Audimax » Politik » Bürokratieabbau geplant: Bundestag ebnet Weg für automatisches Kindergeld

Bürokratieabbau geplant: Bundestag ebnet Weg für automatisches Kindergeld

Geplanter Bürokratieabbau: Bundestag macht Weg für Kindergeld ohne Antrag frei

Die Zeit nach der Geburt stellt Familien oft vor große Herausforderungen. Um Eltern zu entlasten, plant die Koalition nun, das Kindergeld künftig automatisch und ohne Antrag zu überweisen – sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Künftig soll das Kindergeld nach der Geburt automatisch ausgezahlt werden, ohne dass Eltern einen Antrag stellen müssen. Der Bundestag verabschiedete ein Gesetz, das die Koalition aus Union und SPD zur Reform des Sozialstaats umsetzt. Dadurch entfallen jährlich etwa 300.000 Erstbeantragungen bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit.

Das Gesetz soll ab Anfang Januar 2027 gelten und sieht zwei Phasen vor. In der ersten Stufe wird die automatische Auszahlung für Geburten ab dem zweiten Kind eingeführt, da die Familienkasse bereits vorhandene Daten zu erstgeborenen Kindern weiterverwenden kann. In der zweiten Stufe soll das Verfahren auf das erste Kind ausgeweitet werden. Voraussetzung hierfür ist unter anderem, dass das Kind mit mindestens einem Elternteil in Deutschland lebt, eine Bankverbindung vorliegt und mindestens ein Elternteil in Deutschland erwerbstätig ist. Die Auszahlung erfolgt durch einen digitalen Datenaustausch zwischen Standesämtern, dem Bundeszentralamt für Steuern und der Familienkasse.

Im Gesetzestext heißt es: „Die antragslose Kindergeldgewährung soll die Familienkasse nutzen, wenn alle relevanten Fakten bekannt sind, keine Zweifel an der Anspruchsberechtigung bestehen und eine Kontoverbindung vorliegt.“ Ziel ist es, Bürokratie abzubauen, ohne das Risiko unbegründeter Auszahlungen zu erhöhen.

Weniger Aufwand für Familien durch automatisierte Auszahlung

SPD-Politiker Parsa Marvi betonte im Bundestag, dass Leistungen schnell, unkompliziert und ohne unnötigen bürokratischen Aufwand bei den Menschen ankommen sollten. Er bezeichnete die Maßnahme als Schritt hin zu einem modernen Staat, der das Leben erleichtert. CDU-Politikerin Anne König erklärte: „Mit dem antragslosen Kindergeld reduzieren wir Bürokratie deutlich und unterstützen Familien in den ersten Wochen nach der Geburt.“ Die Union setzte sich außerdem dafür ein, dass das Kindergeld grundsätzlich an die Mutter ausgezahlt wird.

Der Finanzausschuss schätzt, dass die Umstellung den jährlichen Zeitaufwand der Bürger um rund 205.000 Stunden verringert. Im Jahr 2025 wurden für etwa 17,6 Millionen Kinder insgesamt 55,32 Milliarden Euro Kindergeld ausgezahlt. Die monatliche Leistung beträgt aktuell 259 Euro pro Kind, unabhängig vom Einkommen, und wird an die Person ausgezahlt, die das Kind überwiegend betreut.

Das Deutsche Kinderhilfswerk begrüßte die Reform: „Dies könnte ein erster Schritt sein, um Familien den Zugang zu ihren Leistungen zu erleichtern und somit die materielle Absicherung von Kindern zu verbessern“, erklärte Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann. Kritisch sieht er jedoch, dass nicht erwerbstätige Eltern vom Verfahren ausgeschlossen sind und die Regelung zunächst nicht für das erste Kind gilt.