Nur Überschrift vorgelesen? AfD-Politiker blamiert sich mit IPCC-Zitat
Ausgerechnet die AfD greift in der Hamburger Bürgerschaft auf ein Zitat des Weltklimarats zurück. Dabei zweifelt der Fraktionsvorsitzende der Rechtsaußenpartei den vom Menschen verursachten Klimawandel an und wird von allen Fraktionen der Bürgerschaft heftig kritisiert.
Mit ihrer Ablehnung der gravierenden Folgen des menschengemachten Klimawandels erntete die AfD im Hamburger Landesparlament Spott von den anderen Fraktionen. „Die von Klimahysterie geprägte Klimaapokalypse, die über Jahre hinweg an die Wand gemalt wurde, findet nicht statt“, erklärte AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann in der Aktuellen Stunde und forderte eine komplette Kehrtwende in der Klimapolitik.
Er bezog sich dabei auf eine Neubewertung der erwarteten Folgen des Klimawandels durch den Weltklimarat (IPCC). Die Wissenschaftler hatten ihre Prognosen für das schlimmste Szenario der Erderwärmung abgeschwächt und ihre Berechnungen angepasst. Dennoch wird weiterhin von einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um etwa 3,5 Grad seit vorindustrieller Zeit ausgegangen.
SPD-Klimaexperte Alexander Mohrenberg bot Nockemann an, gemeinsam den IPCC-Bericht erneut zu prüfen. „Sie haben offenbar nur die Überschrift gelesen und dann nicht weitergeschaut“, sagte er. Zwar wurde das Worst-Case-Szenario im Bericht abgeschwächt, doch werden nach wie vor erhebliche Klimafolgen erwartet.
Linke: „Keine Entwarnung“
Die AfD lehne den Klimaschutz grundsätzlich ab – „ohne wissenschaftliche Grundlage und Erkenntnisse“, kritisierte der umweltpolitische Sprecher der CDU, Sandro Kappe. Damit unterscheide sich die AfD deutlich von den anderen Parteien, die sich in der Anerkennung des Klimawandels einig seien, wenn auch mit unterschiedlichen politischen Konsequenzen. „Wir erleben eine Klimakrise und müssen handeln“, betonte er.
Die Anpassung des Worst-Case-Szenarios sei nur möglich gewesen, weil die Treibhausgasemissionen geringer ausgefallen seien als 2010 prognostiziert, erläuterte die Klimaexpertin der Grünen, Rosa Domm. Dies sei ein Erfolg der Klimapolitik. „Das hätte es nicht gegeben, wenn die AfD die Richtung vorgegeben hätte“, warf sie der Partei vor, tief in einem klimaleugnenden Umfeld verwurzelt zu sein.
Stephan Jersch von der Linksfraktion bezeichnete die AfD als „Geisterfahrer auf der Klimaautobahn Deutschlands“. Die Neubewertung der Klimafolgen sei nur durch den Aufschwung erneuerbarer Energien möglich geworden. Dies sei „ein Verdienst der weltweiten Klimabewegungen“, aber dennoch „kein Grund zur Entwarnung“.