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Die kaum bekannte FIFA-Regel hinter den vielen Gianni Infantino-WM-Aufnahmen

Die wenig bekannte FIFA-Regel hinter Gianni Infantino-WM-Bildern

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gab es eine Person, der man kaum entkommen konnte.

Immer wenn die Kameras von Spielfeld weg und zu den VIP-Plätzen schwenkten, tauchte mit hoher Wahrscheinlichkeit Gianni Infantino auf – oft konzentriert zuschauend, bei einem Tor applaudierend oder im Gespräch mit einflussreichen Persönlichkeiten neben ihm.

Für Zuschauer und Leser, die mit den Fußballverbänden weniger vertraut sind: Infantino ist der Präsident der FIFA, der Organisation, die die Weltmeisterschaft organisiert und den internationalen Fußball überwacht.

Der schweizerisch-italienische Funktionär wurde im Februar 2016 erstmals zum FIFA-Präsidenten gewählt und zählt seitdem zu den bekanntesten Führungspersönlichkeiten im Weltsport.

Seine zahlreichen TV-Auftritte in der VIP-Loge während des Turniers waren jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass Fox Sports bewusst die FIFA-Führung in den Vordergrund rücken wollte.

Warum bei jeder WM dieselben Bilder zu sehen sind

Die Hauptübertragung der WM-Spiele wird zentral produziert, nicht von den einzelnen nationalen Sendern unabhängig – was Sinn ergibt, wenn man darüber nachdenkt.

FIFA verteilt die Bilder an hunderte Fernsehsender und digitale Plattformen weltweit. Es wäre unmöglich, dass jeder Sender eine eigene Produktion direkt im Stadion betreibt.

Stattdessen produziert Host Broadcast Services, kurz HBS, den offiziellen internationalen Sendestream jedes Spiels. Das Unternehmen ist seit der WM 2002 in Südkorea und Japan als Host Broadcaster tätig.

Dieser Stream wird dann an die Rechteinhaber weltweit weitergegeben.

Fox Sports kann für die Zuschauer in den USA eigene Kommentatoren, Grafiken, Studioeinblendungen und Analysen hinzufügen, doch die Grundbilder des Spiels stammen größtenteils aus derselben HBS-Produktion, die auch Zuschauer in Großbritannien, Spanien, Argentinien und vielen weiteren Ländern sehen.

Das bedeutet, wenn der internationale Stream auf Infantino in den Zuschauerrängen schaltet, sehen ihn Zuschauer in vielen Ländern ungefähr zur selben Zeit.

Die FIFA-Regel für „Würdenträger-Aufnahmen“

Der Grund für Infantinos häufige Präsenz liegt in den Übertragungsrichtlinien der FIFA. Berichten zufolge soll HBS in jeder Halbzeit eines WM-Spiels mindestens eine sogenannte „Würdenträger-Aufnahme“ zeigen. Dabei werden die ranghöchsten Funktionäre und prominenten Gäste im Stadion ins Bild gesetzt.

Das FIFA-Akkreditierungssystem ordnet die wichtigsten Gäste der Kategorie VVIPs zu, also „Very, Very Important People“.

Dazu zählen Staatsoberhäupter, hochrangige Fußballfunktionäre, Mitglieder von Königshäusern und international bekannte Persönlichkeiten.

Als FIFA-Präsident ist Infantino in der Regel der ranghöchste Fußballfunktionär bei den Spielen. Er reiste zudem viel während des Turniers, besuchte zahlreiche Partien und war oft an der Seite politischer Führungskräfte, Verbandspräsidenten und ehemaliger Spieler zu sehen.

Deshalb ist Infantino eine der naheliegendsten Personen, die der Regisseur bei der Anweisung, wichtige Würdenträger zu zeigen, auswählt.

Die FIFA bestreitet, dass den Sendern eine spezielle Anweisung erteilt wird, ihren Präsidenten gezielt zu zeigen, und bezeichnet Vermutungen über eine persönliche Bevorzugung Infantinos als irreführend. Die Vorgabe beziehe sich formal auf die Darstellung ranghoher Würdenträger, nicht namentlich auf Infantino.

In der Praxis ist es jedoch kaum schwer zu bestimmen, wer der ranghöchste Würdenträger ist.

Das angebliche Verbot, Infantino am Handy zu zeigen

Auch die Art, wie Infantino gezeigt wird, soll offenbar genau geregelt sein.

Bei der WM 2022 in Katar sollen Kameraleute angewiesen worden sein, den FIFA-Präsidenten während der Spiele zu zeigen, jedoch nicht, wenn er auf sein Handy blickt.

Das Ziel war offenbar, ihn als engagierten und begeisterten Zuschauer darzustellen, nicht als abgelenkten Betrachter.

Kameraleute warteten daher darauf, dass Infantino applaudierte, auf eine Spielsituation reagierte oder lebhaft mit einem Gast sprach, bevor sie die Aufnahme verwendeten.

Ob dieselbe Handyanweisung für die WM 2026 formell galt, ist nicht öffentlich bestätigt. Die Berichte aus Katar geben jedoch einen Einblick, wie stark scheinbar spontane Zuschaueraufnahmen kontrolliert werden können.

Warum Infantino nicht auf den Stadionbildschirmen erscheint

Es gibt außerdem einen wichtigen Unterschied zwischen den Bildern, die im Fernsehen und denen, die im Stadion gezeigt werden.

Berichten zufolge haben Stadionregisseure während der WM manchmal darauf verzichtet, Infantino auf den großen Bildschirmen im Stadion zu zeigen, da dies lauten Buhrufen der Fans hätte auslösen können.

Diese Buhrufe wären auf der internationalen Übertragung zu hören gewesen und hätten für FIFA und seinen Präsidenten peinliche Momente geschaffen.

Dennoch wurde Infantino bei der Pokalübergabe nach dem WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien, das Spanien zum zweiten Mal nach 2010 gewann, zusammen mit dem US-Präsidenten Donald Trump ausgebuht.