Digitalminister Wildberger ließ KI-Texte verfassen – Hinweis auf Nutzung fehlte
Nach dem thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt sieht sich nun ein weiterer CDU-Spitzenpolitiker wegen der intensiven Nutzung Künstlicher Intelligenz in Erklärungsnot. Digitalminister Karsten Wildberger gab zu, dass Gastbeiträge von ihm ohne einen Hinweis auf KI-Einsatz publiziert wurden.
Der Bundesdigitalminister gerät zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit, da Texte, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) verfasst wurden, unter seinem Namen erschienen sind. Ein Sprecher seines Ministeriums bestätigte, dass Wildberger KI als unterstützendes Werkzeug verwendet. „Minister Wildberger setzt darauf, weil er davon überzeugt ist, dass Deutschland den produktiven und zugleich verantwortungsvollen Umgang mit KI rasch beherrschen muss – sei es in Wirtschaft, Verwaltung oder Politik.“
Die „Zeit“ berichtete, dass Wildberger offenbar mehrere Reden und Gastbeiträge für Zeitungen größtenteils von KI verfassen ließ. Die Texte wurden mit spezieller Analysesoftware überprüft. Laut „Zeit“ stammte ein im April 2026 unter Wildbergers Namen im „Handelsblatt“ veröffentlichter Artikel nahezu vollständig von einer KI, während ein Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) vom März überwiegend maschinell erstellt wurde.
Eine Rede vor dem Atlantic Council in Washington, D.C. im Juli 2024 wurde laut „Zeit“ komplett von einer KI generiert, ebenso mehrere Reden im Bundestag zu großen Teilen. Das Ministerium gab gegenüber den Redaktionen von „Handelsblatt“ und „FAS“ keine Auskunft über den Einsatz von KI. Der Sprecher bestätigte: „Eine explizite Offenlegung gegenüber den Redaktionen erfolgte nicht, da Minister Wildberger KI als ein unterstützendes Arbeitsmittel betrachtet, dessen Nutzung ähnlich wie bei Textverarbeitungsprogrammen, Recherche-Tools oder redaktioneller Hilfe zu bewerten ist.“
„Menschliche Kontrolle ist unerlässlich“
Der Sprecher erläuterte weiter, dass jede Rede mit einem Vorgespräch zwischen dem Redenreferat und dem Minister zur Struktur, Wirkung und den zentralen Botschaften beginnt. Anschließend entwickelt das Referat den Inhalt, die Argumentation und den Aufbau. „KI kann dabei als Sparringspartner dienen: um Gedanken zu strukturieren, alternative Formulierungen zu prüfen, Kürzungen vorzuschlagen oder die Gliederung zu verbessern“, so die Erklärung. Die abschließende Prüfung und Validierung müsse jedoch stets von Menschen durchgeführt werden, um Fehler und sogenannte Halluzinationen zu vermeiden. „Bevor etwas in eine Rede übernommen wird, ist eine menschliche Prüfung, Anpassung und Entscheidung zwingend erforderlich“, betonte der Sprecher.
Bereits zuvor stand der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt, ebenfalls CDU, in der Kritik, da mehrere seiner Reden und Gastbeiträge für Medien ganz oder teilweise mit Unterstützung von KI erstellt worden sein sollen – darunter eine Rede zum Holocaust-Gedenktag, eine Trauerrede sowie eine Neujahrsansprache.