Wie funktionieren Elfmeterschießen in der K.-o.-Runde der WM 2026?
Die K.-o.-Phase der Fußball-WM 2026 ist erst vier Spiele alt, doch bereits zweimal wurde die Entscheidung im Achtelfinale durch ein Elfmeterschießen herbeigeführt. Am Montag setzten sich Paraguay und Marokko vom Punkt durch – wobei die Südamerikaner für eine große Überraschung sorgten.
WM 2026 Rechner: Gruppen und Begegnungen simulieren und deine WM-K.o.-Runde vorhersagen
Historisches Elfmeterschießen für Deutschland
Mit dem 4:3-Sieg im Elfmeterschießen gegen Deutschland in Foxborough warfen die Paraguayer nicht nur einen vierfachen Weltmeister aus dem Turnier, der in der Weltrangliste 31 Plätze vor ihnen lag.
Gustavo Alfaros Mannschaft beendete zudem die makellose Elfmeterbilanz der Deutschen bei Weltmeisterschaften. Tatsächlich hatte Die Mannschaft seit dem legendären Panenka-Elfmeter im EM-Finale 1976 gegen die Tschechoslowakei kein Elfmeterschießen in einem großen Turnier mehr verloren.
Nur wenige Stunden nach der überraschenden Niederlage Deutschlands in Massachusetts setzten die Marokkaner ihre beeindruckende WM-Leistung fort und bezwangen die Niederlande mit 3:2 nach Elfmeterschießen. Damit sind die Atlaslöwen nun bei Weltmeisterschafts-Elfmeterduellen ungeschlagen: Vor vier Jahren hatten sie Spanien im Achtelfinale ebenfalls vom Punkt eliminiert.
Für die Niederländer, die von einem bislang fehlerfreien Prognosemodell als Titelkandidaten gehandelt wurden, war das Ausscheiden besonders bitter. Nach dem Führungstreffer von Cody Gakpo in der zweiten Halbzeit schien Oranje schon im Viertelfinale, bis Issa Diops Last-Minute-Kopfball die Verlängerung erzwang und letztlich den marokkanischen Sieg im Elfmeterschießen besiegelte.
Wie funktionieren Verlängerung und Elfmeterschießen bei der WM?
Kann nach regulärer Spielzeit in einem K.-o.-Spiel kein Sieger ermittelt werden, folgt zunächst eine Verlängerung. Diese dauert insgesamt 30 Minuten, aufgeteilt in zwei Halbzeiten zu je 15 Minuten, und wird komplett ausgespielt, unabhängig vom Spielstand. Führt ein Team nach der Verlängerung, gewinnt es das Spiel.
Bleibt das Ergebnis nach der Verlängerung unentschieden, entscheidet ein Elfmeterschießen über den Sieger.
Das Elfmeterschießen wurde erstmals bei einer Herren-WM 1982 eingesetzt, um das Halbfinale zwischen Westdeutschland und Frankreich zu entscheiden. Seitdem hat es in 44 Jahren bereits 37 K.-o.-Begegnungen entschieden – darunter die Endspiele 1994 und 2006.
Regeln des Elfmeterschießens:
Beim Elfmeterschießen treten beide Teams abwechselnd mit jeweils fünf Schüssen an. Das Team mit den meisten Treffern gewinnt. Führt eine Mannschaft vor Ablauf aller fünf Schüsse uneinholbar, endet das Schießen vorzeitig. Bleibt es nach fünf Schüssen pro Seite unentschieden, folgen weitere Einzelschüsse im Sudden-Death-Modus, bis eine Mannschaft trifft und die andere vergibt.
Nur Spieler, die am Ende der Verlängerung auf dem Feld standen, dürfen schießen; ausgewechselte oder des Feldes verwiesene Spieler sind ausgeschlossen. Für jeden Elfmeter muss ein anderer Spieler antreten, es sei denn, alle verfügbaren Spieler einer Mannschaft haben bereits geschossen. Dann beginnt die Reihenfolge von vorne.
Ein derart langes Elfmeterschießen hat es bei einer Herren-WM bislang noch nicht gegeben und war auch nie nah daran.
Die längsten Elfmeterschießen in der Geschichte der Herren-WM
Die längsten Elfmeterschießen bei Weltmeisterschaften endeten jeweils nach sechs Schüssen pro Team: das Halbfinale 1982 zwischen Westdeutschland und Frankreich, das Viertelfinale 1994 zwischen Schweden und Bulgarien sowie das Achtelfinale 2026, in dem Paraguay Deutschland ausschaltete.