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Elterngeld künftig kürzer, aber höher: Drei Vätermonate werden Pflicht

Künftig drei Vätermonate nötig: Elterngeld soll kürzer gezahlt werden, aber höher ausfallen

Das Familienministerium unter Leitung von Karin Prien plant eine Reform des Elterngeldes. Ziel der schwarz-roten Koalition ist es, die Partnerschaftlichkeit in der Elternzeit zu stärken und insbesondere die Beteiligung der Väter zu erhöhen. Gleichzeitig gibt es Befürchtungen von Fachleuten, dass dies mit Kürzungen im Haushalt einhergehen könnte.

Zukünftig müssen Eltern mit einem Baby mit Änderungen beim Elterngeld rechnen. Ministerin Prien hat ein neues Konzept vorgestellt, das darauf abzielt, Väter stärker in die Kinderbetreuung einzubinden. Zudem soll der Staat jährlich 500 Millionen Euro einsparen. Die Leistung wird demnach künftig nur noch für 12 statt bisher 14 Monate gezahlt, wenn beide Elternteile jeweils mindestens drei Monate Elternzeit nehmen. Gleichzeitig sollen die monatlichen Zahlungen erstmals seit fast zwei Jahrzehnten leicht angehoben werden.

Das Familienministerium bestätigte gegenüber dem Portal „Politico“ die Pläne, wies jedoch darauf hin, dass der Gesetzentwurf sich noch in der Abstimmung zwischen den Ministerien befindet. Nach der finalen Regierungsentscheidung wird das Parlament darüber entscheiden. Im Folgenden ein Überblick zu den wichtigsten Punkten:

Was versteht man unter Elterngeld?

Das Elterngeld wurde 2007 eingeführt, um Paare bei der Familiengründung zu unterstützen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Es wird auf Antrag gezahlt und beträgt mindestens 300 Euro pro Monat, maximal jedoch 1800 Euro. Seit dem 1. April 2025 gilt eine Einkommensgrenze von 175.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen: Paare oder Alleinerziehende mit höherem Einkommen erhalten keine Leistung mehr. Aktuell wird das Elterngeld für 14 Monate gezahlt, wenn sich beide Elternteile mindestens zwei Monate an der Betreuung beteiligen. Mit dem „Elterngeld Plus“ kann die Bezugszeit verlängert werden, wobei die monatlichen Beträge dann geringer ausfallen.

Wer erhält bisher Elterngeld?

Im Jahr 2025 bezogen laut Statistischem Bundesamt 1,61 Millionen Personen Elterngeld, davon 1,19 Millionen Frauen und 417.000 Männer. Aufgrund des Geburtenrückgangs ist die Zahl der Bezieher seit Jahren rückläufig und lag im letzten Jahr um 13,9 Prozent unter dem Niveau von 2021. Der Anteil der Väter unter den Elterngeldbeziehern betrug zuletzt 25,9 Prozent.

Die staatlichen Ausgaben für das Elterngeld sind laut Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken – bedingt durch die geringere Geburtenrate. Während die Ausgaben 2022 noch bei rund 7,6 Milliarden Euro lagen, sanken sie 2025 auf knapp 7,1 Milliarden Euro.

Bereits im Koalitionsvertrag 2025 hatten Union und SPD angekündigt, das Elterngeld weiterzuentwickeln, um mehr Anreize für partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung zu schaffen, vor allem mit Blick auf eine stärkere Vaterbeteiligung. Aktuell steigt der Druck zur Reform angesichts notwendiger Einsparungen.

Welche Änderungen sind konkret geplant?

Das neue Modell von Ministerin Prien sieht vor, dass die Bezugsdauer von 14 auf 12 Monate verkürzt wird und künftig drei Vätermonate verpflichtend sind – statt bisher zwei. „Jeweils drei Monate werden für jedes Elternteil reserviert“, heißt es im Gesetzentwurf, den „Politico“ zitiert. Die übrigen sechs Monate können flexibel zwischen den Elternteilen aufgeteilt werden. Alleinerziehende können weiterhin bis zu zwölf Monate Elterngeld in voller Höhe erhalten.

Der Mindestbetrag soll von 300 auf 330 Euro steigen, der Höchstbetrag von 1800 auf 1900 Euro. Grundsätzlich bleibt die Regelung bestehen, dass das Elterngeld 65 Prozent des Nettoeinkommens beträgt. Zudem beinhaltet der Entwurf eine Änderung im Mutterschutzgesetz: Arbeitszeitbeschränkungen sollen künftig auf zwölf Monate nach der Geburt begrenzt werden.

Welche Auswirkungen sind zu erwarten?

Der Deutsche Frauenrat äußert sich kritisch zu den geplanten Kürzungen im Etat des Familienministeriums. Dieser soll im nächsten Jahr um acht Prozent schrumpfen und bis 2029 sogar um bis zu 20 Prozent, warnt Vorsitzende Beate von Miquel. Die Einsparungen betreffen ausgerechnet das Elterngeld, die beliebteste familienpolitische Leistung. „Die Bundesregierung hatte jungen Familien im Koalitionsvertrag versprochen, ihre Familienplanung durch verbesserte Leistungen zu unterstützen“, so von Miquel. „Jetzt soll allein im kommenden Jahr hier eine halbe Milliarde eingespart werden. Mütter werden die Kürzungen zulasten ihrer Berufstätigkeit ausgleichen müssen.“

Auch das Zukunftsforum Familie warnt vor Kürzungen beim Elterngeld. Stattdessen sollte der Mindestbetrag auf 506 Euro angehoben und später an die Inflation angepasst werden, fordert der Verband.

Welche Wünsche haben Eltern?

Eine 2025 veröffentlichte Umfrage der Bertelsmann-Stiftung unter 2.500 Befragten zeigt, dass 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer ein „egalitäres Modell“ bevorzugen: Demnach sollten beide Elternteile jeweils sieben Monate Elternzeit nehmen – bezogen auf die bisherige Gesamtdauer von 14 Monaten Elterngeld. Diese Variante wurde im Familienministerium offenbar auch diskutiert, aber nicht weiterverfolgt. 39 Prozent befürworteten die bisherige Aufteilung von zwölf Monaten für die Mutter und zwei Monaten für den Vater.

Die Studienautoren kamen zu dem Ergebnis, dass mehr Vätermonate auch volkswirtschaftlich sinnvoll sind, da Frauen dadurch schneller wieder in den Beruf einsteigen könnten, was dem Fachkräftemangel entgegenwirken würde. Auf die Frage, was Eltern in der Kinderphase sonst noch unterstütze, nannten 44 Prozent „weniger bürokratischen Aufwand und einfachere Antragstellung“ als wichtigste Hilfe.