Iran treibt weltweiten Anstieg der Hinrichtungen auf Rekordniveau
Im Jahr 2025 ist die Anzahl der dokumentierten Hinrichtungen um nahezu 80 Prozent gestiegen. Amnesty International macht vor allem die Einschüchterungstaktiken des Mullah-Regimes im Iran dafür verantwortlich. Das tatsächliche Ausmaß bleibt schwer erfassbar, da China seine Daten zu Hinrichtungen nicht veröffentlicht.
Vor allem die Exekutionen im Iran führten zu einem deutlichen Anstieg der weltweit erfassten Hinrichtungen im vergangenen Jahr. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty zählte mindestens 2707 Hinrichtungen in 17 Staaten – so viele wie seit 44 Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Jahr 2024, in dem mindestens 1518 Hinrichtungen registriert wurden, entspricht dies einem Anstieg von fast 80 Prozent innerhalb eines Jahres. Aufgrund der Geheimhaltungspraxis Chinas schätzt Amnesty die Dunkelziffer deutlich höher ein.
Der markante Anstieg ist laut Amnesty vor allem auf den Iran zurückzuführen, wo mindestens 2159 Menschen hingerichtet wurden. Die iranischen Behörden setzen die Todesstrafe weiterhin gezielt als Mittel ein, um Angst in der Bevölkerung zu verbreiten und Regimekritiker zu bestrafen. Auch in diesem Jahr führten die Massenproteste im Januar sowie der andauernde Konflikt mit den USA und Israel zu weiteren Exekutionen im Iran. Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland, betont: „Die Todesstrafe stellt die extremste Form staatlicher Gewalt dar: Sie ist unwiderruflich, unmenschlich und lässt keinen Raum für Gerechtigkeit oder Fehler. Dass Regierungen sie weiterhin anwenden, offenbart eine erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben.“
Nach Angaben von Amnesty wird die Todesstrafe im Iran, ebenso wie in Ägypten und Singapur, hauptsächlich durch Erhängen vollstreckt. Duchrow fügt hinzu: „Im Iran beobachten wir derzeit auf bedrückende Weise, wie die Todesstrafe systematisch eingesetzt wird, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten.“ Im Jahr 2024 wurden im Iran mindestens 972 Hinrichtungen dokumentiert.
Amnesty schätzt Tausende Hinrichtungen in China
China führt weltweit die höchste Zahl an Hinrichtungen durch, wobei das genaue Ausmaß unbekannt bleibt, da Exekutionszahlen als Staatsgeheimnis behandelt werden. Amnesty schätzt die Zahl auf mehrere Tausend. Auch dort dient die Todesstrafe dazu, deutlich zu machen, dass der Staat Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit und Stabilität nicht toleriert.
In den USA wurden laut Amnesty 47 Hinrichtungen registriert – so viele wie seit 2009 nicht mehr. US-Präsident Donald Trump gilt als Befürworter der Todesstrafe, die in über zwei Dutzend Bundesstaaten zulässig ist, wenngleich in einigen davon de facto nicht mehr vollstreckt wird. Justizminister Todd Blanche befürwortete zuletzt die Wiedereinführung der Erschießung als Vollstreckungsmethode auf Bundesebene.
Amnesty kritisiert, dass Verantwortliche auf Bundes- und Landesebene „aufwieglerische und irreführende Narrative über die Todesstrafe und deren angebliche Wirkung auf die Kriminalitätsbekämpfung verbreiten“. Von den 47 Hinrichtungen entfielen 19 allein auf den Bundesstaat Florida. Die Zahl der Todesurteile in den USA sank von 26 im Jahr 2024 auf 23 im vergangenen Jahr.
Drogendelikte oft mit Todesstrafe geahndet
Fast die Hälfte der dokumentierten Hinrichtungen, nämlich 1257 von 2707 Fällen, erfolgte wegen Drogendelikten in Ländern wie China, Kuwait, Saudi-Arabien, Singapur und dem Iran. Amnesty verurteilt scharf, dass in weiteren Staaten Gesetzesinitiativen vorangetrieben werden, die Drogendelikte mit der Todesstrafe belegen könnten. Die Todesstrafe sollte ausschließlich für „schwerste Verbrechen“ angewandt werden. Duchrow erklärt: „Die Todesstrafe verletzt die Menschenwürde grundsätzlich. Doch Menschen für Drogendelikte hinzurichten, verstößt zusätzlich klar gegen das Völkerrecht. Diese Praxis ist nicht nur illegal, sondern zutiefst menschenverachtend.“
Der Bericht erwähnt zudem ein neues israelisches Gesetz aus diesem Jahr, das bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung Israels die Todesstrafe oder lebenslange Haft vorsieht. Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten ist die Todesstrafe in solchen Fällen sogar verpflichtend. Das Gesetz wird derzeit vom obersten Gericht Israels geprüft. Kritiker bewerten es als rassistisch, da es de facto nur Palästinenser betrifft.
Trotz des deutlichen Anstiegs weist Amnesty auch auf Fortschritte hin, insbesondere durch die zunehmende Isolation der Länder, die weiterhin die Todesstrafe anwenden. In Belarus wurde 2025 erstmals seit Amtsantritt von Präsident Alexander Lukaschenko 1994 weder ein neues Todesurteil verhängt noch vollstreckt. Die Zahl der Länder, die die Todesstrafe praktizieren, bleibt mit maximal 20 Staaten seit 2018 auf niedrigem Niveau. Duchrow fasst zusammen: „Weltweit wächst die Erkenntnis, dass die Todesstrafe grausam, diskriminierend und ineffektiv ist – und deshalb in unserer Zeit keinen Platz mehr haben darf.“