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Polens Präsident reagiert auf Streit mit Selenskyj wegen Militäreinheit

Militäreinheit empört Warschau: Polens Präsident zieht Konsequenzen im Streit mit Selenskyj

Das enge Bündnis zwischen Polen und der Ukraine gerät in eine ernste Krise. Der ukrainische Präsident hat eine Militäreinheit nach einer Miliz benannt, die für ein Massaker an Polen verantwortlich gemacht wird. Daraufhin zieht Polens Präsident Karol Nawrocki Konsequenzen gegen Wolodymyr Selenskyj, während Kiew den Schritt als „strategischen Fehler“ bezeichnet.

Nur wenige Tage vor der geplanten Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine in Danzig spitzt sich der polnisch-ukrainische Geschichtsstreit weiter zu. Auf der Plattform X teilte Präsident Nawrocki mit, dass er beschlossen habe, Selenskyj den „Orden des Weißen Adlers“ abzuerkennen. Polen zählt zu den wichtigsten militärischen und humanitären Unterstützern der Ukraine im Konflikt mit Russland.

Diese höchste polnische Auszeichnung hatte Selenskyj im Jahr 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda erhalten, um die Solidarität zwischen beiden Ländern angesichts der russischen Aggression zu betonen. Nawrocki betonte in einer von der Nachrichtenagentur PAP veröffentlichten Erklärung, dass die Aberkennung nicht gegen das ukrainische Volk gerichtet sei und die strategische Ausrichtung der polnischen Sicherheitspolitik unverändert bleibe.

Der Konflikt war Ende Mai entbrannt, als Selenskyj einer Armeeeinheit den Beinamen „Helden der UPA“ verlieh. Die ukrainische Führung würdigt damit die Kämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), die nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die sowjetische Herrschaft leisteten. Allerdings verübte die UPA während des Krieges Massaker an Zehntausenden Polen und Juden, was in Polen parteiübergreifend Empörung auslöste.

Bis zu 100.000 Polen getötet

Die UPA war in den 1940er Jahren der bewaffnete Arm der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Zwischen 1943 und 1945 ermordeten UPA-Mitglieder bis zu 100.000 ethnische Polen in der Region Wolhynien, die bis 1939 zu Polen gehörte und nach dem Hitler-Stalin-Pakt der ukrainischen Sowjetrepublik zugeteilt wurde. Heute liegt dieses Gebiet im Nordwesten der Ukraine.

Im Kampf für die Unabhängigkeit von der Sowjetunion kooperierten OUN und UPA im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit Nazi-Deutschland. In der heutigen Ukraine werden ihre Mitglieder als nationale Helden verehrt. Bereits 2024 hatte die Kontroverse um das Wolhynien-Massaker zu diplomatischen Spannungen zwischen Kiew und Warschau geführt.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha kündigte an, eine hohe staatliche Auszeichnung, die ihm 2022 von Polen verliehen wurde, zurückzugeben. Auf Facebook bezeichnete er den Entzug des Ordens von Selenskyj als „strategischen Fehler“ des polnischen Präsidenten, von dem allein Moskau profitieren würde. Sybiha kritisierte die polnischen Politiker scharf und warf ihnen ungerechtfertigte und herablassende Haltung gegenüber Selenskyj und der Ukraine vor.

Der Streit überschattet eine wichtige gemeinsame Veranstaltung: Am 25. und 26. Juni findet in Danzig eine Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine statt, bei der die EU, die G7 und weitere Geberländer teilnehmen. Polen und die Ukraine sind gemeinsame Gastgeber dieses Treffens.