„Ich lebe es!“: Weidel kritisiert Abwertung homosexueller Partnerschaften in der AfD
Im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt wird gegen sogenannte „sexuelle Abweichungen“ Stellung bezogen. Die homosexuelle Parteivorsitzende Alice Weidel äußert deutliche Kritik daran und spricht zugleich offen über ihre Lebenspartnerin.
Alice Weidel, Vorsitzende der AfD, distanzierte sich von Passagen im Wahlprogramm des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt, die nicht-traditionelle Familienmodelle abwerten. In einem Interview mit RTL/ntv am Rande des Parteitags in Erfurt erklärte sie: „Damit kann ich mich nicht identifizieren. Ich vertrete eine gesellschaftlich deutlich liberalere Haltung, die ich auch selbst lebe. Ich lebe es!“ Weidel appellierte, diese Spaltung in der Gesellschaft hinter sich zu lassen.
Im Programm der AfD Sachsen-Anhalt heißt es: „Kinder und kommende Generationen entstehen nur aus der Verbindung von Mann und Frau.“ Zudem wird eine „intakte Familie, bestehend aus Mutter, Vater und Kindern“, als „bewährte Grundlage für eine gesunde Kindesentwicklung“ dargestellt.
Weiter wird behauptet, dass steigende Abtreibungszahlen und sinkende Geburtenraten unter anderem darauf zurückzuführen seien, dass „sexuelle Abweichungen und nicht-reproduktive Lebensweisen“ verstärkt propagiert würden. An anderer Stelle finden sich Begriffe wie „nichtnormale Geschlechtsidentitäten“ und „abseitige sexuelle Vorlieben“.
Weidel: Gleichwertigkeit verschiedener Lebensmodelle
Weidel betonte: „Unsere Gesellschaft hat sich längst verändert. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften verdienen denselben Respekt und dieselbe Anerkennung.“ Als Politikerin könne sie weiterhin die „traditionelle Familie“ als gesellschaftliches Ideal unterstützen, ohne dass dies im Widerspruch dazu stehe, alternative Lebensformen als gleichwertig anzuerkennen. Dies gelte beispielsweise in steuerlichen und erbrechtlichen Fragen. „Daran lässt sich heute nichts mehr ändern, und das wollen wir auch nicht.“
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Die AfD liegt mit etwa 40 Prozent in den Umfragen vorn und könnte möglicherweise eine absolute Mehrheit erreichen.
Weidel äußerte sich zudem zu Äußerungen von Björn Höcke, die als Kritik an ihrer Lebenspartnerin mit Migrationshintergrund interpretiert wurden. Der Thüringer AfD-Chef hatte im Juni auf einem Sommerfest in Greiz die westliche Hemisphäre als „gleichgeschaltet“ bezeichnet und im Zusammenhang mit der Fußball-WM gesagt: „Wenn man dann das Trikot wechselt, weiß man gar nicht mehr, wer zu welcher Mannschaft gehört.“
„Meine Frau ist Schweizerin“
Weidel erklärte dazu: „Höcke meint, unser Land sei durch offene Grenzen von Millionen Menschen überrannt worden, die vorher ihre Pässe wegwerfen – es herrscht eine Beliebigkeit. Diese Sichtweise kann man nachvollziehen.“ Gleichzeitig stellte sie klar, dass ihre Lebensgefährtin keinen Migrationshintergrund habe. „Es geht hier nicht um Hautfarbe. Meine Frau ist Schweizerin und wurde adoptiert. Daher sieht sie sich selbst nicht als Person mit Migrationshintergrund.“ Alice Weidel lebt mit der Filmemacherin Sarah Bossard in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Gemeinsam ziehen sie in der Schweiz zwei Kinder groß.