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Konflikt in der NRW-AfD: Das Verhältnis zwischen Weidel und Vincentz ist endgültig zerstört

Machtkampf in der NRW-AfD: Das Tischtuch zwischen Weidel und Vincentz ist offiziell zerschnitten

Beim Listenparteitag der AfD in Nordrhein-Westfalen setzt sich der „bürgerliche“ Flügel der Partei durch. Diese Entwicklung wollen die völkisch-nationalistischen „Patrioten“, die mit AfD-Chefin Weidel verbunden sind, nicht akzeptieren. Für die AfD in NRW zeichnet sich damit ein Szenario wie in Bremen ab.

Der Machtkampf innerhalb der nordrhein-westfälischen AfD spitzt sich zu. Am Donnerstag forderte die AfD-Bundesspitze den Abbruch des laufenden Parteitags in Marl, auf dem die Landesliste für die kommende Landtagswahl gewählt wird. Landeschef Martin Vincentz wies diese Aufforderung am Freitag umgehend zurück. Der Parteitag wurde daraufhin fortgesetzt.

„Die Aufstellungsversammlung begann am 9. Juli 2026, wurde ordnungsgemäß unterbrochen und wird am 17. Juli 2026 um 10:00 Uhr fortgesetzt“, teilte Vincentz am Morgen per E-Mail an AfD-Chefin Alice Weidel und den Bundesvorstand mit. In seinem Schreiben kritisiert Vincentz scharf, der Bundesvorstand habe ein Vorgehen verlangt, „dessen rechtliche Unmöglichkeit ihm bekannt ist“.

Durcheinander am vergangenen Sonntag

Vincentz wies die Vorwürfe des Bundesvorstands entschieden zurück. Die geheime Stimmabgabe sei „zu jedem Zeitpunkt“ sichergestellt gewesen. Die Delegierten seines Landesverbands seien „selbstbewusst genug, ihre Entscheidungen eigenständig zu treffen“, heißt es in seiner Antwort. Die Anschuldigung, die Delegierten hätten ihr Stimmverhalten vorgesetzt bekommen, lehnt Vincentz im Namen der Delegierten strikt ab.

Mit der Forderung, den Parteitag abzubrechen und eine neue Landesliste aufzustellen, positionierten sich Weidel und Chrupalla im Machtkampf gegen den nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden. Der Parteitag in Marl dauert an diesem Freitag bereits den vierten Tag. In der Woche zuvor wurden die Listenplätze 1 bis 21 gewählt. Am Sonntag gelang die Wahl des 22. Platzes nur mit großer Anstrengung, die Abstimmung fand erst in der Nacht zum Montag statt und endete im Chaos.

Der Hintergrund ist ein heftiger Streit in der NRW-AfD zwischen zwei Lagern: dem für AfD-Verhältnisse moderateren Flügel um Vincentz und dem völkisch-nationalistischen Flügel um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich, der sich selbst, angeblich ironisch, als „freundliches Gesicht des Nationalsozialismus“ bezeichnet. Helferich ist, wie das bundesweit agierende völkisch-nationalistische Lager, mit Weidel verbündet.

„Operation Filibuster“

Die seit Jahren tief zerstrittene NRW-AfD hatte für die Wahl der Landesliste insgesamt vier Wochenenden eingeplant. Die ersten 21 Listenplätze wurden störungsfrei gewählt. Das rechtsextreme Helferich-Lager fühlte sich dabei jedoch benachteiligt, da nur wenige Kandidaten aus ihren Reihen berücksichtigt wurden – offenbar in Absprache mit dem Vincentz-Lager.

Als Reaktion organisierte eine Gruppe namens „Operation Filibuster“ am dritten Tag des Parteitags eine umfassende Blockade. Für Listenplatz 22 traten am Sonntag über 90 Kandidaten an. Da jeder davon acht Minuten Redezeit erhielt, wurde der Parteitag gezielt lahmgelegt. Ziel war es, mit der aus den USA bekannten Filibuster-Taktik durch langwierige Redebeiträge Entscheidungen zu verzögern.

Vincentz wirft dem Bundesvorstand vor, in eine laufende Listenwahl eingreifen zu wollen. Zunächst habe man auf eine Einigung („Mediation“) gesetzt. Nachdem diese „an den fortgesetzten Sabotageversuchen der Gruppe ‚Operation Filibuster‘ gescheitert“ sei, würden nun „angeblich rechtliche Unsicherheiten“ als Vorwand benutzt. Das Ziel der Bundesspitze sei, „eine Landtagsliste zu erzwingen, die dem Bundesvorstand genehm ist“.

Das drohende Bremen-Szenario

Am Vormittag wurde der Parteitag tatsächlich fortgesetzt, ein Antrag auf Abbruch fand keine Mehrheit. Der Antrag wurde von Vizelandeschef Christian Zaum gestellt, der dem „patriotischen“ Helferich/Weidel-Lager angehört. Er bezeichnete den Parteitag als „Parteitag der Schande“. Da mehrere Vertreter der Helferich-Gruppe – ohnehin in der Minderheit – den Saal verließen, werden die verbleibenden Listenplätze voraussichtlich vom Vincentz-Lager besetzt.

Zaum schließt seine E-Mail mit einer Lobeshymne: „Alice Weidel ist die bei Wählern und Mitgliedern geschätzte und beliebte Frontfrau unserer Partei, um nicht zu sagen das Gesicht der AfD“, schreibt er. „Sie hat es geschafft, die Mitgliedschaft zu einen und eine Aufbruchsstimmung zu entfachen, die sich auch in den hervorragenden Umfragewerten widerspiegelt, auch in NRW.“

Vor dem Hintergrund der Spaltung des NRW-Landesverbands droht das Bremen-Szenario: 2023 wurde die AfD in Bremen nicht zur Bürgerschaftswahl zugelassen, weil sie dem Wahlausschuss zwei konkurrierende Listen vorlegte. Der vom Bundesvorstand geforderte Weg führe „genau in das Debakel, das Sie angeblich verhindern wollen“, schrieb Vincentz an Weidel.

Die Landtagswahl ist voraussichtlich für den 25. April 2027 angesetzt. In der aktuellen Umfrage im Auftrag des WDR liegt die AfD in NRW bei 17 Prozent. Ob der interne Streit der Partei im Wahlkampf schadet, bleibt abzuwarten – die Verwandten-Affäre in Sachsen-Anhalt beispielsweise hatte keine spürbaren Auswirkungen auf die Umfragewerte.