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Konflikte mit Trump: Iran-Krieg wird für Netanjahu zum politischen Stolperstein

Risse im Verhältnis zu Trump: Iran-Krieg wird für Netanjahu zum Bumerang

Israels Regierungschef hatte einen historischen Triumph über den Iran angekündigt – doch nach vier Monaten fällt die Bilanz ernüchternd aus. Innenpolitisch gerät Netanjahu dadurch zunehmend unter Druck, zumal in Israel bald wichtige Wahlen anstehen, die er unbedingt gewinnen möchte.

Benjamin Netanjahu versprach seinem Volk einen umfassenden Sieg gegen den Iran. Seine zu Kriegsbeginn formulierten ambitionierten Ziele umfassten die Eliminierung der iranischen Nuklear- und Raketenbedrohung sowie eine dauerhafte Schwächung – möglicherweise sogar den Sturz – der iranischen Führung.

Vier Monate später ist das Ergebnis jedoch enttäuschend. Viele Experten sehen die gesteckten Ziele als verfehlt an. Der renommierte Iran-Spezialist Danny Citrinowicz bezeichnet die Situation sogar als eine „israelische Niederlage im Iran“. Trotz der Tötung fast der gesamten Führungsebene ist die iranische Elite radikaler und gestärkt aus dem Konflikt hervorgegangen. Während Netanjahu auf eine Fortsetzung der Militäraktion drängte, zog US-Präsident Donald Trump laut Medienberichten die Notbremse.

In der Nacht wurde bekannt, dass Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnet haben. Dieses soll laut Vermittlerstaat Pakistan „mit sofortiger Wirkung“ gelten. Gleichzeitig hat die Beziehung Israels zu seinem wichtigsten Verbündeten erheblichen Schaden genommen. Wenige Monate vor einer wegweisenden Parlamentswahl steht Netanjahu damit innenpolitisch so stark unter Druck wie lange nicht mehr.

„Israel steht vor verschlossener Tür“

Oppositionsführer Jair Lapid kritisierte im Parlament: „Netanjahu versprach einen historischen Sieg – doch wir erleben eine Krise mit den USA, eine offene Straße von Hormus für den Iran, Geld für die Revolutionsgarden und ballistische Raketen, die auf Israel gerichtet sind.“ Er fügte hinzu: „Israel steht vor verschlossener Tür wie ein ausgeschimpftes Kind.“

Der israelische Journalist Ben Caspit, bekannt für seine kritische Haltung gegenüber Netanjahu, erklärte in einer Fernsehdiskussion: „Selbst in meinen schlimmsten Albträumen hätte ich mir kein derartiges Fiasko vorstellen können.“

Netanjahu weist diese Kritik zurück und präsentiert den Konflikt weiterhin als eine Serie strategischer Erfolge. „Israel ist stärker denn je, und die iranische Achse des Bösen ist schwächer als je zuvor“, erklärte er bei einer Pressekonferenz am Montagabend.

Trump als politischer Trumpf

Über viele Jahre machte Netanjahu die iranische Bedrohung zum zentralen Element seiner Politik. Kaum ein anderer israelischer Politiker setzte sich so vehement gegen eine nukleare Aufrüstung Teherans ein wie er. „Ich kann sagen, dass dies die Aufgabe meines Lebens ist“, betonte er bei der Pressekonferenz.

Netanjahu warb bei Trump für eine härtere Haltung gegenüber dem Iran und unterstützte 2018 dessen Entscheidung, das internationale Atomabkommen mit dem Iran zu verlassen. Rückblickend betrachten auch israelische Sicherheitsexperten diesen Schritt als strategischen Fehler.

Die dauerhafte Konfrontation mit dem Erzfeind Iran wurde für Netanjahu zum Kern seiner politischen Erzählung und zum Beweis seiner Führungsstärke. Seine enge Beziehung zu Trump nutzte er im Wahlkampf als politischen Vorteil. 2019 präsentierte er sich auf riesigen Bannern gemeinsam mit dem US-Präsidenten unter dem Motto „Netanjahu – eine andere Liga“. Die Botschaft: Trump sei ein außergewöhnlich israelfreundlicher Verbündeter, und nur Netanjahu habe den richtigen Draht zu ihm.

„Alle hassen dich jetzt“

Vor der Parlamentswahl im Herbst könnte diese Strategie jedoch zum Problem werden. Denn gerade die Beziehung zu Trump, auf die Netanjahu lange als außenpolitischen Trumpf setzte, zeigt zuletzt deutliche Risse – insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und den Spannungen um den Libanon.

Der Iran, Verbündeter der libanesischen Hisbollah-Miliz, fordert im Rahmen der Waffenruhe auch einen Stopp israelischer Angriffe im Libanon. Die israelische Regierung will jedoch Truppen im Süden des Nachbarlandes belassen, um die Bewohner der Grenzregion zu schützen. Dieser Konflikt droht immer wieder, die von den USA vermittelte Waffenruhe mit dem Iran zu gefährden.

Medienberichten zufolge soll Trump Netanjahu Anfang des Monats in einem hitzigen Telefonat als „völlig verrückt“ („You’re fucking crazy“) bezeichnet haben. „Alle hassen dich jetzt“, soll Trump gesagt und Israel vorgeworfen haben, seine diplomatischen Bemühungen gegenüber dem Iran zu gefährden. Kürzlich nannte Trump Netanjahu gegenüber der „New York Times“ einen „schwierigen Typ“.

Der Nahost-Experte Aaron David Miller schrieb in einem Beitrag auf X, kein US-Präsident habe jemals öffentlich so offen über einen israelischen Ministerpräsidenten gesprochen wie Trump über Netanjahu.

Der Ausgang bleibt ungewiss

Für einen Politiker, der seine Karriere eng mit dem Kampf gegen den Iran verknüpft hat, ist diese Entwicklung besonders schmerzhaft: Ausgerechnet die Iran-Frage, mit der Netanjahu über Jahrzehnte Stärke demonstrierte, scheint nun seine größte politische Belastung zu sein.

Auch der israelische Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold sieht den Verlauf des Krieges und eine mögliche Einigung der USA mit dem Iran als schwere Belastung für Netanjahu. Einen politischen Abgesang auf Israels dienstältesten Ministerpräsidenten, der die israelische Politik über Jahrzehnte prägte, hält er jedoch noch für verfrüht.

Die Wahl, für die bisher kein Termin feststeht, muss spätestens am 27. Oktober stattfinden. Entscheidend sei, was während der 60-tägigen Waffenruhe geschieht, erklärt Rynhold. „Was passiert, wenn Trump bei den Verhandlungen keine Einigung erzielt und der Krieg wieder aufflammt?“ Dies könnte das Ansehen Netanjahus erneut beeinflussen. „Die Situation ist weiterhin offen.“