Neue Plagiatsvorwürfe gegen Mario Voigt: Höcke finanziert Gutachten – „Peinliche PR-Aktion“?
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt gerät erneut wegen seiner Doktorarbeit unter Beschuss. Ein Plagiatsprüfer hat das Werk genau analysiert und erhebt gravierende Anschuldigungen. Kritisch dabei: Das Gutachten wurde von der AfD beauftragt.
Der Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber, bekannt als Plagiatsjäger, erhebt schwere Anschuldigungen gegen Mario Voigt: Er spricht von einem „schwerwiegenden Plagiatsfall“ und unterstellt Vorsatz. „Dies stellt die gravierendste Form wissenschaftlichen Betrugs dar“, betont er. In Erfurt präsentierte Weber gemeinsam mit dem Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke sein aktuelles Gutachten zur Doktorarbeit Voigts. Auf Anfragen zu den neuen Vorwürfen reagierten Voigt und sein Rechtsbeistand bislang nicht.
Das Gutachten wurde von der AfD-Fraktion unter Führung Höckes in Auftrag gegeben und finanziert. Andreas Bühl, CDU-Fraktionsvorsitzender in Thüringen, bezeichnet die Aktion als „eine mit Steuergeldern finanzierte Schmutzkampagne“. Die Linkspartei im Landtag bezeichnete die Pressekonferenz als „eine lächerliche und durchschaubare PR-Maßnahme“.
Weber hat 125 neue Plagiatsstellen entdeckt, womit die Gesamtzahl auf 265 steigt. Zudem seien in 61 Fällen Sekundärquellen unsauber zitiert worden. „Das ist längst kein Versehen mehr, sondern Vorsatz“, so Weber. Höcke sieht dadurch das Vertrauen in Voigt als Ministerpräsident stark erschüttert und fordert seinen Rücktritt: „Herr Voigt, treten Sie zurück!“ Voigt regiert Thüringen in einer Koalition mit CDU, BSW und SPD, während die AfD die stärkste Oppositionspartei im Landtag ist.
Voigt wehrt sich gegen Vorwürfe
Die Technische Universität Chemnitz hatte im Januar nach fast 18-monatiger Prüfung beschlossen, Voigt die Doktorwürde zu entziehen. Details zu den beanstandeten Stellen wurden jedoch nicht veröffentlicht. Die Entscheidung fiel nach Angaben der Universität einstimmig. Voigt widerspricht dieser Entscheidung und legte Widerspruch ein. Sein Anwalt teilte mit, dass die Begründung des Widerspruchs derzeit ausgearbeitet wird und bald eingereicht werden soll.
Voigt selbst hatte nach Bekanntgabe der Entscheidung erklärt, dass die beanstandeten Textstellen lediglich 2,58 Prozent seiner Arbeit ausmachten. Er kündigte an, notfalls vor einem Verwaltungsgericht gegen den Entzug der Doktorwürde vorzugehen. Er betont, dass der wissenschaftliche Kern seiner Arbeit unberührt sei. Höcke widerspricht dem bei der Vorstellung des neuen Gutachtens: „Der wissenschaftliche Kern von Voigts Dissertation ist von den Vorwürfen betroffen.“
Weber äußerte zudem „größte Zweifel daran, dass die Inhaltsanalysen überhaupt durchgeführt wurden“. Die Plagiate durchziehen die gesamte Arbeit. Ein weiterer schwerer Vorwurf lautet, dass neun Werke, darunter mehrere Wikipedia-Artikel, ohne jegliche Nennung im Fließtext, in Fußnoten oder im Literaturverzeichnis plagiiert wurden.
Vorwürfe mitten im Wahlkampf
Erste Plagiatsvorwürfe gegen Mario Voigt tauchten bereits in der heißen Phase des Landtagswahlkampfes 2024 auf. Damals untersuchte Weber die Dissertation aus dem Jahr 2008 zu einem US-Präsidentschaftswahlkampf. Das Ergebnis meldete Weber im August 2024 der TU Chemnitz – kurz vor der Landtagswahl am 1. September.
Voigts CDU vermutete damals eine gezielte Schmutzkampagne. Weber verweigert auch heute die Nennung eines damaligen Auftraggebers, versichert jedoch, dass es nicht die AfD war: „Die AfD-Fraktion Thüringen hat mich 2024 weder direkt noch indirekt mit der Überprüfung von Voigts Arbeit beauftragt.“ Die Dissertation Voigts reiht sich in eine Reihe prominenter Arbeiten ein, die Weber bereits geprüft hat.
Voigt promovierte 2008 mit der überwiegend in den USA entstandenen Arbeit „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“. Sein Doktorvater ist der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse aus Chemnitz, bekannt für sein umstrittenes Hufeisen-Modell des Extremismus.
Über den Widerspruch Voigts entscheidet der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz. Sollte der Widerspruch abgelehnt werden, kann Voigt vor dem Verwaltungsgericht klagen, so die Universität. Weitere Informationen zum Stand des Verfahrens wurden aufgrund der „strengen Vertraulichkeit in Prüfungsangelegenheiten“ nicht veröffentlicht.