Audimax » Politik » Ballistische Raketen nicht zu stoppen: Nach tödlicher Nacht fordert Selenskyj Partner zum Handeln auf

Ballistische Raketen nicht zu stoppen: Nach tödlicher Nacht fordert Selenskyj Partner zum Handeln auf

Ballistische Raketen nicht aufzuhalten: Nach tödlicher Nacht: Selenskyj erinnert Partner an ihre Zusagen

Die Einschläge der Raketen erfolgten, noch bevor der Luftalarm aktiviert wurde: Bei den russischen Luftangriffen auf Städte in der Ukraine sind innerhalb weniger Stunden acht Menschen ums Leben gekommen. Präsident Selenskyj fordert eine schnelle Erteilung der Lizenz zur Herstellung von Patriot-Abwehrsystemen in der Ukraine.

Am Samstag verursachten russische Angriffe mit Raketen, Drohnen und gelenkten Bomben acht Todesopfer sowie zahlreiche Verletzte in der Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete auf X, dass Russland in der Nacht mit über 120 Drohnen und zwölf Raketen das Land attackierte. Er richtete einen dringenden Appell an die USA, die zugesagte Lizenz zur Produktion der Patriot-Luftabwehrsysteme unverzüglich zu erteilen.

„Die zivile Infrastruktur wurde getroffen, noch bevor der Luftalarm ausgelöst wurde“, so Selenskyj. Er veröffentlichte Videos von Rettungskräften, die in den Trümmern nach Verschütteten suchten. In der Hauptstadt Kiew wurden Wohnhäuser, Büros und eine theologische Bildungseinrichtung beschädigt, erklärte der Präsident. Auch in anderen Regionen liefen Bergungsarbeiten. Anfangs war nur von Verletzten die Rede gewesen, doch später meldete der Bürgermeister von Sumy, Artem Kobsar, dass dort eine russische gelenkte Bombe fünf Menschen tötete, darunter ein junges Mädchen.

Bei einem Raketenangriff auf den südukrainischen Hafen Odessa kamen laut Regionalgouverneur Oleg Kiper zwei weitere Menschen ums Leben. In der Oststadt Slowjansk wurde ebenfalls mindestens eine Person durch einen russischen Angriff getötet, wie Behörden mitteilten.

In Kiew meldete die Stadtverwaltung zwölf Verletzte durch die russischen Angriffe, darunter zwei Kinder. In den frühen Morgenstunden waren zwei Explosionsserien zu hören, der Luftalarm begann jedoch erst wenige Minuten nach der ersten Detonation.

Selenskyj fordert schnelle Erteilung der Patriot-Lizenz

Selenskyj erklärte, dass die ukrainischen Streitkräfte die meisten Geschosse bei den landesweiten Angriffen abfangen konnten, „nur nicht die ballistischen Raketen“. Er erneuerte seinen Aufruf an die Verbündeten, mehr militärische Ausrüstung zur Verteidigung gegen die russische Invasion bereitzustellen. „Wir benötigen eine intensivere Zusammenarbeit mit unseren Partnern, damit zugesagte Waffenlieferungen auch tatsächlich erfolgen.“ Dabei forderte er die USA ausdrücklich auf, die Zusage zur Lizenzvergabe für die Produktion von Patriot-Luftabwehrsystemen einzuhalten. In seiner abendlichen Videoansprache betonte Selenskyj: „Zwischen Ankündigung und Umsetzung eines Hilfspakets für die Ukraine dürfen keine Wochen vergehen. Unsere Soldaten brauchen mehr Mittel und Ressourcen, um Leben zu schützen und Menschen vor dem russischen Terror zu bewahren.“

Das Patriot-System ist essenziell für den Schutz ukrainischer Städte und Infrastruktur, insbesondere gegen ballistische Raketen. Nato-Mitgliedstaaten haben der Ukraine bereits mehrere Patriot-Systeme zur Verfügung gestellt und bislang auch die passenden Raketen geliefert. Zuletzt gingen jedoch die ukrainischen Vorräte zur Neige, was die Luftabwehr vor große Herausforderungen stellte.

US-Präsident Donald Trump hatte bei einem Treffen mit Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels in Ankara bekanntgegeben, dass die USA der Ukraine die Herstellung von Patriot-Systemen erlauben würden. Selenskyj erklärte am Donnerstag, dass noch technische Details zu klären seien.

Die Angriffe am Samstag waren bereits das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass russische Raketen in der Ukraine einschlugen, bevor der Luftalarm ausgelöst wurde. Serhij Sternenko, Berater im ukrainischen Verteidigungsministerium, vermutet, dass russische S-400-Flugabwehrraketen für Bodenangriffe eingesetzt wurden. Solche Angriffe seien schwerer per Radar zu erkennen, erklärte er auf Telegram.

„Militärisch ergibt das keinen Sinn“, ergänzte Sternenko. „Es handelt sich schlicht um Terror aus reinem Terrorismus.“ Russland, das gezielte Angriffe auf Zivilisten bestreitet, gab an, die Angriffe hätten „militärisch-industrielle Anlagen in Kiew sowie Hafenanlagen in Odessa“ zum Ziel gehabt.

US-Senatoren drängen auf verschärfte Russland-Sanktionen

In den USA verständigten sich unterdessen vier Senatoren mit der Trump-Regierung auf verschärfte Sanktionen gegen Russland. Die Gesetzesinitiative soll zeitnah umgesetzt werden, erklärten die republikanischen Senatoren Lindsey Graham und Roger Wicker sowie die Demokraten Richard Blumenthal und Jeanne Shaheen. Ziel sei es, „hohe Kosten für jene zu verursachen, die russisches Öl und Gas kaufen und damit Putins Kriegsmotor antreiben“.

Im US-Senat wurde kürzlich ein Gesetzentwurf diskutiert, der hohe Strafzölle gegen Länder ermöglichen soll, die weiterhin russisches Öl und Gas importieren. Beim G7-Gipfel in Frankreich hatte Trump Mitte Juni zudem signalisiert, US-Sanktionen gegen russische Ölexporte wieder einzusetzen. Diese waren während des Iran-Konflikts gelockert worden, um den massiven Preisanstieg abzufedern.