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Putins Peking-Besuch: So angeschlagen ist Russland wirklich

Putin zu Besuch in Peking: So schwach ist Russland wirklich

Russland nimmt flächenmäßig die Spitzenposition als größtes Land der Erde ein. Militärisch präsentiert sich Moskau selbstbewusst als Großmacht. Doch ein genauer Blick auf wesentliche Kennzahlen offenbart: Abgesehen von Atomwaffen und Rohstoffvorkommen kann die Russische Föderation kaum mithalten.

Die Szenen aus Peking sprechen eine klare Sprache: Nur wenige Tage nach dem Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump empfängt China auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit einer fast identischen Zeremonie. Nach außen hin treffen hier zwei Weltmächte aufeinander, doch hinter den Kulissen sind China und Russland keineswegs gleichberechtigte Partner.

Putin ist auf die Unterstützung Chinas angewiesen: Im vierten Jahr des Krieges ist die wirtschaftliche Situation angespannt, die Zukunftsaussichten trübe. Die Sanktionen, die infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine verhängt wurden, zeigen deutliche Wirkung. Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien, Öltanks und Pumpstationen treffen die Infrastruktur hart. Der Krieg hat Russland isoliert und in eine Abhängigkeit gedrängt. Die Volksrepublik bleibt jedoch bedeutender Abnehmer von russischem Öl und Gas und ist zum wichtigsten Handelspartner für russische Rohstoffe avanciert.

Auf der Landkarte erscheint Russland riesig. Mit mehr als 80 teils autonomen Regionen und Republiken erstreckt sich die Russische Föderation von der Ostsee bis zum Pazifik über eine Distanz von mehr als 7000 Kilometern. Tatsächlich ist kein anderes Land flächenmäßig größer. Von Moskau aus herrscht Präsident Putin über etwa 17,1 Millionen Quadratkilometer.

Unter der Oberfläche Sibiriens verbergen sich enorme Schätze: Neben umfangreichen Erdöl- und Erdgasreserven fördern russische Unternehmen auch Kohle, Eisenerz, Kupfer und seltene Metalle. Ein großer Teil der russischen Wirtschaft ist auf den Export dieser Bodenschätze ausgerichtet. Der Krieg und die Sanktionen haben China zum wichtigsten Verbündeten gemacht.

Vor der internationalen Öffentlichkeit behandelt China Russland als gleichwertigen Partner. Staatspräsident Xi Jinping empfing Putin lächelnd vor der Großen Halle des Volkes in Peking. Die beiden Staatschefs schreiten gemeinsam über den roten Teppich. Xi betonte die „unerschütterlichen Beziehungen“, Putin hob die „freundschaftliche Zusammenarbeit“ hervor.

Russlands Abhängigkeit von China

Ein Blick auf die Bevölkerungszahlen zeigt jedoch die ungleichen Machtverhältnisse. China profitiert als aufstrebende Wirtschaftsmacht von rund 1,4 Milliarden Einwohnern mit Aufstiegspotenzial. In Russland hingegen sinken Geburtenrate, Lebenserwartung und der Anteil der Erwerbsfähigen. Mit etwa 143,5 Millionen Menschen leben in Russland nur so viele wie in Deutschland und Italien zusammen.

Die Bevölkerungszahl allein verrät wenig über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Vor dem Krieg verfügte Russland über eine relativ breite industrielle Basis, ein gut entwickeltes Bildungssystem, eine funktionierende Infrastruktur und Potential für weiteres Wachstum. In einzelnen Kennzahlen, wie dem Pro-Kopf-Einkommen, liegt Russland rechnerisch noch leicht vor China. Doch die Volksrepublik holt rasch auf.

Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist China Russland längst weit voraus. Laut Weltbank-Daten wird das chinesische BIP zuletzt auf rund 18,7 Billionen US-Dollar geschätzt. Deutschland liegt bei 4,7 Billionen, Russland kommt 2024 lediglich auf unter 2,2 Billionen.

Der Reichtum an Rohstoffen und die wiederholten Verweise auf militärische Stärke können nicht darüber hinwegtäuschen: Russland ist wirtschaftlich nur auf dem Papier eine Macht. Der Übergang zur Kriegswirtschaft hat die Wachstumsraten künstlich erhöht. Die Inflation ist hoch, das Vertrauen niedrig. Abgesehen von China und Nordkorea meiden ausländische Investoren das Land.

Europas zunehmende Stärke

Schätzungen zufolge fließen bis zu 40 Prozent des Staatshaushalts in Sicherheit und Verteidigung. Nacht für Nacht beschießt das russische Militär die Ukraine mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern. Die Kosten sind immens, der Erfolg fraglich: Bis zu 90 Prozent der Geschosse werden von der ukrainischen Luftabwehr abgefangen. Gleichzeitig verliert Putins Invasionsarmee entlang der Front täglich bis zu 1000 Soldaten – ein Blutzoll, den sich auch eine abgestumpfte Gesellschaft nicht dauerhaft leisten kann. Russland leidet bereits unter Arbeitskräftemangel.

Diese ausgewählten Kennzahlen geben nur einen Ausschnitt der Entwicklung wieder. Insgesamt wird jedoch erkennbar, wie sehr die Zeit gegen Putin arbeitet. Der 73-Jährige regiert im Kreml mit kurzer Unterbrechung seit über 26 Jahren. In dieser Zeit hat sich Russland von einem international anerkannten Mitglied der BRIC-Staaten zu einem weitgehend isolierten Aggressor entwickelt.

Während Russland ins Wanken gerät, verschieben sich die globalen Machtverhältnisse. In Europa etwa haben die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union eine Phase starken Wirtschaftswachstums erlebt. Deutschland ist heute Teil eines der wirtschaftlich stärksten Regionen weltweit. Gleichzeitig hat sich China – mit weniger Land, weniger Rohstoffen und ungünstigeren Ausgangsbedingungen – zur wirtschaftlichen Supermacht entwickelt.