Welche Ergebnisse erzielte Washington?: Trumps umstrittene Bilanz im Iran-Konflikt
Ende Februar begannen die USA ihren Krieg gegen die Mullahs, und inzwischen liegt zumindest ein vorläufiges Friedensabkommen vor. Viele, nicht nur in den USA, stellen sich die Frage: Haben die milliardenschweren Auseinandersetzungen tatsächlich Ergebnisse gebracht?
Unmittelbar nach Beginn der Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar formulierte US-Präsident Donald Trump ambitionierte Ziele. Er wollte sicherstellen, dass die Islamische Republik niemals eine Atombombe entwickelt und ihre ballistischen Raketenkapazitäten zerstört werden. Außerdem sollte die Unterstützung Teherans für Extremisten und Milizen in der Region beendet werden. Mehr als drei Monate später liegt ein vorläufiges Friedensabkommen vor. Nun stellt sich die Frage, was Trump tatsächlich erreichen konnte. Die Bilanz wirkt jedoch fragwürdig.
Vor Ausbruch des Konflikts verfügte der Iran über das größte Arsenal an ballistischen Raketen im Nahen Osten, geschätzt auf 2500 bis 6000 Raketen verschiedener Typen. Einige davon haben eine Reichweite von bis zu 2000 Kilometern und erreichen Israel. Zudem produzierte das Land in großem Stil Langstreckendrohnen, insbesondere den Typ Schahed, der auch von Russland im Ukraine-Krieg eingesetzt wird. Etwa einen Monat nach Beginn der Angriffe berichteten US-Insider der Nachrichtenagentur Reuters, dass ein Drittel dieses Arsenals zerstört und ein weiteres Drittel beschädigt oder unterirdisch gesichert worden sei.
US-Admiral Brad Cooper erklärte am 14. Mai vor dem Kongress, die iranischen Fähigkeiten zur Herstellung von Raketen und Drohnen seien um Jahre zurückgeworfen worden. Demnach hätten die USA und ihre Verbündeten während des Konflikts mehr als 1500 Raketen und 6000 Drohnen abgefangen. Wie viele Raketen dem Iran noch verbleiben, ist jedoch unklar, und das Land bleibt weiterhin zu Angriffen in der Region fähig. Am 6. Juni feuerte der Iran Raketen auf Kuwait und Bahrain ab, am 7. Juni folgte ein Angriff auf Israel. Laut den betroffenen Staaten entstanden dabei keine größeren Schäden.
Das US-Militär bewertet die konventionellen Fähigkeiten des Irans zur regionalen Einflussnahme und Machtausübung als geschwächt. Admiral Cooper berichtete vor dem Kongress, dass die US-Streitkräfte 161 iranische Kriegsschiffe zerstört und 82 Prozent der iranischen Luftabwehr außer Gefecht gesetzt hätten. Die iranische Luftwaffe, die vor dem Krieg täglich bis zu 100 Einsätze flog, bleibt inzwischen komplett am Boden. Dennoch gelang es dem Iran während des gesamten Konflikts, die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr weitgehend zu blockieren. Mit Schnellbooten, Minen, Drohnen und Raketenkreuzern kontrollierte das iranische Militär die Meerenge, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Erdgasbedarfs transportiert wird.
Irans nukleare Fähigkeiten weitgehend unverändert
Das erklärte Hauptziel Trumps bleibt die Verhinderung einer iranischen Atombombe. Teheran betont stets, kein Atomwaffenprogramm zu verfolgen und die Nukleartechnologie ausschließlich friedlich zur Energiegewinnung zu nutzen. Der Konflikt hat an den nuklearen Kapazitäten des Irans jedoch kaum etwas verändert. US-Geheimdienste schätzten im vergangenen Monat, dass der Iran weniger als ein Jahr für die Entwicklung einer Nuklearwaffe benötigen würde. Dies entspricht der gleichen Zeitspanne, die bereits nach den Angriffen auf iranische Atomanlagen im Juni 2025 prognostiziert worden war.
Das Atomprogramm dürfte ein zentraler Verhandlungspunkt bei den weiteren Gesprächen sein, die dem Rahmenabkommen folgen sollen, das am Freitag in der Schweiz formell unterzeichnet werden soll. Insider zufolge drängt Trump darauf, dass der Iran sein angereichertes Uran aus dem Land schafft. Der neue oberste Führer des Irans, Ajatollah Modschtaba Chamenei, lehnt dies jedoch ab, so Insider.
Am 2. März erklärte Trump im Weißen Haus zudem, dass der Iran seine verbündeten Extremisten-Milizen im Irak, Libanon, Gazastreifen und Jemen nicht weiter finanzieren und bewaffnen dürfe. Die Führung in Teheran zeigte während des Konflikts jedoch keine Bereitschaft, ihre Unterstützung für ihre regionalen Stellvertreter einzustellen. Dennoch bewerten das US-Militär und unabhängige Experten das Netzwerk iranischer Verbündeter als deutlich geschwächt.
Regimewechsel kein Thema mehr
Zahlreiche dieser Entwicklungen, die zu einer Schwächung der iranischen Verbündeten in der Region führten, begannen bereits vor dem Krieg. Nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 tötete Israel viele Anführer und Kämpfer der militant-islamistischen Palästinenser-Organisation im Gazastreifen sowie der Hisbollah im Libanon. Zudem verlor der Iran mit dem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Jahr 2024 eine wichtige Route für Waffenlieferungen an die Hisbollah. Sanktionen und die wirtschaftliche Krise im Iran schränkten die finanziellen Möglichkeiten Teherans zusätzlich ein. Abgesehen von der Hisbollah spielten diese Gruppen im jüngsten Krieg kaum eine Rolle.
Die Hamas griff Israel nicht aus dem Gazastreifen an, und die Huthi-Miliz im Jemen beeinträchtigte den Schiffsverkehr im Roten Meer kaum. Die Hisbollah beteiligte sich am 2. März mit Raketen und Drohnen am Konflikt, worauf Israel mit Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Libanon reagierte. Dabei kamen fast 3700 Menschen ums Leben und 1,2 Millionen wurden vertrieben. Auf israelischer Seite starben 28 Soldaten und 4 Zivilisten. Admiral Cooper erklärte im Mai, der Iran könne seine Verbündeten nicht mehr zuverlässig mit moderner Bewaffnung versorgen.
Vor dem Krieg rief Trump die iranische Bevölkerung zum Umsturz auf und bezeichnete den Tod des langjährigen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei bei den Angriffen am 28. Februar als historische Chance. Am 6. März erklärte er, der Krieg werde erst mit einer bedingungslosen Kapitulation des Irans und einer neuen Führung enden. Zwar stürzte die theokratische Regierung nicht, Trump wertete die Entwicklung dennoch als Erfolg. Ali Chamenei wurde durch seinen Sohn Modschtaba Chamenei ersetzt, was Trump am 29. März als Beginn eines neuen, vernünftigeren Regimes feierte. In den vergangenen Wochen verzichtete der US-Präsident auf weitere Aufrufe zum Sturz der iranischen Führung.