Audimax » Politik » Siedler attackieren Dörfer: Israelische Soldaten töten Jugendlichen im Westjordanland

Siedler attackieren Dörfer: Israelische Soldaten töten Jugendlichen im Westjordanland

Siedler greifen Dörfer an: Israelische Soldaten erschießen Jugendlichen im Westjordanland

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen nationalistischer Israelis in Jerusalem kam es im Westjordanland zu Angriffen von Siedlern auf mehrere palästinensische Ortschaften. In der Nähe von Nablus soll ein Jugendlicher Steine auf israelische Fahrzeuge geworfen haben und wurde dabei getötet.

Erneut haben israelische Soldaten einen palästinensischen Jugendlichen im Westjordanland erschossen, wie die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete. Demnach hatte der 15-Jährige in der Nähe von Nablus Steine auf israelische Fahrzeuge geschleudert. Laut palästinensischen Behörden verweigerten die Soldaten anschließend die Herausgabe der Leiche und verhinderten den Zugang von Sanitätern. Der Vorfall ereignete sich im Anschluss an Angriffe israelischer Siedler auf mehrere Dörfer im Westjordanland.

In einem Ort nahe Ramallah wurde am Morgen eine Moschee in Brand gesetzt, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Zudem hätten Siedler mehrere Fahrzeuge angezündet. In einem weiteren Dorf nahe Nablus seien Türen eingetreten und unter den Bewohnern Angst und Schrecken verbreitet worden. Das israelische Militär äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen.

Die „Times of Israel“ berichtete am Abend von einem weiteren Vorfall im Westjordanland: Ein bewaffneter israelischer Siedler wurde gefilmt, wie er am Rande eines Dorfes im Zentrum des Palästinensergebiets über einem gefesselten und blindfolded Mann stand. Palästinensische Medien identifizierten den Mann als einen Bauern, der versucht hatte, sein Land zu erreichen.

Ein weiteres Video zeigt, wie Soldaten der israelischen Streitkräfte am Tatort eintreffen, nachdem der gefesselte Mann vom Siedler auf eine nahegelegene Straße gezogen wurde. Der Palästinenser sei unter militärischem Schutz erniedrigt und festgenommen worden, schrieb der Veröffentlicher der Videos auf X. Die israelische Armee reagierte auf Anfragen der Zeitung zunächst nicht.

Seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 und dem daraus resultierenden blutigen Gaza-Krieg hat die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser und deren Eigentum im besetzten Westjordanland deutlich zugenommen. Avi Bluth, der israelische Kommandeur für das Westjordanland, verurteilte die Siedlergewalt zuletzt deutlich. Dennoch wird den Sicherheitskräften Israels vorgeworfen, nicht energisch genug gegen die Aggressionen vorzugehen oder gar aggressiven Siedlern den Rücken zu stärken.

Die Berichte über die jüngste Gewalt erfolgen einen Tag nach einem umstrittenen Flaggenmarsch in Jerusalem. Zehntausende nationalistische Israelis zogen unter massivem Polizeischutz durch die Altstadt, auch durch muslimische Viertel. Medien berichteten von anti-arabischen Parolen, Übergriffen auf Anwohner und beschädigten Schaufenstern.

Der 15. Mai ist zudem für Palästinenser der sogenannte Nakba-Tag (Tag der Katastrophe), an dem an die Zerstörung palästinensischer Dörfer und die Vertreibung ihrer Bewohner erinnert wird – einen Tag nach dem Jahrestag der israelischen Staatsgründung am 14. Mai 1948.