgerichtet sei. Söder ist bekannt dafür, über seine Social-Media-Kanäle oft schnelle Schlagzeilen zu setzen – auch wenn er zuletzt zurückhaltender und ernsthafter auftrat.
Kritik am Parteichef als normaler Vorgang
Waigel bezeichnete Webers Schreiben gegenüber der „FAZ“ als notwendigen Weckruf für die CSU. Es sei wichtig, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und innerhalb der Partei mehr Diskussionen zu führen. „Kritik ist legitim, doch Selbstkritik sollte jeder praktizieren. Ich denke, wir alle sollten darüber nachdenken und unseren politischen Diskurs verbessern“, erklärte der CSU-Ehrenvorsitzende.
Er wies darauf hin, dass Webers Brief nicht als Abrechnung zu verstehen sei. Kritik an einem Parteivorsitzenden sei keineswegs ungewöhnlich, betonte Waigel, auch mit Blick auf seine eigene Zeit als CSU-Chef. Früher habe es deutlich mehr innerparteiliche Auseinandersetzungen gegeben als heute. Waigel riet Söder, Webers Schreiben nicht als „Majestätsbeleidigung“ zu sehen, sondern gelassen zu akzeptieren und die darin enthaltenen programmatischen Vorschläge offensiv aufzugreifen.
Darüber hinaus machte Waigel deutlich, dass er sich eine größere Vielfalt an der CSU-Spitze wünsche. „Dazu habe ich Markus Söder vor einiger Zeit ein Zitat des Philosophen Max Müller mitgegeben: ‚Sei so, wie nur du sein kannst, lass aber andere so sein, wie nur sie sein können‘.“