Berliner CDU diskutiert bei Krisensitzung über Wegner als neuen Spitzenkandidaten
Wenige Monate vor der Abgeordnetenhauswahl verliert die Berliner CDU in den Umfragen weiter an Zustimmung. Der Spitzenkandidat und Regierende Bürgermeister Kai Wegner sieht sich wiederholt gezwungen, seine Aussagen zum Krisenmanagement beim Stromausfall zu revidieren. Die Partei denkt nun über einen Richtungswechsel nach.
Am morgigen Freitag findet eine Sitzung der Berliner CDU-Kreisvorsitzenden statt, bei der es um die schwachen Umfragewerte und die Strategie für den Wahlkampf gehen soll. Auch Wegner, der als Regierender Bürgermeister und Spitzenkandidat am Treffen teilnimmt, steht wegen unzutreffender Angaben zum Umgang mit dem großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten im Januar erheblich unter Druck. Kritik kam zuletzt auch scharf vom Koalitionspartner SPD.
Wie mehrere Kreisvorsitzende berichten, wurde die Zusammenkunft bereits vor etwa vier Wochen angesetzt. Innerhalb der Partei herrsche Unruhe und Verärgerung über Wegners Verhalten, heißt es. Abgeordnete sorgen sich angesichts der zuletzt auf nur noch 17 Prozent gesunkenen Umfragewerte (gegenüber 28,2 Prozent im Jahr 2023) zunehmend um ihre Wiederwahl.
Wegner wurde kurz nach dem mehrtägigen Stromausfall Anfang Januar kritisiert, unter anderem weil er sein Tennisspiel am ersten Tag zunächst verschwiegen hatte. Zudem warfen seine widersprüchlichen Angaben zu seinem Vorgehen an diesem Tag immer wieder neue Fragen auf. Am Dienstag berichtete der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf die Senatskanzlei, dass Wegner am 3. Januar, anders als ursprünglich dargestellt, vormittags nicht dienstlich im Zusammenhang mit dem Blackout telefoniert habe.
Die „Welt“ meldete, mehrere Kreisvorsitzende wollten Wegner wegen der Situation dazu bewegen, nicht erneut als Kandidat anzutreten. Bis zur Wahl solle er jedoch im Amt bleiben. Der „Focus“ zitiert einen angeblichen hochrangigen CDU-Funktionär mit den Worten, „ein Wechsel bei Wegner sei nicht ausgeschlossen“. Als mögliche Nachfolger gelten Finanzsenator Stephan Evers und Jugendstaatssekretär Falko Liecke. Ob beide zur Verfügung stehen, ist jedoch noch unklar.