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Stoltenberg: Deutschland entwickelt sich zur bedeutenden Militärmacht – Trump nicht verärgern

Bloß Trump nicht verärgern: Stoltenberg: Deutschland ist auf dem Weg zur Militärmacht

Kurz vor dem Nato-Gipfel, der am Dienstag in Ankara startet, stehen die Verteidigungsausgaben im Mittelpunkt der Debatte. Der ehemalige Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sieht Deutschland dabei auf einem vielversprechenden Kurs und betont, dass man dies US-Präsident Trump deutlich machen müsse.

Stoltenberg, 67 Jahre alt, bewertet die steigenden Verteidigungsausgaben als wichtigen Schritt, durch den Deutschland sich zu einer „bedeutenden Militärmacht“ entwickelt. Im Interview mit dem „Spiegel“ hob er die entscheidende Rolle von Verteidigungsminister Boris Pistorius bei dieser Entwicklung hervor.

„Ich erinnere mich gut an Zeiten, in denen Deutschland bei den Nato-Verteidigungsausgaben nur an vierter Stelle nach den USA, Großbritannien und Frankreich lag. Diese Situation hat sich grundlegend gewandelt“, erklärte Stoltenberg. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt die europäischen Partner kritisiert und behauptet, Deutschland investiere weniger in die Verteidigung als Großbritannien oder Frankreich – eine falsche Darstellung, die er als „lächerlich“ bezeichnete.

Obwohl Trump mit seiner Kritik unrecht hat, weist Stoltenberg darauf hin, dass die Entwicklung schneller hätte verlaufen können: „Die europäischen Verbündeten hätten früher mehr in ihre Verteidigung investieren müssen. Auch die Unterstützung für die Ukraine hätte intensiver ausfallen sollen. Während meiner Zeit bei der Nato habe ich stets darauf gedrängt, die Ausgaben zu erhöhen.“ Eine starke Nato sei nicht nur für Europa, sondern auch für die USA von großer Bedeutung. „Das ist auch in ihrem eigenen Sicherheitsinteresse, und das muss ihnen immer wieder klar gemacht werden“, so Stoltenberg.

Den Wert des Bündnisses für Trump zu verdeutlichen, sei „manchmal einfacher als erwartet“, berichtete Stoltenberg und schilderte einen Besuch in Washington im vergangenen Jahr: Gemeinsam mit dem norwegischen Ministerpräsidenten habe er Trump eine große Landkarte präsentiert, auf der die Grenze zwischen Norwegen und Russland deutlich zu sehen war. „Man muss sich nur den Grenzverlauf anschauen. Dort befindet sich die weltweit höchste Konzentration an Atomwaffen – diese sind nicht auf Oslo gerichtet, sondern auf New York und US-Kriegsschiffe in den Vereinigten Staaten“, erläuterte er. Auf der Karte war der Nordpol ungewöhnlicherweise im Zentrum dargestellt, was die strategische Bedeutung der Arktis verdeutlicht: „So erkennt man sofort, dass der kürzeste Weg zwischen Russland und seinen Militärbasen im Norden nicht über Frankfurt, sondern über den Arktischen Ozean führt. Das unterstreicht die enorme Bedeutung des Nordens.“

Im Vorfeld des Nato-Gipfels in Ankara stehen klare Ziele fest: Die Verteidigungsfähigkeit und die Rolle Europas im Bündnis sollen gestärkt sowie die Unterstützung für die Ukraine bekräftigt werden. Zugleich soll – wie bereits im Vorjahr – ein Konflikt mit US-Präsident Trump vermieden werden, um die Einheit der 32 Mitgliedstaaten nicht infrage zu stellen.

Die Erwartungen an den Gipfel sind eher zurückhaltend. Ein Erfolg werde bereits daran gemessen, „dass Trump die Nato nicht angreift, sie nicht kritisiert und ihre Bedeutung nicht untergräbt“, so Peter Bator, ehemaliger Nato-Botschafter der Slowakei, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.