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Machtwechsel im Osten? Alle wichtigen Fakten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Machtwechsel im Osten?: Alle Daten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Der Herbst startet mit einer bedeutenden politischen Entscheidung: Anfang September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD führt Umfragen derzeit deutlich an. Könnte eine vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei bald den Ministerpräsidenten stellen?

Sachsen-Anhalt steht vor einer richtungsweisenden Wahl: Rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte sind am ersten Sonntag im September aufgerufen, die Machtverhältnisse im Landtag neu zu bestimmen. Bereits im Vorfeld sorgt der Urnengang bundesweit für Diskussionen: Steht in Magdeburg ein Machtwechsel bevor?

Umfragewerte signalisieren mögliche Gewinne für Parteien weit rechts der Mitte. Die Alternative für Deutschland (AfD) erreicht in repräsentativen Studien bis zu 41 Prozent. Damit könnte die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zur stärksten politischen Kraft im Bundesland aufsteigen. Die CDU hingegen muss laut Meinungsforschern mit deutlichen Verlusten rechnen. Wer wird die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für sich entscheiden?

Hinweis: Die Infografiken zur Landtagswahl basieren auf den jeweils aktuellsten Umfrageergebnissen und werden bis zum Wahltag kontinuierlich aktualisiert.

Der Wahltermin steht fest, doch Ergebnis und Mehrheitsverhältnisse bleiben ungewiss. Wie viele Parteien werden am 6. September die Fünf-Prozent-Hürde überspringen? Aktuell sind mit CDU, AfD, Linken, SPD, FDP und Grünen sechs Parteien im Landtag vertreten. Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU führt derzeit eine schwarz-rot-gelbe Koalition.

Schulze ist jedoch erst seit Ende Januar im Amt und folgt auf den langjährigen Landesvater Reiner Haseloff, der bei der Landtagswahl 2026 nicht erneut kandidiert.

Für die CDU wären die prognostizierten Verluste ein herber Rückschlag: Seit über 20 Jahren stellt die Partei die Regierungsspitze in Sachsen-Anhalt. Haseloff war seit 2011 im Amt und erzielte bei der Wahl 2021 mit Amtsbonus noch 37,1 Prozent.

Eines ist sicher: Nach Haseloffs Ära steht Sachsen-Anhalt vor Veränderungen. Umfragen zeigen, dass die Linke leichte Zugewinne verzeichnen könnte, während die SPD wohl nur geringfügig an Zustimmung verliert. FDP und Grüne hingegen müssen um den Wiedereinzug in den Landtag bangen.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) könnte am Wahlabend knapp über der Fünf-Prozent-Hürde liegen. Das hätte erhebliche Konsequenzen, denn für die Parteien zählt jede Stimme. Je nach Umfrage könnten künftig statt sechs nur fünf oder sogar vier Fraktionen im Landtag vertreten sein.

Das führt zu schwierigen Mehrheitsverhältnissen: Verpasst die FDP den Landtagseinzug, muss CDU-Spitzenkandidat Schulze auf jeden Fall mindestens einen neuen Koalitionspartner finden – vorausgesetzt, seine Partei erzielt überhaupt eine regierungsfähige Mehrheit.

Die AfD, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als „rechtsextremistisch“ eingestuft wird, könnte zur stärksten Kraft werden. Scheitert das BSW erneut an der Fünf-Prozent-Hürde, könnte das Parlament in Magdeburg auf vier Fraktionen schrumpfen. Wie unter solchen Bedingungen eine stabile Regierung gebildet werden soll, bleibt unklar.

Egal, welche Partei den Regierungsauftrag erhält: In einem Vier-Parteien-Parlament bliebe die Auswahl begrenzt. Selbst mit fünf Fraktionen könnte Sachsen-Anhalt am Wahlabend weit von stabilen Mehrheiten entfernt sein.

Eine mögliche Dreierkoalition der CDU mit Beteiligung des BSW wäre in der Bundespolitik höchst umstritten. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat eine Zusammenarbeit mit dem BSW ausdrücklich ausgeschlossen. Auch eine Kooperation mit der Linken, die in Sachsen-Anhalt womöglich erneut drittstärkste Kraft wird, wäre politisch schwierig. Einige Umfragen sehen neben CDU, AfD und Linken auch SPD und BSW im Landtag. Theoretisch wäre ein Bündnis aus CDU, SPD, Linken und BSW denkbar, politisch jedoch kaum realisierbar, da die Gegensätze zu groß sind.

Auf der anderen Seite sind die Aussichten für die AfD ebenfalls begrenzt: Eine absolute Mehrheit ist laut Umfragen nicht in Sicht, weshalb die Partei mindestens einen Partner bräuchte. Abgesehen vom BSW ist keine andere Partei zu einer Kooperation mit der AfD bereit. Ob das BSW genügend Stimmen in Sachsen-Anhalt erhält, ist ungewiss. Scheitert das BSW erneut am Einzug in den Landtag – wie zuletzt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – bliebe AfD-Spitzenkandidat Siegmund wohl ohne regierungsfähige Mehrheit.

Alles hängt davon ab, wie die Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt entscheiden und wie hoch die Wahlbeteiligung ausfällt. Historisch lag die Beteiligung bei Landtagswahlen oft deutlich unter den Quoten bei Bundestagswahlen. Den Tiefpunkt markierte 2006 mit nur 44,4 Prozent Wahlbeteiligung.

Die höchste Beteiligung gab es 1998 mit 71,5 Prozent. Das Potenzial der Nichtwähler stellt für die Parteien, die um Einfluss und Lösungen konkurrieren, eine große Chance dar.

Das Wahlverfahren folgt bekannten Regeln: Wahlberechtigt sind laut Landtagswahl-Informationen alle Deutschen im Sinne des Grundgesetzes ab 18 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in Sachsen-Anhalt wohnen und nicht gerichtlich vom Wahlrecht ausgeschlossen sind.

Die Wähler haben zwei Stimmen: Die Erststimme gilt für eine Kandidatin oder einen Kandidaten im Wahlkreis, die Zweitstimme für eine Partei auf Landesebene. Der Landtag in Magdeburg umfasst mindestens 83 Sitze.

Direktwahl: Schulze liegt vor AfD-Kandidat Siegmund

„Mit den Erststimmen werden 41 Kandidatinnen und Kandidaten direkt in den Landtag gewählt“, erläutert die Landeszentrale für politische Bildung. „Die Person mit den meisten Stimmen im Wahlkreis zieht als direkt gewählte Abgeordnete oder direkt gewählter Abgeordneter in den Landtag ein.“ Die Zweitstimmen bestimmen die Sitzverteilung der Parteien im Landtag.

Rückblick: Ergebnisse der Landtagswahl 2021

Am Sonntag, 6. September, sind die Wahllokale von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Zur Stimmabgabe benötigen Wahlberechtigte ihre Wahlbenachrichtigung und ein amtliches Lichtbilddokument wie Personalausweis, Reisepass oder Führerschein.

Wer den Weg ins Wahllokal vermeiden möchte, kann bis zum 4. September 2026, 15.00 Uhr, Briefwahl beantragen. Der Antrag ist bei der Gemeinde möglich, wo auch direkt per Briefwahl abgestimmt werden kann. Die Rücksendefrist für Wahlbriefe per Post endet bereits am 3. September, um rechtzeitige Bearbeitung zu gewährleisten.