Fünf Erkenntnisse zur NBA nach dem Draft und einer turbulenten Transferphase
Der NBA-Draft 2026 ist abgeschlossen, Giannis Antetokounmpo hat ein neues Team gefunden und der LaMelo Ball-Zirkus zieht nach Minnesota.
In etwa 72 Stunden hat sich die NBA völlig neu aufgestellt. Diese fünf Punkte sind dabei besonders ins Auge gefallen:
1. Die Chicago Bulls hatten den besten Draft – dank Dailyn Swain, einem zukünftigen All-Star
Caleb Wilson an Position 4 zu holen, war nur der Anfang. Der 2,06 Meter große Ausnahmeathlet erzielte als Freshman in North Carolina 19,8 Punkte und 9,4 Rebounds pro Spiel und bewegt sich spielerisch irgendwo zwischen Evan Mobley, Kevin Garnett und Giannis Antetokounmpo. Er hat echte Chancen, zu den besten Spielern aller Zeiten zu gehören. Das wussten wir allerdings bereits.
Der zweite Pick der Bulls in der ersten Runde – Texas-Junior Dailyn Swain an 15 – wird sich als der wahre Coup des Drafts erweisen. Swains Spiel erinnert stark an Shai Gilgeous-Alexander zu dessen College-Zeiten. Er zieht mühelos zum Korb, bringt Verteidiger mit seinen Bewegungen aus dem Gleichgewicht und nutzt seine Länge sowie sein rhythmisches Spiel zu seinem Vorteil. Am Korb ist er trickreich und besitzt ein Spielverständnis, das man nicht lernen kann.
Obwohl sein Wurf am College unbeständig war, gibt es gute Gründe anzunehmen, dass sich dieser verbessern wird, denn seine Trefferquoten stiegen mit jeder Saison und seine Freiwurfquote ist mit 81,5 Prozent sehr solide. Wenn er seinen Wurf stabilisiert, haben die Bulls einen All-Star-Lead-Guard in ihren Reihen.
2. NIL hat die zweite Draft-Runde ausgedünnt
Der Draftjahrgang 2026 schien zunächst der tiefste aller Zeiten zu werden. Doch mit dem Start der NIL-Angebote entschieden sich viele Talente, in der College-Liga zu bleiben. Zahlreiche Prospects verglichen ihre NIL-Einnahmen mit dem Rookie-Vertrag und entschieden sich für die College-Rückkehr. Thomas Haugh aus Florida, der im nächsten Jahr als 23-Jähriger zum College-Van Wilder avancieren wird, erhielt so viel Geld, dass er sogar auf eine Lottery-Pick-Chance verzichtete!
Nur 71 Spieler meldeten sich als Early Entrants an – so wenige wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Die Folge war ein deutlicher Talentabfall in der zweiten Draft-Runde, da viele NBA-fähige Spieler im College verblieben. Die meisten Namen, die in Runde zwei gezogen wurden, sind eher Dritt- oder Viert-Runden-Talente, die kaum ernsthaft NBA-Minuten sehen werden.
3. Der Giannis Antetokounmpo-Trade ist das „Dwightmare 2.0“
In einigen Jahren werden wir, ähnlich wie beim Dwight Howard-Trade zu den Lakers 2012, zurückblicken und feststellen, dass bei dem lang erwarteten Giannis-Trade niemand wirklich gewonnen hat.
Giannis ist 31 Jahre alt, spielte letzte Saison nur 36 Spiele und hat eine Reihe von Verletzungen im Unterkörper erlitten. Die Miami Heat haben für ihn nahezu alles aufgegeben – Tyler Herro, Kel’el Ware, Jaime Jaquez Jr., Kasparas Jakučionis und den Großteil ihres Draft-Kapitals – und stehen künftig vor einer dünnen Tiefe. Ohne einen überraschenden Free-Agent-Zugang (LeBron James?) dürften die Heat bestenfalls als Vierter in die nächste Saison gehen.
Die Bucks hingegen tauschten einen Dollar gegen Kleingeld – und das Team, das den Superstar abgibt, verliert in der Regel das Rechenexempel. Sie hätten das Paket von Jaylen Brown aus Boston annehmen sollen. Falls es nicht funktioniert hätte, hätten sie Brown gegen weitere junge Talente und Picks tauschen können. Viel Glück bei so etwas mit Herro. Und ich würde nicht darauf wetten, dass Ware oder jemand anderes aus dem Trade zum Franchise-Spieler wird.
Ein klassischer Lose-Lose-Deal!
4. Die Charlotte Hornets verkauften LaMelo Ball zum optimalen Zeitpunkt
Unter dem aktuellen CBA ist es ratsam, teure Maximalverträge möglichst früh loszuwerden, wenn man sich nicht sicher ist, dass sie langfristig ins Konzept passen. Je länger man wartet, desto weniger bekommt man, weil Cap-Holds und Apron-Strafen die Verhandlungsposition schnell erdrücken. LaMelo ist ein talentierter, aber verletzungsanfälliger Guard, der gerade sein bestes Jahr gespielt hat. Das ist der Höhepunkt. Man verkauft den Höhepunkt – auch wenn der Gegenwert nur Naz Reid, ein zukünftiger Erstrundenpick und ein paar Tauschrechte sind.
Teams, die das Timing perfekt trafen – wie die Memphis Grizzlies mit Desmond Bane oder die Brooklyn Nets mit Mikal Bridges – verkauften früh etablierte Spieler und sammelten eine Vielzahl an Picks ein. Teams, die warteten – die Atlanta Hawks mit Trae Young, Washington Wizards mit Bradley Beal, Milwaukee Bucks mit Giannis – verloren an Verhandlungsmacht und mussten für wenig Gegenwert verkaufen. Die Hornets-Fans können mit der Entschlossenheit ihres Teams zufrieden sein. Und die Fans der New Orleans Pelicans (sofern vorhanden) sollten hoffen, dass ihr Team im Sommer ähnlich mit Trey Murphy III verfährt.
5. Die Houston Rockets planen offenbar Großes
Im „H“ ganz unten auf der Landkarte herrscht ungewöhnliche Ruhe. Die Rockets gewannen 52 Spiele, schieden aber zum zweiten Mal in Folge in der ersten Runde aus, während Kevin Durant angeblich aus einem Burner-Account gegen seine Teamkollegen schoss. Houston verfügt über einen tiefen jungen Kern, einen Berg an Trade-Assets und große Titelambitionen – doch in der Offseason blieb es still.
Es wäre überraschend, wenn die Strategie wäre, abzuwarten, während der Rest des Westens alles aufs Spiel setzt. Könnten die Rockets das neue Ziel für Jaylen Brown sein? Oder haben sie einen anderen Star im Visier? Die Rockets sollte man im Auge behalten.