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Carney reist nach Yellowknife und Norwegen mit Schwerpunkt auf Verteidigung

Carney reist nach Yellowknife und Norwegen mit Verteidigungsfokus

Premierminister Mark Carney reist erneut ins Ausland, diesmal nach Norwegen, um die NATO-Übungen „Cold Response“ zu beobachten, während Kanada seine Beziehungen zu den nordischen Ländern vertieft.

Zuvor macht er am Donnerstag einen Zwischenstopp in Yellowknife.

„In dieser Zeit globaler Unsicherheit ist es besonders wichtig, die Zusammenarbeit zwischen Kanada, Norwegen und den nordischen Ländern zu stärken,” erklärte die norwegische Botschafterin in Kanada, Hanne Ulrichsen, in einem Interview am Mittwoch.

Sie erläuterte, dass Norwegen Carney eingeladen hat und Regierungschefs aus Island, Dänemark, Schweden und Finnland nach Oslo eingeladen hat, damit Carney die Bemühungen zur Vertiefung von Handel und Energiekooperation mit den sogenannten Nordic Five vorantreiben kann.

Zuvor wird Carney am Freitag nach Bardufoss in Norwegen reisen, um die Militärübungen zu verfolgen. Höhere Regierungsvertreter teilten mit, dass der Premierminister zusammen mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz anwesend sein wird.

Die von Norwegen geleitete NATO-Übung findet alle zwei Jahre statt und umfasst 25.000 Soldaten aus 14 Mitgliedsstaaten. Die kanadischen Streitkräfte machten keine Angaben zur Anzahl der beteiligten kanadischen Soldaten.

Regierungsvertreter, die im Vorfeld der Reise Hintergrundinformationen gaben, betonten, dass der Schwerpunkt dieser Übungen auf der Verbesserung der NATO-Arktisbereitschaft, der Interoperabilität und der kollektiven Verteidigungsfähigkeiten liegt.

Finnland und Schweden traten 2023 bzw. 2024 der NATO bei. Kanada drängt die Allianz kontinuierlich, sich stärker auf Sicherheitsfragen in der Arktis zu konzentrieren, wo der Klimawandel voraussichtlich zu mehr Schiffsverkehr und Ressourcenkonkurrenz führen wird.

Carney hat für Samstag ein bilaterales Treffen mit Støre geplant. Dabei werden voraussichtlich Themen wie ausländische Investitionen, saubere Energie, kritische Mineralien, Luft- und Raumfahrt sowie künstliche Intelligenz besprochen. Zudem soll die globale Energiesicherheit angesichts des Iran-Krieges und der daraus resultierenden Lieferkettenstörungen Thema sein.

Im Anschluss besuchen die beiden Regierungschefs eine Langlauf-Trainingsanlage in der Nähe von Oslo.

Am Sonntag trifft Carney die Regierungschefs der Nordic Five. Ein kanadischer Regierungsvertreter erklärte, dass das Treffen auf Handel, Innovationen und die Stärkung der Arktiskooperation abzielt. Norwegen gilt als einer der wohlhabendsten und fortschrittlichsten Investoren weltweit, unter anderem dank seines staatlichen Erdölfonds.

Norwegen sieht in Kanada ein Schwesterland, das versucht, Ölvorräte mit grüner Technologie zu verbinden und Diplomatie sowie Multilateralismus zur Konfliktlösung fördert. Die indigene Bevölkerung, die Samen, spielt eine wichtige Rolle bei der Erforschung des Klimawandels und der Entwicklung von Ressourcenpolitiken.

Ulrichsen betonte, dass Norwegen auch die geopolitische Ordnung, die stark unter Druck steht, stabilisieren möchte.

„Beide Länder setzen sich für internationales Recht, Menschenrechte und bilaterale Zusammenarbeit ein,” sagte Ulrichsen. „Wir arbeiten zusammen in den Vereinten Nationen, der WTO, der NATO und teilen viele Interessen – sei es in der Arktis, der transatlantischen Zusammenarbeit, bei natürlichen Ressourcen, nachhaltiger Entwicklung oder in der Ukraine.”

Carney wird der erste kanadische Premierminister seit 1980 sein, der Norwegen offiziell besucht. Norwegen hat sich über Jahrzehnte als diplomatische Kraft etabliert, etwa durch die Oslo-Abkommen zwischen Israel und Palästina sowie den Friedensprozess zur Beendigung des zweiten sudanesischen Bürgerkriegs.

Ulrichsen nannte die Verteidigung der Ukraine als zentrales Thema für ihr Land, das eine Landgrenze zu Russland hat. Sie hob hervor, dass Ottawas starke Unterstützung für die Ukraine angesichts des russischen Angriffskriegs in Oslo sehr geschätzt wird. Auch Norwegen hat seine Verteidigungsausgaben erhöht.

Norwegen strebt zudem an, die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Bedrohungen wie militärischen Angriffen, Naturkatastrophen oder Klimawandel zu stärken. Dabei sieht Ulrichsen Potenzial für eine Zusammenarbeit mit Kanada.

„Die unmittelbare Bedrohung wird in Europa stärker wahrgenommen als in Kanada,” sagte sie. „In Norwegen gibt es viele Diskussionen über die Gesamtverteidigung und wie man sowohl die Arktis als auch die Zivilgesellschaft auf alle Eventualitäten vorbereitet.”

Ulrichsen erwähnte, dass Norwegen ein bedeutender Investor in Technologien zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung ist, die auch in Kanada zunehmend an Bedeutung gewinnen. Sie erwartet, dass Gespräche auch diese Technologien sowie Kooperationen in den Bereichen Raumfahrt und Arktissicherheit umfassen werden.

Der Premierminister wird Norwegen am Sonntag verlassen und nach London weiterreisen.

In Großbritannien ist ein Treffen mit dem britischen Premierminister Keir Starmer im Londoner Regierungsviertel geplant. Dabei sollen unter anderem die Lage im Nahen Osten und der Krieg in der Ukraine besprochen werden.

London bildet den letzten offiziellen Programmpunkt der Reise.