Trump würdigt Selenskyjs Kampfgeist und Erfolge im Konflikt mit Russland
US-Präsident Donald Trump zeigt sich diesmal überraschend beeindruckt von den jüngsten Entwicklungen im Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Im Gegensatz zu früheren Äußerungen zollt er dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Anerkennung und bewertet dessen Einsatz als bemerkenswert. Kritik äußert Trump hingegen gegenüber Bundeskanzler Friedrich Merz und der deutschen Regierung.
Wenige Wochen vor dem Nato-Gipfel erneuerte Trump seine scharfe Kritik an Deutschland, während er Selenskyj ausdrücklich lobte. Bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus in Washington erklärte Trump, er sei „enttäuscht über Deutschland“ und dessen Haltung im Iran-Konflikt. Für Selenskyj fand er ungewöhnlich positive Worte: Er nannte ihn „mutig“ und hob hervor, dass er sein Land „ziemlich gut“ gegen Russland verteidige.
Trump berichtete, er habe die deutsche Regierung im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg gebeten, sie möge den USA „einen kleinen Anstoß, ein kleines Zeichen“ geben. Diese Bitte sei jedoch abgelehnt worden, ohne dass er Bundeskanzler Merz direkt nannte. Zugleich betonte Trump, die USA investierten „hunderte Millionen Dollar“ in Truppen, die in Deutschland und Europa stationiert sind. Im Zuge des Iran-Konflikts hatte das Pentagon den Rückzug von 5000 Soldaten aus Deutschland angekündigt.
Im Gegensatz zu früheren öffentlichen Demütigungen Selenskyjs, etwa bei einem Treffen im Weißen Haus im Februar 2025, lobte Trump den ukrainischen Präsidenten nun ausdrücklich. Auf die Frage eines Journalisten, ob Selenskyj den Krieg gegen Russland gewinne, antwortete Trump: „Er schlägt sich ziemlich gut.“ Er ergänzte: „Man muss anerkennen, dass er mutig ist. Er verfügt über ausgezeichnete Ausrüstung und hat großartige Männer, er hat wahre Kämpfer.“
Positives Signal vor Nato-Gipfel in Ankara
Trumps veränderte Haltung gegenüber der Ukraine zeichnete sich bereits beim G7-Gipfel Mitte Juni in Evian ab, wo er Selenskyj persönlich traf. Merz und weitere Beobachter werteten Trumps Zustimmung zu verschärften Sanktionen gegen Russland sowie die Aufforderung an Moskau, einen Friedensvertrag mit Kiew zu schließen, als Erfolg. Zuvor hatte Trump mehrfach Sympathien für Russlands Präsident Wladimir Putin gezeigt.
Die Nato dürfte Trumps Meinungswandel als positives Zeichen für den Gipfel am 7. und 8. Juli in Ankara sehen, zu dem auch Selenskyj eingeladen ist. Vor dem Treffen mit Trump nahm Rutte per Videoschalte an Gesprächen der sogenannten E5-Gruppe zur Unterstützung der Ukraine in Berlin teil. Bundeskanzler Merz betonte anschließend, er wolle den Nato-Gipfel zum Erfolg führen und ein „starkes Zeichen“ für die Ukraine setzen: „Wir streben eine intensivere Zusammenarbeit, sowohl transatlantisch als auch europäisch, an.“
Dennoch überschattet der anhaltende Streit um den Iran-Krieg die Vorbereitungen für den Nato-Gipfel. Rutte versuchte in Washington, seinem Ruf als „Trump-Flüsterer“ gerecht zu werden, und versicherte dem US-Präsidenten, dass die mangelnde Unterstützung durch Verbündete „Einzelfälle“ seien. Deutschland habe seine bilateralen Verpflichtungen gegenüber den USA erfüllt, betonte der Nato-Generalsekretär. Zudem seien die Verteidigungsausgaben in Deutschland, wie von Trump gefordert, deutlich erhöht worden.
„Verbündete haben uns im Stich gelassen“
Um dies zu veranschaulichen, präsentierte Rutte Trump eine Grafik mit roten Balken, die die gestiegenen Investitionen der Partnerländer darstellte. Überschrieben war die Darstellung mit der goldenen Aufschrift: „Die Trump-Billion“. Nach Angaben einer Nato-nahen Quelle sollte diese eindrucksvolle Visualisierung Trump überzeugen.
Obwohl Rutte Trumps Führungsqualitäten lobte, blieb dessen Kritik nicht aus: Er richtete sich nicht nur gegen Deutschland, sondern auch gegen Frankreich, Italien und Großbritannien. Die Verbündeten hätten die USA „im Stich gelassen“, wiederholte Trump mehrfach.
Das Verhältnis zwischen den USA und anderen Nato-Mitgliedern ist seit Trumps Wiedereintritt ins Amt vor rund 15 Monaten angespannt. Zuletzt bekräftigte Trump seine Drohung, Europa im Ernstfall gegen Russland nicht zu verteidigen, falls die europäischen Länder ihre Sicherheitsverantwortung nicht erhöhen. Im Pentagon werden aktuell Pläne für eine Reduzierung der Truppenpräsenz in Europa vorbereitet.