Deutsche Umfrage zeigt Spaltung: Grünen-Fraktionschefin fordert neue Debatte zur Leihmutterschaft
Soll Leihmutterschaft in Deutschland weiterhin uneingeschränkt verboten sein? Die Ampelkoalition ließ diese Fragestellung 2024 von einer Kommission prüfen, doch bisher wurde keine politische Konsequenz daraus gezogen. Die Grünen betonen, dass die damaligen Erkenntnisse heute richtungsweisend sein könnten.
Im Kontext der aktuellen Leihmutterschafts-Debatte ruft die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann zu einer erneuten inhaltlichen Auseinandersetzung mit Aspekten der Reproduktionsmedizin auf. Den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn bezeichnete Haßelmann gegenüber den Funke-Medien als „vollkommen nachvollziehbar“. Sie unterstreicht, dass die gesellschaftliche Diskussion verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Ergebnisse der Kommission für reproduktive Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin erneut zu betrachten. Der Abschlussbericht aus der letzten Legislaturperiode sei zu bedeutend, um von der aktuellen Koalition unbeachtet zu bleiben, so die Grünen-Chefin im Bundestag.
Die Kommission, eingesetzt von der Ampel-Koalition, legte im April 2024 ihren Abschlussbericht vor. Darin wurde empfohlen, Schwangerschaftsabbrüche in der Frühphase nicht mehr generell unter Strafe zu stellen. Zudem könne der Gesetzgeber Leihmutterschaft unter bestimmten Voraussetzungen erlauben, „wenn insbesondere der Schutz der Leihmutter sowie das Kindeswohl ausreichend gesichert sind“. Kommerzielle Leihmutterschaft wurde jedoch abgelehnt.
Die Kommissionsmitglieder wiesen gleichzeitig darauf hin, dass selbst altruistische Leihmutterschaft – also ohne finanzielle Gegenleistung – Missbrauchspotenzial birgt. Deshalb sollte sie, falls überhaupt, nur unter sehr strengen Bedingungen gestattet werden, etwa wenn ein enges verwandtschaftliches oder freundschaftliches Verhältnis zwischen Wunsch-Eltern und Leihmutter besteht.
Bedenken wegen „Kommerzialisierung“ von Frauen
Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) innerhalb der SPD hat zum Thema Leihmutterschaft noch keine abschließende Position bezogen. Die Co-Vorsitzende Ulrike Häfner erklärte gegenüber den Funke-Zeitungen, dass die Meinungsbildung noch andauere. Grundsätzlich kritisieren SPD-Frauen die zunehmende „Kommerzialisierung von Frauen in der Reproduktionsmedizin sowie die Ausnutzung ihrer finanziellen Notlagen“.
Auch die Linksfraktion im Bundestag verweist auf mögliche finanzielle Ungleichheiten zwischen Leihmüttern und den Paaren, die Eltern werden möchten. Die frauenpolitische Sprecherin Kathrin Gebel bewertet auch altruistische Formen kritisch: „Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck verschwinden nicht automatisch, nur weil offiziell kein Geld fließt“, so Gebel.
Eine repräsentative Umfrage von Insa im Auftrag der „Bild“-Zeitung zeigt, dass die Meinungen in Deutschland zu diesem Thema stark divergieren. 39 Prozent der Befragten halten das Verbot der Leihmutterschaft für richtig, während 41 Prozent es ablehnen. Auffällig ist der hohe Anteil von 21 Prozent, die keine Angabe machen oder keine Meinung äußern konnten.