Chefankläger Khan muss wegen Missbrauchsvorwürfen seinen Posten räumen
Karim Khan, der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, steht wegen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs unter massivem Druck und muss nun sein Amt niederlegen. Diplomaten berichten, dass eine klare Mehrheit der Vertragsstaaten für seine Amtsenthebung votiert hat.
In der seit zwei Jahren andauernden Affäre um die Missbrauchsvorwürfe gegen den Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, Karim Khan, wurde dieser laut Aussagen von Diplomaten in New York abgesetzt. Die Vertragsstaaten des Gerichts stimmten mehrheitlich für seinen Rücktritt. Das offizielle Abstimmungsergebnis soll nach 23:30 Uhr MESZ bekanntgegeben werden. Die Kontroverse hat das Ansehen des Weltstrafgerichts erheblich beeinträchtigt.
Die Anschuldigungen gegen Khan stammen von einer ehemaligen Mitarbeiterin, die ihm sexuelle Übergriffe vorwirft. Khan, ein britischer Jurist, weist diese Beschuldigungen vehement zurück. Die Vorwürfe wurden bereits im Jahr 2024 öffentlich. Im Juni desselben Jahres wurde Khan aufgrund des Verdachts suspendiert. Kürzlich bestätigte die betroffene Frau ihre Vorwürfe erneut in einem Interview mit dem Sender CNN.
Seit 2021 bekleidete Khan das Amt des Chefanklägers und leitete unter anderem einen Haftbefehl gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wegen mutmaßlicher Verbrechen im Gaza-Krieg ein. Sein Ausscheiden dürfte den Haftbefehl jedoch nicht beeinträchtigen.
Eine UN-Kommission untersuchte die Vorwürfe und übergab Ende 2025 ihren Bericht an das Gericht. Medienberichten zufolge kam die Kommission zu dem Schluss, dass Khan einen „nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakt“ mit einer Mitarbeiterin gehabt habe.
Allerdings kritisierten drei Richter in einem Gutachten die UN-Untersuchung und bemängelten unter anderem, dass die Glaubwürdigkeit der Zeugen nicht ausreichend geprüft wurde. Laut Khans Anwälten kam die Kommission zu dem Ergebnis, dass kein Fehlverhalten oder Pflichtverstoß nachgewiesen werden konnte. Dennoch entschied das Präsidium der Vertragsstaatenkonferenz, bestehend aus Vertretern von 21 Staaten, anders, was letztlich zur Suspendierung Khans führte.