Konflikte mit Israel setzen sich fort: USA verlängern Waffenruhe im Libanon
Formell besteht im Libanon eine Waffenruhe, doch in der Realität kommt es täglich weiterhin zu Gefechten und Beschuss. Über 2900 Menschen verloren bereits ihr Leben, darunter viele Frauen und Kinder. Die USA, die als Vermittler im Konflikt agieren, haben nun eine Verlängerung des Abkommens bekanntgegeben.
Die derzeit gültige Waffenruhe zwischen der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon und Israel soll laut Angaben des US-Außenministeriums um weitere 45 Tage verlängert werden. Diese Mitteilung machte Tommy Pigott, Sprecher des US-Außenministeriums, auf der Plattform X. Eine Stellungnahme der Hisbollah blieb bisher aus. In den vergangenen Wochen wurde die Waffenruhe von beiden Konfliktparteien regelmäßig gebrochen.
Pigott kündigte zudem an, dass am 2. und 3. Juni eine weitere Gesprächsrunde zwischen Vertretern beider Seiten unter der Vermittlung des US-Außenministeriums stattfinden soll. Zuvor ist für den 29. Mai ein militärischer Dialog im Pentagon geplant, an dem Delegationen beider Länder teilnehmen werden. Er äußerte die Hoffnung, dass diese Gespräche zu einem dauerhaften Frieden, zur uneingeschränkten Anerkennung der Souveränität und zur Sicherheit an der gemeinsamen Grenze beitragen werden.
Die Verlängerung der Waffenruhe wurde am Freitag nach einer dritten Verhandlungsrunde zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern in Washington bekanntgegeben. Die bisherige Frist wäre am Sonntag, den 17. Mai, ausgelaufen.
Waffenruhe bleibt fragil
Mitte April hatten sich der Libanon und Israel erstmals auf eine Waffenruhe verständigt. Dennoch setzten beide Seiten den gegenseitigen Beschuss fort. Im Libanon sterben weiterhin täglich Menschen. Das israelische Militär hält weiterhin Truppen im Südlibanon stationiert, wo es nach wie vor zu direkten Auseinandersetzungen mit der Hisbollah kommt.
Besonders im Süden des Libanon führt das israelische Militär tägliche Luftangriffe durch. Zuletzt griff die israelische Luftwaffe erneut einen Vorort von Beirut an und tötete eigenen Angaben zufolge den Kommandeur der Hisbollah-Eliteeinheit Radwan.
Nach der ursprünglichen Vereinbarung soll die libanesische Regierung die Hisbollah mit internationaler Unterstützung daran hindern, Angriffe auf israelische Ziele vom Libanon aus durchzuführen. Israel verpflichtet sich, auf offensive Militäroperationen im Libanon zu verzichten, darf sich aber gegen unmittelbar bevorstehende oder laufende Angriffe verteidigen.
Seit Beginn des erneuten Krieges Anfang März sind im Libanon rund 2900 Menschen ums Leben gekommen, darunter zahlreiche Frauen und fast 200 Kinder. Nach Bekanntgabe der ersten Waffenruhe wurden offiziellen Angaben zufolge über 400 weitere Personen getötet.
Verhandlungen in Washington
Seit Mitte April finden erstmals seit Jahrzehnten direkte Gespräche auf politischer Ebene zwischen Libanon und Israel statt, die von den USA in Washington vermittelt werden. Israel verfolgt langfristig das Ziel eines Friedensprozesses mit dem Libanon und möchte insbesondere die dauerhafte Entwaffnung der vom Iran unterstützten Hisbollah erreichen.
Die libanesische Regierung, die nicht aktiv am Krieg beteiligt ist, setzt vor allem auf Deeskalation und eine dauerhafte Waffenruhe. Eine Normalisierung der Beziehungen lehnt sie unter den aktuellen Umständen mehrfach ab. US-Präsident Donald Trump strebt zudem ein hochrangiges Treffen zwischen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Libanons Präsident Joseph Aoun an, das der Libanon bislang ablehnt.
Die Hisbollah betrachtet die Verhandlungen mit Israel als Kapitulation. Sie fordert einen Stopp der israelischen Angriffe sowie den vollständigen Abzug der Truppen aus dem Südlibanon. Der aktuellen Waffenruhe hat sie nie zugestimmt.
Die libanesische Regierung steht unter dem Druck, die von Israel geforderte Entwaffnung der Hisbollah durchzusetzen. Bereits nach einem früheren Konflikt im Herbst 2024 hatte sie sich verpflichtet, diesen Prozess voranzutreiben, der jedoch nur langsam vorankommt. Dabei muss die Regierung einen Balanceakt meistern: Vor allem die schiitische Bevölkerungsgruppe unterstützt weiterhin die proiranische Hisbollah und befürwortet deren Bewaffnung. Gleichzeitig möchte die Regierung interne Unruhen vermeiden.
Beobachter weisen darauf hin, dass die andauernden israelischen Angriffe trotz Waffenruhe den Entwaffnungsprozess erschweren. Die Hisbollah und ihre Anhänger sehen darin eine Rechtfertigung für ihre Existenz als einzige legitime „Widerstandskraft“ in den von ihr kontrollierten Gebieten.