Moskau beschuldigt Kiew des Angriffs: Chefingenieur des AKW Saporischschja offenbar getötet
Seit dem Frühjahr 2022 steht das größte Atomkraftwerk Europas in der Ukraine unter russischer Kontrolle. Obwohl die Reaktoren außer Betrieb genommen wurden, erfolgen weiterhin wiederholt Drohnenangriffe. Berichten zufolge ist der Chefingenieur ums Leben gekommen.
Nach nicht verifizierten russischen Meldungen soll eine Drohne den Chefingenieur des besetzten Atomkraftwerks Saporischschja im Südosten der Ukraine getötet haben. „Eine Drohne der ukrainischen Streitkräfte griff ein Dienstfahrzeug des Kraftwerks an der Grenze zwischen dem Werksgelände und der Stadt Enerhodar an“, erklärte Alexej Lichatschow, Leiter des russischen Atomkonzerns Rosatom, laut einer Telegram-Mitteilung. Es handele sich angeblich um einen gezielten Angriff. Auch der Fahrer des Fahrzeugs sei bei dem Angriff ums Leben gekommen.
Kiew weist Vorwürfe zurück, Angriffe auf das Gelände oder Mitarbeiter des Atomkraftwerks zu verüben. Das ukrainische Militär betont, dass es sich strikt an das humanitäre Völkerrecht halte und sich der katastrophalen Folgen von Angriffen auf nukleare Anlagen bewusst sei.
Der Chef des russischen Atomkonzerns Rosatom forderte von der internationalen Atomaufsichtsbehörde IAEA eine „klare Reaktion“. Die russische Führung sei bereits informiert worden. „Wir verlangen von den zuständigen internationalen Organisationen, insbesondere der IAEA, eine eindeutige Verurteilung dieses Mordes“, schrieb daraufhin Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, bei Telegram. Dabei nannte sie auch den IAEA-Leiter Rafael Grossi namentlich.
IAEA warnt vor Angriffen auf das AKW
In einer schriftlichen Stellungnahme bezeichnete Grossi den Angriff als „inakzeptabel“ und warnte vor einer Gefährdung der nuklearen Sicherheit. Die Organisation rief dazu auf, alle Angriffe auf ukrainische Nuklearanlagen sofort einzustellen.
Zuvor hatte Jewgeni Balizki, Leiter der russischen Besatzungsbehörden der Region Saporischschja, bei Telegram von ukrainischen Drohnenangriffen auf die Stadt Enerhodar berichtet. Diese Angaben konnten bislang nicht unabhängig bestätigt werden. Es kam zu einem vollständigen Stromausfall.
Das Atomkraftwerk Saporischschja mit sechs Reaktoren und einer Gesamtleistung von 6000 Megawatt ist das größte AKW Europas. Seit der Einnahme durch russische Truppen im März 2022 steht die Anlage unter deren Kontrolle. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Reaktoren vorsorglich abgeschaltet.