Audimax » Politik » Philipp Amthor: Der unverzichtbare Power-Netzwerker der CDU

Philipp Amthor: Der unverzichtbare Power-Netzwerker der CDU

Der Power-Netzwerker Philipp Amthor hat sich unverzichtbar gemacht

Friedrich Merz kann sich auf ihn verlassen: Philipp Amthor zählt zu den prominentesten Politikern Deutschlands und erhielt durch den Bundeskanzler eine neue Aufgabe. Bereits während seines Studiums zeigte sich eine seiner wichtigsten Fähigkeiten.

Mit seinem BMW war Philipp Amthor damals auf den Landstraßen Vorpommerns unterwegs. In der Tasche trug er ein Handy mit einem bedeutenden Kontakt: „Angela Merkel, MdB“. Zudem notierte er sich das Geburtsdatum der damaligen Kanzlerin. Im Kopf hatte er die Namen ihrer Leibwächter parat – wer weiß, ob das nicht einmal nützlich sein könnte.

Es war 2017, Amthor war 24 Jahre alt. Damals war er in der Republik noch nahezu unbekannt. Er steckte mitten in seinem ersten Bundestagswahlkampf und hetzte von einem Termin zum nächsten. Er wusste bereits, dass ohne intensive Kontaktpflege im Wahlkreis nichts zu erreichen war. Deshalb besuchte er Landwirte, Unternehmervereinigungen und Kreisverbände – stets unterwegs von einem Mettbrötchen zum nächsten.

In seiner Studentenwohnung sammelte er zahlreiche Gedächtnisstützen: zahlreiche Ordner mit sorgfältig abgelegten Listen von Teilnehmern und Rednern vergangener Veranstaltungen. Trotz seines jungen Alters und seiner Unerfahrenheit im Berliner Politikbetrieb beherrschte er eine Fähigkeit, die vielen Politikern ihr ganzes Leben lang schwerfällt: Kontakte gezielt zu knüpfen und, noch wichtiger, diese zu pflegen.

Sein weitreichendes Netzwerk zahlt sich nun aus – und er wird es in seiner neuen Position weiter ausbauen können. Denn fast zehn Jahre nach seinem ersten Wahlkampf zieht er ins Kanzleramt ein. Amthor ist Teil der Kabinettsumbildung von Friedrich Merz, die der Kanzler am heutigen Freitag bekannt gab. Nachdem Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender zurücktrat, weil er durch eine Leihmutter Vater wurde, mussten einige Posten neu besetzt werden. Die Position von Philipp Amthor, Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit, war jedoch eigentlich nicht vakant.

„Ein herausragender Jurist“

Amthor stand bei der Bekanntgabe neben der künftigen Kanzleramtschefin Nina Warken, als Merz ihn lobte: „Er ist ein guter Politiker und Parlamentarier, aber auch ein herausragender Jurist.“ Das sei für den neuen Posten entscheidend, so Merz. Zudem sei Amthor gut mit den Leitern der Staatskanzleien aller 16 Bundesländer vernetzt. Schon in seiner bisherigen Rolle als Staatssekretär im Digitalministerium arbeitete er eng mit den Ländern zusammen. Seine Hauptaufgabe wird es sein, die Kooperation zwischen Bundesregierung und Bundesländern zu koordinieren.

Der Bedarf dafür ist groß. Denn die Kritik am bisherigen Bund-Länder-Koordinator Michael Meister wurde zuletzt immer lauter. Zwar sei er ein „freundlicher älterer Herr“, jedoch fehlte es ihm an Durchsetzungsvermögen. Wichtige Vorhaben der Bundesregierung wurden seiner Meinung nach zu spät mit den Ländern abgestimmt und insgesamt zu wenig kommuniziert. Dass die steuerfreie Entlastungsprämie, die die Koalition plante, im Bundesrat scheiterte, wird zum Teil auch Meister zugeschrieben.

Nun soll Philipp Amthor, der Power-Netzwerker, das Ruder übernehmen. Beim CDU-Parteitag wirkt er wie bei einem Familientreffen: Hier ein Schulterklopfen, dort ein Händedruck. Seine Akribie beim Netzwerken hat er nie abgelegt. Besonders bei den konservativen Senioren in seinem Wahlkreis ist er beliebt, weil er höflich und zuvorkommend auftritt – ein Gentleman alter Schule. Immer tadellos gekleidet, auch bei Terminen im Kanzleramt: Anzug, Krawatte, Deutschland-Fahne am Revers, Einstecktuch. Damit hat er sich einen Ruf erarbeitet, der ihn zu einem der bekanntesten Politiker des Landes gemacht hat – auch bei Jüngeren.

Anfang Juli im Paul-Löbe-Haus, wo die Ausschüsse des Bundestags tagen: Eine Gruppe Schülerinnen und Schüler beobachtet einen Mitschüler, der gerade einige Stufen hinaufsteigt, dorthin, wo Philipp Amthor sich mit Parteifreundin Franziska Hoppermann unterhält. Der Schüler macht ein Foto mit Amthor. Ein Lehrer kommentiert: „Es sind immer die gleichen …“ Man darf davon ausgehen, dass dieser Schüler, offenbar der Klassenclown, kaum Politiker im Paul-Löbe-Haus erkannt hätte. Wahrscheinlich wäre er an Amthors Chef, Digitalminister Karsten Wildberger, einfach vorbeigegangen. Aber Amthor kennt hier jeder.

Amthor lacht bei der „heute-show“ mit

Wenn über Amthor gesprochen wird, schwingt oft auch Spott mit. Die „heute-show“ machte ihn zum jüngsten ältesten Mann der Republik. Doch Amthor nimmt die Häme gelassen, lacht mit und stellt sich immer wieder vor die Kameras der Satiresendung. Es ist diese Mischung aus Bekanntheit, Akribie, Witz und Intelligenz, die ihn für die CDU unverzichtbar macht. So verzieh ihm die Partei auch seinen bisher größten Skandal: Als Abgeordneter setzte er sich für die Firma Augustus Intelligence ein, an der er selbst beteiligt war, und unternahm mit deren Vertretern luxuriöse Reisen.

Als dies bekannt wurde, verzichtete Amthor auf die Kandidatur als CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern und zog sich zunächst etwas aus der bundesweiten Öffentlichkeit zurück. Doch schon zur Bundestagswahl 2021, etwa ein Jahr nach Bekanntwerden des Lobby-Skandals, wurde Amthor CDU-Spitzenkandidat für Mecklenburg-Vorpommern. Nach dem Wahlsieg der CDU 2025 hatte er sich endgültig rehabilitiert. Er war Teil der Koalitionsverhandlungen und wurde Staatssekretär im Digitalministerium.

Seitdem machte Amthor vor allem durch sein Privatleben Schlagzeilen – was wohl daran liegt, dass die politischen Aufgaben im Digitalministerium eher nüchtern waren und wenig mediale Aufmerksamkeit erzeugten. Seit rund zwei Jahren ist er mit der Historikerin Carlotta Voß liiert. In Berlin heißt es, die politischen Gespräche mit ihr hätten bei ihm den ein oder anderen Sinneswandel bewirkt. Während er früher gerne Altherrenwitze in Männerrunden erzählte, bezeichnet er sich heute selbstbewusst als Feminist.

Nicht nur ideologisch ist Amthor in den vergangenen Jahren der Hauptstadt nähergerückt. Als Staatssekretär verbrachte er deutlich mehr Zeit in Berlin als noch als Abgeordneter. Im Wahlkreis war er seltener anzutreffen. Das wird sich in seiner neuen Funktion wohl nicht ändern. Aber sicher ist: Amthor wird weiterhin an die meisten Geburtstage denken – zumindest, weil sein Handy ihn daran erinnert.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei stern.de.