Videos zeigen Handyzerstörungen: Sünde oder sinnvoll? Taliban verbannen Smartphones für sich selbst
Für viele Taliban gilt das Internet als eine Form der Sünde, während pragmatische Vertreter auch dessen Vorteile erkennen. In der afghanischen Führung besteht jedoch keine einheitliche Meinung darüber, wie mit Handys umzugehen ist. Dennoch setzen sie aktuell eine strenge Maßnahme um.
Rund fünf Jahre nach der Machtübernahme in Afghanistan untersagen die Taliban ihren Regierungsbeamten die Nutzung von Smartphones. Laut einer Stellungnahme der UN-Hilfsmission Afghanistan (Unama) droht bei Zuwiderhandlung sogar die Entlassung.
Die Anordnung wurde bereits Mitte Juni veröffentlicht, doch die Umsetzung wird innerhalb der Behörden unterschiedlich interpretiert. Verschiedene internationale Medien berichteten zuvor über das Thema. Der Sender RFE/RL zeigte Videomaterial, in dem Taliban-Mitglieder Smartphones zerstören: Mit Werkzeugen werden Bildschirme eingeschlagen oder Geräte an Tischkanten zerbrochen.
Unama zufolge reagierten Regierungsbeamte unterschiedlich auf das Verbot: Ein Sprecher einer lokalen Polizeibehörde stellte das Posten auf Facebook ein, ein weiterer gab an, nur nach Dienstschluss über seinen Laptop soziale Medien zu nutzen. Gleichzeitig sind diverse offizielle Taliban-Accounts weiterhin aktiv in sozialen Netzwerken.
Ein zu vermeidendes Laster?
Das neue Smartphone-Verbot für Beamte folgt einer länger andauernden Debatte innerhalb der Taliban über den Umgang mit diesen Geräten. Beobachter erkennen eine Hardliner-Haltung in der obersten Führung aus Kandahar, die Smartphones und Internetzugang als moralisch verwerflich ansieht. Dem gegenüber stehen Pragmatiker in Kabul, die das Internet als wirtschaftliche Chance begreifen. Besonders handwerkliche Betriebe nutzen soziale Netzwerke derzeit intensiv zur Vermarktung.
Erst im Herbst letzten Jahres wurde das Internet landesweit für etwa zwei Tage abgeschaltet – auf Anweisung des höchsten Taliban-Führers Haibatullah Achundsada, um angeblich „Unmoral“ zu unterbinden. Smartphones sind in Afghanistan ein zentrales Kommunikationsmittel, offizielle Dokumente werden oft über WhatsApp geteilt.