Wie würde eine WM mit 64 Teams funktionieren? FIFA-Expansionsplan für 2030 – Format, Gruppen und Zeitplan erklärt
Die WM 2026 wird die größte in der Geschichte sein und erstmals mit 48 Teams in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. Doch noch vor dem Ende dieses Turniers richten sich die Blicke bereits auf ein noch größeres Vorhaben. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat bestätigt, dass der Weltverband die Möglichkeit prüft, das Turnier bereits 2030 auf 64 Mannschaften zu erweitern.
Ein Vorschlag, der den Wettbewerb grundlegend verändern würde – von der Qualifikation bis zum Finale. Doch wie würde eine WM mit 64 Teams konkret ablaufen?
Das wahrscheinlichste Format: 16 Gruppen mit je vier Teams
Würde FIFA auf 64 Teams aufstocken, wäre die einfachste Lösung, das bewährte Format von 1998 bis 2022 mit 32 Teams zu übernehmen und entsprechend zu skalieren.
- 16 Gruppen mit jeweils vier Teams
- Jedes Team bestreitet drei Gruppenspiele
- Die zwei besten Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für die K.o.-Runde
Dies würde eine K.o.-Runde mit 32 Mannschaften ergeben, identisch zur bisherigen Turnierstruktur über mehr als zwei Jahrzehnte. Anschließend folgt die gewohnte Phase:
- Achtelfinale
- Viertelfinale
- Halbfinale
- Finale
Insgesamt wären etwa 128 Spiele zu erwarten – das Doppelte der 64 Partien im 32-Team-Format und deutlich mehr als die 104 Spiele, die für 2026 geplant sind.
Warum nicht bei Drei-Teams-Gruppen bleiben?
Die WM 2026 hat ein umstrittenes Format mit 12 Vierergruppen eingeführt und damit frühere Überlegungen zu Dreiergruppen verworfen – aus Sorge um Fairness und Manipulationsrisiken.
Ein Turnier mit 64 Teams würde aus ähnlichen Gründen vermutlich komplett auf Dreiergruppen verzichten – ungleiche Pausenzeiten, mögliche Ergebnisabsprachen und weniger spannende letzte Gruppenspiele sind die Hauptkritikpunkte. Vierergruppen gewährleisten mehr Balance und sportliche Integrität, auch wenn sie die Gesamtanzahl der Spiele erhöhen.
Wie wirkt sich die Expansion auf die Qualifikation aus?
Die größten Veränderungen wären in der Qualifikation zu spüren. Mit 64 Startplätzen würden fast ein Drittel der über 210 FIFA-Mitgliedsländer die Endrunde erreichen. Einige Kontinente könnten sogar die meisten ihrer Teams automatisch ins Turnier schicken. Die klassische Qualifikation könnte damit an Bedeutung verlieren.
Beispielsweise stellt Südamerika (CONMEBOL) derzeit sechs Startplätze bei einem 48-Team-Turnier. Bei 64 Teams könnte diese Zahl noch weiter steigen, sodass nur wenige Länder ausscheiden müssten.
Kritiker sehen darin eine Abwertung der Qualifikation, während Befürworter argumentieren, dass mehr Nationen so die Chance erhalten, sich weiterzuentwickeln und international zu messen.
Terminplanung und Organisation: Eine große Herausforderung
Ein 64-Team-Turnier wäre in seiner Dimension beispiellos. Wichtige Fragen betreffen die Dauer, die wohl über einen Monat hinausgehen könnte, die Anzahl der Gastgeberstädte und Stadien sowie die Belastung und Regenerationszeiten der Spieler.
Die WM 2030 soll bereits über mehrere Kontinente verteilt stattfinden, mit Spielen in Südamerika, Europa und Afrika. Eine Erweiterung auf 64 Teams würde die logistische Komplexität dieser historischen Austragung noch weiter erhöhen.
Warum FIFA die Erweiterung erwägt
Infantino sieht die Expansion als Teil von FIFAs Ziel, den Fußball weltweit noch inklusiver zu gestalten. Mehr Teams bedeuten für ihn mehr Repräsentation – und das wiederum führt zu mehr Investitionen und Förderung rund um den Globus.
Insbesondere in Südamerika wird die Erweiterung befürwortet, um mehr Nationen die Teilnahme an einem bedeutsamen Jubiläumsturnier 2030 zu ermöglichen.
Doch nicht alle sind überzeugt. Kritiker, vor allem aus dem europäischen Fußball, warnen vor zu langen und verwässerten Turnieren, weniger spannenden Gruppenspielen und einer abnehmenden Bedeutung der Qualifikation.
Außerdem gibt es Bedenken hinsichtlich der Gesundheit der Spieler, da der ohnehin schon dichte Fußballkalender weiter belastet würde.
Die WM hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt – von 16 über 24 und 32 bis zu 48 Teams. Ein Sprung auf 64 wäre die bislang größte Veränderung.
Aktuell ist es nur ein Vorschlag. Doch da FIFA bestätigt hat, die Idee nach der WM 2026 zu diskutieren, steht sie ganz oben auf der Agenda. Und sollte sie umgesetzt werden, wird die WM, wie wir sie kennen, nie wieder dieselbe sein.