Wenige Stunden nach Selenskyjs Warnung: Russland startet neuen Großangriff auf Kiew
Russland kann an der Front keine Erfolge verbuchen, verschärft jedoch die Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung. Ein nächtlicher Raketenangriff auf Kiew führte zu Todesopfern und Verletzten. Präsident Selenskyj hatte dieses Bombardement bereits vor dem Nato-Gipfel vorausgesagt.
In der Nacht kam es zu einer befürchteten Serie schwerer Luftangriffe russischer Streitkräfte auf ukrainische Städte. Kurz nach Mitternacht wurde in nahezu allen Regionen des Landes Luftalarm ausgelöst. Aus Kiew wurden heftige Explosionen berichtet, und Behörden sowie Medien meldeten zahlreiche Einschläge in der Hauptstadt und deren Vororten. Dabei wurden mehrere Gebäude beschädigt, mindestens vier Menschen starben, und über ein Dutzend wurden verletzt. Ein Wohnhaus stürzte teilweise ein.
Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, während eines Raketenalarms in Kiew mehr als zehn Explosionen wahrgenommen und Lichtblitze am Himmel gesehen zu haben. Der Bürgermeister der Stadt, Vitali Klitschko, bestätigte den Einsatz der Luftabwehr und forderte die Bevölkerung auf, Schutzräume aufzusuchen. Es handelt sich um den zweiten tödlichen Angriff auf Kiew innerhalb von weniger als einer Woche. Der Gouverneur der Region Kiew gab an, dass fünf Personen verletzt wurden. In Butscha, nordwestlich der Hauptstadt, mussten drei Menschen ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Selenskyjs Warnung konnte Opfer nicht verhindern
Den Berichten zufolge setzten die Angreifer neben zahlreichen Drohnen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen ein. Marschflugkörper lassen sich besser lenken und sind durch ihre niedrige Flugbahn schwerer vom Radar der Luftabwehr zu erfassen, während ballistische Raketen aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwer abzufangen sind. Obwohl die ukrainische Flugabwehr bei Drohnen und Marschflugkörpern eine relativ hohe Erfolgsquote vorweisen kann, ist sie gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Sonntag davor gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor dem Nato-Gipfel in der Türkei am Dienstag eine weitere schwere Angriffswelle anordnen könnte. Er stützte sich dabei auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. „Das entspricht ganz Putins Vorgehensweise – direkt nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag (am 4. Juli) und vor dem Nato-Gipfel in Ankara“ wolle er „erneut Zerstörung anrichten und Menschenleben fordern“, erklärte Selenskyj. Er appellierte an die internationalen Partner, die ukrainische Flugabwehr stärker zu unterstützen.