Audimax » Politik » CDU Berlin nominiert Wegner trotz Gegenkandidat – Jubel-Party verfehlt

CDU Berlin nominiert Wegner trotz Gegenkandidat – Jubel-Party verfehlt

Gegenkandidat für Wegner: CDU Berlin will Jubel-Parteitag, es kommt anders

Bei zwei der drei Landtagswahlen im Herbst könnte die AfD stärkste Partei werden. Anders sieht es in Berlin aus, wo am 20. September gewählt wird. Auf ihrem Landesparteitag hat die CDU den Regierenden Bürgermeister Wegner unter einigen Turbulenzen erneut nominiert.

Am Ende stand fest: Die Berliner CDU hat Kai Wegner mit klarer Mehrheit erneut zum Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September bestimmt. Wegner erhielt auf dem Parteitag des Landesverbandes der Hauptstadt 92,64 Prozent der 272 abgegebenen Stimmen.

„Liebe Freunde, vielen Dank. 92,6 Prozent bei geheimer Abstimmung, das ist eine starke Unterstützung“, erklärte Wegner, der seit 2023 als Regierender Bürgermeister Berlins im Amt ist. Selbstbewusst fügte er hinzu: „Ich will Regierender Bürgermeister bleiben. Was sonst? Wer sonst?“, rief er unter dem Applaus der 275 Delegierten.

Somit war das formelle Ziel des Parteitags erreicht: Wegner erneut offiziell zu nominieren und den Wahlkampf zu eröffnen. Das inoffizielle Ziel, ihm Rückhalt zu verschaffen, wurde jedoch nur teilweise erfüllt – denn unerwartet gab es eine Gegenkandidatur.

Unerwartete Wahl trotz üblicher Akklamation

Die Überraschung im Saal war deutlich spürbar, als der CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Luczak großen Applaus erntete, als er Wickert heftig widersprach und sich klar für Wegner als Kandidat aussprach. „Von diesem Parteitag muss ein Zeichen der Einheit ausgehen“, forderte er. Dennoch musste kurzfristig eine Wahl abgehalten werden, obwohl üblicherweise der Spitzenkandidat per Akklamation bestimmt wird.

Diese Wendung stellte den Ablauf des Parteitags komplett auf den Kopf. Alles war für eine Art feierliche Krönung Wegners vorbereitet. In einer zu einem Eventraum umgebauten alten Zigarettenfabrik in einem Neuköllner Industriegebiet wollte er den Wahlkampf offiziell starten. Mit seiner etwa einstündigen Rede erhielt er lang anhaltenden Applaus, die Delegierten standen auf und klatschten rund sechs Minuten lang.

In seiner Rede hob Wegner die Erfolge seiner dreijährigen Amtszeit hervor. Besonders erwähnenswert waren die Verwaltungsreform, verbesserte Platzierungen Berlins in bundesweiten Bildungsrankings sowie ein verschärftes Polizeigesetz. Zudem betonte er die weltoffene Haltung Berlins und versprach, sich für Vielfalt und die Rechte queerer Menschen einzusetzen. Er kündigte einen pragmatischen Kurs der Mitte an und erklärte, Regierender Bürgermeister aller Berliner bleiben zu wollen.

Ein schwieriges Jahr für Wegner

So überraschend die Gegenkandidatur war, so wenig überraschend ist die Unzufriedenheit mit Wegner. Der Spitzenkandidat erlebt ein schwieriges Jahr, das mit der Tennis-Affäre während des großen Stromausfalls im Südwesten der Hauptstadt begann. Zunächst behauptete er, die ganze Zeit telefonisch mit Krisenmanagement beschäftigt gewesen zu sein, später musste er zugeben, stattdessen Tennis gespielt zu haben.

Ein weiterer Skandal um Fördergelder für Antisemitismusprojekte erschütterte seine Regierung. Die zuständige Senatorin Sarah Wedl-Wilson trat nach wochenlangen Kontroversen zurück. Peinlich wurde es für Wegner auch im März, als er einen neuen Chef-Digitalisierer vorstellte. Recherchen des RBB zeigten, dass gegen Matthias Hundt in Sachsen wegen Insolvenzstraftaten ermittelt wird. Wegner wirkte überrascht und überrumpelt.

Diese Schwierigkeiten spiegeln sich auch in Umfragen wider. Einer von Infratest Dimap für den RBB erstellten Erhebung zufolge fiel die CDU auf 19 Prozent. Grüne, Linke und AfD liegen jeweils bei 18 Prozent. Vor drei Jahren hatte die CDU noch 28,2 Prozent erzielt. Wegner war damals ins Amt gekommen, nachdem die Wahl zwei Jahre zuvor annulliert worden war. Daher endet seine erste Amtszeit bereits in diesem Jahr.

Interner Konflikt mit Merz

Der Spandauer gilt als parteiinterner Kritiker von Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Bereits vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hatte er eine Lockerung der Schuldenbremse gefordert. Als Merz im Januar 2025 eine Koalition mit der AfD in Kauf nahm, distanzierte sich Wegner öffentlich.

Trotzdem ist Wegner auf Merz’ Unterstützung angewiesen, denn unter den drei Landtagswahlen im Herbst hat die Berliner CDU die besten Chancen, stärkste Kraft zu werden. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD in Umfragen deutlich vorne. In Berlin profitiert Wegner weiterhin von der Schwäche seiner politischen Gegner und hat gute Chancen, im Amt zu bleiben.