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Unruhe in der Union: Merz steht bei der Nachfolgersuche für Spahn vor neuen Herausforderungen

Unmut in der Union: Suche nach Spahn-Nachfolger stellt Merz vor neues Problem

Jens Spahns Abgang hinterlässt innerhalb der Koalition eine bedeutende Lücke. Der Druck aus den eigenen Reihen wurde für ihn jedoch zu groß. Gleichzeitig stößt die Diskussion um die Neubesetzung seines Postens innerhalb der Partei auf erheblichen Widerstand.

Aus dem ersten Jahr der schwarz-roten Koalition hat Kanzler und CDU-Vorsitzender Friedrich Merz eine wichtige Lektion gezogen: Offene Probleme dürfen nicht vertagt werden, da sie sich sonst verschärfen. Deshalb reagierte die CDU-Führung im Fall Jens Spahn äußerst schnell.

Am Mittwoch machte der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion öffentlich, dass er mithilfe einer Leihmutter in den USA Vater geworden ist. Nach Gesprächen mit führenden Unionspolitikern und einer innerparteilichen Empörungswelle trat der 46-Jährige am Samstag zurück. Während für den Kanzler damit eine Herausforderung gelöst ist, beginnt mit der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin unmittelbar das nächste Problem: Denn Spahn galt laut allen drei Koalitionspartnern als eine der tragenden Säulen der komplexen schwarz-roten Regierung.

Obwohl der Vorgang strategisch anmutet, berichten Beteiligte, dass die CDU-Führung von der heftigen Reaktion auf Spahns Elternschaft überrascht wurde. Merz erklärte am Donnerstag, Spahn habe ihn erst am vergangenen Freitag informiert und er habe ihm damals gratuliert. Damals habe er wohl noch nicht mit einer derart intensiven Debatte gerechnet. Am Freitag räumte er ein, dass das Thema „in all seinen Facetten – menschlich, juristisch, gesellschaftlich und ethisch – derzeit viele Menschen in Deutschland bewegt“. Als Spahn über die „Bild“ ankündigte, die Fraktion solle im September über seine Zukunft entscheiden, schlugen in der Unionsspitze Alarmglocken an. Merz soll Spahn in direkten Gesprächen in der Nacht zum Samstag zum Rücktritt gedrängt haben.

Es war bereits klar, dass die CDU sonst in eine massive Glaubwürdigkeitskrise geraten würde – vor allem vor wichtigen Landtagswahlen. „Es entsteht der Eindruck, dass Politiker Regeln für alle anderen beschließen, aber nicht für sich selbst“, brachte der Bochumer Politologe Oliver Lembcke die Problematik auf den Punkt. Denn Leihmutterschaft ist zwar in den USA legal, in Deutschland jedoch verboten und von der CDU strikt abgelehnt.

Spahn wurde zur zentralen Stütze

Hinzu kam die wachsende Kritik daran, dass Spahn Parteichef Merz und die Fraktion erst so spät informiert hatte – obwohl er Anfang Mai als Fraktionsvorsitzender bestätigt worden war. Seine Planung der Elternschaft muss jedoch deutlich länger zurückliegen. Wie bei vielen Politikern werden nun auch frühere Vorwürfe gegen Spahn wieder aufgegriffen – etwa seine Rolle als Gesundheitsminister, als er Corona-Abstandsregeln erließ, aber selbst bei einer Spendengala auftrat. Zudem belastet ihn die Maskenaffäre.

Trotzdem bewerten mehrere Koalitionspolitiker die Entwicklung als tragisch bis riskant, da Spahn in den vergangenen Monaten zu einer der wichtigsten Stützen der Koalition wurde. Noch 2025 wurde ihm vorgeworfen, nach der missglückten Kanzlerwahl, der gescheiterten Kandidatur von Frauke Brosius-Gersdorf zum Bundesverfassungsgericht und dem Widerstand junger Unionisten in Rentenfragen die Fraktion nicht unter Kontrolle zu haben. 2026 änderte sich diese Wahrnehmung deutlich. Er verband ein enges Vertrauensverhältnis mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch.

Nach mehreren umstrittenen Regierungsentscheidungen, wie der im Bundesrat gescheiterten 1000-Euro-Prämie, gelang es den Fraktionen, dem wenig erfahrenen Kabinett einige Entscheidungen abzunehmen. Spahn, dem Ambitionen auf den CDU-Vorsitz und das Kanzleramt nachgesagt wurden, spielte dabei eine Schlüsselrolle. „Jetzt bleibt abzuwarten, ob die vertrauensvolle Zusammenarbeit fortgeführt werden kann“, sagt ein führender CDU/CSU-Politiker. Im Unterschied zu vielen anderen Regierungsmitgliedern habe Spahn stets strategisch gedacht.

NRW dominiert bei Führungspositionen

Merz kündigte an, gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder einen Vorschlag zur Nachfolge zu präsentieren – was in der Unionsfraktion prompt auf Kritik stieß. „Es wäre wünschenswert, wenn er dies im Vorfeld mit uns abstimmen würde“, bemängelte ein selbstbewusster CDU-Abgeordneter. Ein anderer wies darauf hin, dass Merz die Gelegenheit nutzen sollte, die Dominanz Nordrhein-Westfalens bei den Spitzenämtern zu durchbrechen. Denn der Sauerländer Merz hatte mit Spahn und Generalsekretär Carsten Linnemann bereits alle wichtigen CDU-Posten aus seinem Bundesland besetzt. „Bei allem Respekt, es gibt auch andere Bundesländer“, kritisierte ein weiterer CDU-Abgeordneter.

In der Öffentlichkeit entfachte schnell eine Debatte über einen möglichen Ringtausch: Kanzleramtschef Thorsten Frei könnte in die Fraktion zurückkehren, während Merz einen Nachfolger für das Kanzleramt finden müsste – womöglich den rechtspolitischen Sprecher Günther Krings, ebenfalls ein NRW-Politiker.

Es könnte sich aber auch eine ganz andere Lösung ergeben. Neben Innenminister Alexander Dobrindt von der CSU, der dann von Frei ersetzt werden könnte, wurde auch der Name Nina Warken genannt. Die Gesundheitsministerin aus Baden-Württemberg hat sich durch ihre Gesundheitsreform Respekt erworben, auch wenn einzelne Bestandteile umstritten sind. Mit ihr könnte erstmals eine Frau an die Fraktionsspitze rücken – gleichzeitig wäre der Weg frei, das Gesundheitsministerium einem anderen Landesverband zu übertragen.