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Fratzscher warnt: AfD-Programm bringt Sachsen-Anhalt pro Kopf 1600 Euro Verlust

Fratzscher: "Nationale Schocks": DIW zu AfD-Programm: Sachsen-Anhalter verlieren 1600 Euro pro Kopf

In Sachsen-Anhalt verzeichnet die AfD in Umfragen besonders starke Unterstützung. Genau dort müssten die Menschen jedoch mit erheblichen finanziellen Einbußen rechnen, falls die Partei ihr Programm realisieren sollte. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht zudem ein Risiko von 10.000 verlorenen Arbeitsplätzen.

Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin zeigt, dass Regionen mit einem hohen AfD-Stimmenanteil wirtschaftlich besonders unter einer AfD-geführten Bundesregierung leiden würden. Besonders hart träfe die Maßnahmen die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt: „Die von der AfD geforderte Politik würde dort pro Kopf jährlich rund 1600 Euro an Einkommen kosten“, berichtet DIW-Präsident Fratzscher laut dem „Spiegel“. „Zudem könnten etwa 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen.“

Fratzschers Berechnungen stellen keine exakte Vorhersage dar, sondern basieren auf einem Szenario, das auf Daten aus wissenschaftlichen Studien fußt. Der Ökonom hat analysiert, welche bundesweiten Auswirkungen zu erwarten wären, falls die AfD ihr Wahlprogramm umsetzt – darunter ein Austritt aus der EU und dem Euro.

Dies würde nach Fratzschers Worten „nationale Schocks“ verursachen: „Ein Kurs gegen Europa und den Euro, Grenzschließungen und Abschottung, der Abbau staatlicher Institutionen, Investitionen und sozialer Leistungen sowie eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung würden die Lebenssituation der meisten Menschen deutlich verschlechtern.“

Fratzscher prognostiziert steigende Inflation und Arbeitslosigkeit

Besonders gefährdet seien laut dem „Spiegel“ Regionen mit einer kleinteiligen Wirtschaftsstruktur und vielen Beschäftigten mit niedriger formaler Qualifikation – genau jene Gebiete, in denen die AfD besonders hohe Wahlergebnisse erzielt. Sachsen-Anhalt gehört dazu, wo die AfD vor der Landtagswahl am 6. September deutlich in Umfragen führt.

Im angenommenen Szenario würde das Wirtschaftswachstum bundesweit innerhalb von fünf Jahren um rund sechs Prozentpunkte sinken, die Inflation um mehr als fünf Prozentpunkte steigen und die Arbeitslosigkeit um zwei Prozentpunkte zunehmen.

Entscheidend seien laut „Spiegel“ die AfD-Forderungen nach einem Einwanderungsstopp und staatlichen Ausgabenkürzungen. Einen Austritt aus Euro und EU könnte eine AfD-Regierung jedoch nicht ohne Weiteres durchsetzen.

Nach den Berechnungen wären die Einkommensverluste in Sachsen-Anhalt doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt. Die größten Rückgänge von bis zu acht Prozent drohen in den sachsen-anhaltischen Landkreisen mit den höchsten AfD-Wahlergebnissen: Burgenlandkreis, Mansfeld-Südharz und Salzlandkreis. Fratzscher geht jedoch davon aus, dass die Partei dadurch kaum an Unterstützung verliert: „Unzufriedenheit fördert die AfD-Unterstützung, doch die AfD-Politik verschärft die Probleme weiter und führt in eine negative Spirale.“