Mann entzieht sich Militärdienst: Ukrainische Politiker fordern harte Maßnahmen nach Angriff auf Rekrutierer
Im Angesicht des Krieges gegen Russland erzielt die Ukraine aktuell einige Erfolge. Dennoch wehren sich zahlreiche Ukrainer aus Angst vor dem Fronteinsatz vehement gegen die erzwungene Rekrutierung auf der Straße. In Lwiw kam es dabei zu einer Auseinandersetzung, an der rund 200 Personen beteiligt waren.
Nach gewaltsamen Ausschreitungen bei dem Versuch, einen jungen Mann in der westukrainischen Stadt Lwiw für den Militärdienst zu rekrutieren, haben die Justizbehörden Ermittlungen aufgenommen. Eine aufgebrachte Menschenmenge griff am Mittwochabend ein Armeefahrzeug an und kippte es um, nachdem eine Personenkontrolle im Zusammenhang mit der Wehrpflicht durchgeführt worden war. Die Generalstaatsanwaltschaft teilte über Telegram mit, dass infolge des Vorfalls „zwei Strafverfahren“ eröffnet wurden, unter anderem wegen Angriffs auf Polizeibeamte.
Die Generalstaatsanwaltschaft berichtete, dass an den Zusammenstößen „Mitglieder der ukrainischen Streitkräfte, Polizeibeamte sowie etwa 200 Zivilpersonen“ beteiligt gewesen seien. Ermittlungen laufen unter anderem wegen des Angriffs auf Polizeibeamte und der Behinderung der rechtmäßigen Arbeit der ukrainischen Streitkräfte.
Vorher hatte ein im Internet verbreitetes Handyvideo des Angriffs in der Ukraine für breite Diskussionen gesorgt. Das Video zeigt, wie dutzende Menschen ein Militärfahrzeug umzingeln, lautstark „Schande“ rufen, Beleidigungen aussprechen und mit Gegenständen gegen die Fensterscheiben schlagen. Unter dem Applaus der Umstehenden wird das Fahrzeug schließlich umgestürzt.
Dem örtlichen Rekrutierungszentrum zufolge kam es zu den Ausschreitungen, nachdem die Beamten einen jungen Mann wegen Verstößen „gegen die Vorschriften zur militärischen Registrierung“ überprüft hatten. Der Verdacht besteht, dass der Mann sich dem Militärdienst entzogen hat, weshalb er festgenommen wurde. Die Menschenmenge „umringte das Fahrzeug der Militärbehörde, verhielt sich aggressiv, beschädigte es und kippte es schließlich um“, so das Rekrutierungszentrum auf Facebook.
Viele ukrainische Männer fürchten die Einberufung, da sie nicht in den Krieg gegen Russland ziehen wollen. Sie versuchen, Innenstädte zu meiden, um einer Einberufung zu entgehen, oder verlassen das Land, um dem Militärdienst zu entfliehen.
Da die ukrainische Armee im Konflikt mit Russland auf Soldaten angewiesen ist, greift sie bei der Rekrutierung zunehmend zu strengeren Maßnahmen. In letzter Zeit kam es vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und den Einberufungsbehörden.
„Unser einziger Gegner ist die Russische Föderation“, betonte die Rekrutierungsbehörde. „Wir appellieren an die Bürger, sich nicht von feindlichen Provokationen beeinflussen zu lassen und Militärangehörige sowie die Polizei bei der Ausübung ihrer rechtmäßigen Aufgaben nicht zu behindern.“
Verantwortliche werden „zur Verantwortung gezogen“
Auch ukrainische Politiker verurteilten die Proteste scharf. „Das, was wir gestern in Lwiw erlebt haben, ist völlig inakzeptabel“, erklärte der Bürgermeister der Stadt, Andriy Sadowyj, auf Telegram. Es sei nicht hinnehmbar, die Armee bei der Erfüllung ihrer Pflichten zu stören, Eigentum zu zerstören oder das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen.
Kyrylo Budanow, Leiter des ukrainischen Präsidialamts, forderte auf X, dass die Sicherheitskräfte „angemessen auf die Ereignisse in Lwiw reagieren“. Der Regionalgouverneur Maksym Kosytzkyj ergänzte, die Täter würden „identifiziert und zur Rechenschaft gezogen“.
Die EU hat kürzlich den vorübergehenden Schutzstatus für Ukrainer bis März 2027 verlängert. Gleichzeitig wird diskutiert, ukrainischen Männern im wehrfähigen Alter diesen Schutzstatus zu entziehen, um ihre Rückkehr zu fördern. Männern zwischen 25 und 60 Jahren ist es derzeit verboten, ohne Sondergenehmigung das Land zu verlassen.