Audimax » Politik » Überraschende Szenen nach Landung: Erdogans Revolver-Geschenk bringt Nato-Partner in Verlegenheit

Überraschende Szenen nach Landung: Erdogans Revolver-Geschenk bringt Nato-Partner in Verlegenheit

"Irrsinnige" Szenen nach Landung: Erdogans Revolver-Geschenk bringt Nato-Partner in Verlegenheit

Präsident Erdogan löste beim Nato-Gipfel mit einem Revolver als Gastgeschenk Verwunderung aus. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs standen vor der Herausforderung, den legalen Transport der Waffe zu organisieren. Über die Bedeutung des Geschenks wird intensiv spekuliert.

Ein Revolver samt sechs Patronen – mit diesem ungewöhnlichen Präsent brachte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die anwesenden Staats- und Regierungschefs beim Nato-Gipfel in Ankara in eine schwierige Lage. Jeder erhielt einen personalisierten Revolver, dazu Munition und eine von Erdogan persönlich ausgestellte Ausfuhrgenehmigung.

Die Frage stellte sich: Soll die Waffe im Regierungsflugzeug transportiert oder in Ankara zurückgelassen werden? Die Betroffenen mussten kreative Lösungen finden. Bundeskanzler Friedrich Merz gab laut einer Regierungssprecherin sein Geschenk an die deutsche Botschaft in Ankara weiter, welche den Weitertransport nach Berlin übernimmt. Dort soll der Revolver Teil der Sammlung offizieller Staatsgeschenke werden.

In anderen Delegationen führte das Geschenk nach Angaben von Diplomaten zu chaotischen Szenen. So entdeckte der belgische Premier Bart De Wever erst nach der Ankunft in Belgien den Inhalt der roten Geschenkbox. Ein Foto seines Teams zeigt den silbernen Revolver mit braunem Griff in einer mit schwarzem Stoff ausgekleideten Kiste, verpackt in einer Papiertüte. „Der Premierminister war überrascht und übergab die Waffe sofort der Flughafenpolizei, damit sie sicher verwahrt und gemäß den Vorschriften weiter bearbeitet wird“, erläuterte eine Quelle aus seinem Umfeld.

Die belgischen Sicherheitskräfte sammelten unter strengen Sicherheitsvorkehrungen auch die Revolver von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa ein. Von der Leyen bedankte sich bei Erdogan für das Geschenk, wie ein Sprecher in Brüssel mitteilte. Sobald die Waffe entschärft ist, plant sie, den Revolver einem Militärmuseum zu übergeben.

„Sicher, dass niemand damit schießen wird“

Auch in Polen wurde das Geschenk für Präsident Karol Nawrocki bereits entgegengenommen. Dort erinnerte man sich jedoch an einen dramatischen Vorfall: Im Dezember 2022 hatte Polizeichef Jaroslaw Szymczyk zwei Granatwerfer aus der Ukraine als Geschenk erhalten. Einer detonierte in seinem Büro, verletzte ihn leicht und verursachte erhebliche Schäden am Polizeipräsidium in Warschau. Dieses Mal sei man „sicher, dass niemand damit schießen wird“, versicherte ein Mitarbeiter des Präsidenten einem polnischen Radiosender. Der litauische Präsident Gitanas Nauseda präsentierte seinen Revolver unterdessen vor der Presse in seiner Heimat.

Merz ist nicht der Einzige, der sein Geschenk vorerst in der Türkei ließ. Die Waffe des schwedischen Regierungschefs Ulf Kristersson soll später ordnungsgemäß nach Schweden gebracht werden. Der britische Premier Keir Starmer erklärte, dass die Einfuhr eines Revolvers nach Großbritannien illegal sei – selbst für einen Premierminister und trotz Erdogans Sondergenehmigung.

Der Austausch von Gastgeschenken gehört zu den diplomatischen Traditionen – doch normalerweise führen sie nicht zu solchen logistischen Schwierigkeiten. Die symbolische Botschaft von Erdogans ungewöhnlichem Geschenk, der in der Türkei als autoritärer Machthaber gilt, wird in den Delegationen breit diskutiert. Vermutet wird, dass der hochwertige Revolver die Stärke der türkischen Waffen- und Rüstungsindustrie hervorheben soll.

Schon im Osmanischen Reich galten kunstvoll verzierte Waffen wie Säbel, Dolche oder Gewehre als Prestigeobjekte, die Gästen oder Verbündeten gerne überreicht wurden. Auf eine Anfrage zur Bedeutung der Geschenke reagierte das Büro des türkischen Präsidenten zunächst nicht.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato trafen sich am Dienstag und Mittwoch zu einem Gipfel in Ankara. Thematisch standen die Ukraine, der Iran-Konflikt sowie die Beziehungen Europas zu US-Präsident Donald Trump im Mittelpunkt.