Putins Hyperschallrakete Oreschnik: Kiew und Moskau bestätigen Einsatz
Die Oreschnik erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde und verfügt über eine maximale Reichweite von 5000 Kilometern. In Russland wird diese Hyperschallrakete als eine Art „Wunderwaffe“ beworben. Bei einem groß angelegten Angriff traf sie erstmals die ukrainische Hauptstadt Kiew.
Die Befürchtungen von Wolodymyr Selenskyj haben sich bestätigt: Sowohl aus Kiew als auch aus Moskau wurde der Einsatz der gefürchteten Hyperschall-Mittelstreckenrakete Oreschnik gemeldet – erstmals bei Angriffen auf Kiew. Der ukrainische Präsident erklärte in einer am Morgen veröffentlichten Videobotschaft, dass Kremlchef Wladimir Putin die Rakete in Richtung Bila Zerkwa abgefeuert habe, einem Vorort im Gebiet Kiew.
Die Oreschnik-Rakete, die auch in Belarus stationiert ist, kann mit konventionellen wie auch nuklearen Sprengköpfen bestückt werden. Dank ihrer enormen Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde und der Reichweite von bis zu 5000 Kilometern stellt sie eine potenzielle Bedrohung für ganz Europa dar. Russland setzte die Rakete zuvor schon zweimal bei Luftangriffen auf die Ukraine ein: Einmal in der Großstadt Dnipro im Südosten ohne Sprengkopf und zuletzt im Januar in der Westukraine. In Russland wird die Oreschnik als „Wunderwaffe“ oder „Superwaffe“ propagiert.
Selenskyj bezeichnete den Einsatz als „völlig verantwortungslos“ und betonte, dass Russland dafür Konsequenzen tragen müsse. Über Schäden in Bila Zerkwa machte er keine Angaben.
Auch der deutsche Sicherheitsexperte Nico Lange bestätigte den Einsatz der Hyperschallrakete und erklärte, dass sie mit einem leeren Testsprengkopf ausgestattet gewesen sei. Das russische Verteidigungsministerium rechtfertigte den Einsatz als Reaktion auf die „terroristischen Angriffe“ der Ukraine auf zivile Ziele in Russland. Neben der Oreschnik kamen dabei auch die Waffensysteme Iskander, Kinschal und Zirkon zum Einsatz.
Schäden an über 40 Gebäuden
Nach ukrainischen Angaben griff Russland die Ukraine in der vergangenen Nacht mit 90 Raketen und Marschflugkörpern sowie 600 Drohnen verschiedener Typen an. Dieser Angriff zählt zu den heftigsten Luftangriffen seit Beginn des Krieges. Die ukrainische Luftwaffe meldete die Vernichtung von 604 Zielen, darunter 54 Raketen und Marschflugkörper sowie 549 Drohnen. Zudem wurden zahlreiche russische Flugobjekte abgeschossen.
Die heftigsten Angriffe trafen die ukrainische Hauptstadt. Dort wurden laut Behörden vier Todesopfer und Dutzende Verletzte registriert. Zwei Menschen starben direkt in Kiew, zwei weitere in der umliegenden Region, berichtete der Gouverneur Mykola Kalaschnyk. In Kiew wurden 56 Personen verletzt, von denen 30, darunter zwei Kinder, in Krankenhäusern behandelt werden, so Bürgermeister Vitali Klitschko am Morgen via Telegram.
Der Angriff beschädigte Wohnhäuser, Büros und Schulen an mehr als 40 Standorten in der Hauptstadt. Unter anderem stürzte die Fassade eines fünfstöckigen Wohngebäudes ein, außerdem entstanden Schäden am historischen Unabhängigkeitsplatz Maidan sowie im Eingangsbereich einer U-Bahn-Station.
„Eine schreckliche Nacht“
„Für Kiew war es eine schreckliche Nacht“, sagte Bürgermeister Klitschko weiter. Nach Sonnenaufgang zog schwarzer Rauch über die Stadt. Reporter berichteten von einem stechenden Geruch in der Luft. Zahlreiche Bewohner wurden in den Luftschutzkellern einer Schule und eines Geschäftszentrums eingeschlossen, da Trümmer die Eingänge blockierten.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete den Angriff als „einen der größten Terrorangriffe auf Kiew seit Beginn des Krieges“. Auch in anderen Regionen der Ukraine gab es Verletzte: In der Region Tscherkassy wurden elf Verletzte gemeldet, in Dnipropetrowsk sieben.